Erstellt am 30. Mai 2014, 12:09

Karlheinz Böhm gestorben. Karlheinz Böhm, Schauspieler und Gründer der Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" ist tot.

Böhm starb am Donnerstag nach langer schwerer Krankheit in seinem Haus in der Nähe von Salzburg. Als Schauspieler war Böhm Mitte der 50er-Jahre in der Rolle des jungen Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider in den "Sissi"-Filmen bekannt geworden. Nach einem Afrika-Besuch in den 1970ern wurde er zum Entwicklungshelfer: Bis 2011 stand er an der Spitze der 1981 von ihm gegründeten Hilfsaktion für Äthiopien, "Menschen für Menschen".

Böhm war bereits seit langer Zeit krank, seine Stiftung führte seit einigen Jahren seine äthiopische Frau Almaz. Im vergangenen Dezember hatte sie den hauptamtlichen Vorstandsvorsitz abgegeben, um sich um ihren schwer kranken Mann zu kümmern. In einer Aussendung der Hilfsorganisation nannte sie ihn "Vorbild und Motivation". Er habe ihr den Glauben geschenkt, dass ein einzelner Mensch sehr viel Positives bewirken kann: "So schwer mich sein Verlust trifft, so sehr gibt mir der Glaube an seine Vision Kraft, sein Lebenswerk weiterzuführen."

Star unzähliger Filmproduktionen

Der Sohn eines Dirigenten und einer Sopranistin hatte nach seinem ersten Engagement an der Burg Auftritte am Theater in der Josefstadt sowie Bühnengastspiele in München, Frankfurt, Berlin und Zürich. Zeitgleich begann in den 50er-Jahren auch Böhms Filmkarriere als Star von unzähligen, meist kommerziellen Unterhaltungsproduktionen wie Ernst Marischkas "Sissi"-Trilogie (1955-1957).

Das Image als Schwiegermutters Liebling versuchte er mit Filmen im Ausland zu konterkarieren, in den 1960er startete er noch einmal ein Comeback auf der Bühne und vor der Kamera u.a mit unter Rainer Werner Fassbinders Regie entstandenen Filmen "Martha" (1973), "Faustrecht der Freiheit" (1974) und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" (1975). Für "Menschen für Menschen" (MfM) gab er dann 1983 seine Schauspielkarriere gänzlich auf.

Am Anfang war eine Wette...

1981 hatte Böhm bei einem Aufruf in der TV-Sendung "Wetten, dass..?" gewettet, dass "nicht einmal jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Schweizer Franken oder sieben österreichische Schilling für die notleidenden Menschen in der Sahelzone spendet". Er gewann die Wette - aber es kamen dennoch umgerechnet 8,4 Millionen Schilling zusammen, die den Grundstock für seine Organisation bildeten.

Im Rahmen von MfM wurden Hunderte Brunnen gebohrt, über 300 Schulen eröffnet, mittels Kleinstkrediten die Selbstständigkeit für Frauen ermöglicht und gegen die Beschneidung von Mädchen angegangen. In sechs Projektgebieten habe die äthiopische Bevölkerung bereits die Verantwortung übernommen, mehr als 5 Millionen Menschen würden mittlerweile von Böhms Lebenswerk profitieren, so MfM am Freitag.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Diskussionen um die Stiftung, nachdem ihr ein ehemaliger Großspender MfM Verschwendung und mangelnde Transparenz vorwarf. Almaz Böhm wies die Kritik stets zurück, man beauftragte eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und zeigte den früheren Förderer wegen Verleumdung an. Auf eigenen Wunsch will Böhm ab sofort als Schirmherrin der Hilfsorganisation fungieren und ausschließlich repräsentative Funktionen wahrnehmen.

Für seinen langjährigen Einsatz in der Hilfe zur Selbsthilfe wurde Karlheinz Böhm 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen, im Jahr darauf wurde er zum Ehrenbürger Äthiopiens ernannt. 2008 bekam er die "Berlinale-Kamera" sowie den Hundertwasser-Preis.