Erstellt am 24. September 2013, 13:51

Konrad für Neuorganisation von ORF und Presseförderung. Einen "von Grund auf anders organisierten ORF" wünscht sich der ehemalige Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad.

 |  NOEN
Der öffentlich-rechtliche Sender solle zwar nach wie vor im Eigentum der Republik bleiben, allerdings müssten die Organe ebenso wie die Finanzierung unabhängig gestaltet werden. Bei den Österreichischen Medientagen diskutierte Konrad am Dienstag mit Kabarettist Florian Scheuba über die "Vernetzung, Verstrickung und Verfilzung" von Medien und Politik, wobei er auch die Höhe der Inserate aus öffentlicher Hand kritisch betrachtete.

Durch die Veröffentlichung gemäß dem Medientransparenzgesetz habe sich gezeigt, dass in einem Jahr mehr als 200 Millionen Euro an öffentlichen Geldern in Medien geflossen sind. "Über diese Summe muss man schon nachdenken", meinte Konrad, der das Transparenzgesetz an sich als positiv bezeichnete. Handlungsbedarf sah der Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG unterdessen bei der Presseförderung. "Hier gilt es viel anzudiskutieren und neu, vor allem aber einfacher zu machen", anstelle etablierte Medienunternehmen weiter zu fördern und "künstlich über Wasser zu halten", wie Konrad sagte. Er plädierte für eine Presseförderung etwa als zeitlich begrenzte Starthilfe.

Chancengleichheit für alle

Beim Thema Gratismedien sprach der ehemalige Bankmanager deren Verteilmöglichkeiten auf öffentlichem Grund an. "Wieso ist das eigentlich gratis?", fragte Konrad und forderte "Chancengleichheit für alle". Davon abgesehen seien diese Medien maßgeblich von Einschaltungen durch öffentliche Stellen abhängig.

Die Wirkung der Medien werde von den Politikern wiederum oftmals überschätzt, diesbezüglich ortete Konrad überzogene "Erwartungshaltungen". Anstatt die Politik nach den Medien auszurichten wünschte er sich "mehr selbstbewusste Politiker und Journalisten, die nach bestem Wissen und Gewissen ihrem Job nachgehen". Nicht jede Kampagne eines großes Mediums würde auch bei der Bevölkerung ankommen. Problematisch sei indes die "zu große Nähe" zwischen manchen Politikern und Journalisten. "Und grundsätzlich benötigt es mehr Respekt vor einander, bei Journalisten wie bei Politikern."

Gegen Einflussnahme von Eigentümern und Politikern auf Medien

Eine Absage erteilte Konrad der Einflussnahme von Eigentümern und Politikern auf Medien, da es "die einzige Möglichkeit ist, glaubwürdig zu bleiben". Entsprechend kritisch beurteilte er auch den Rückzug von ÖVP-Inseraten in "News" nach einem kritischen Artikel. Und zum Thema ORF-Journalisten und Twitter gab sich Konrad ganz pragmatisch. Strengere Regeln und Beschränkungen lehnt er ab. "Die sollen sagen können, was sie wollen."