Erstellt am 25. Januar 2014, 21:15

Kurt Krenn gestorben. Der emeritierte Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn, ist am Samstag im Alter von 77 Jahren gestorben.

APAHPK 018 - 25062006 - St. POELTEN - OESTERREICH : ZU APA TEXT II - Archivbild vom 6. Juni 2001 zeigt den langjaehrigen Dioezesanbischof von St. Poelten ,Kurt Krenn ,der 28-06 70 Jahre alt wird . APA-FOTO: GUENTER R. ARTINGER  |  NOEN, GUENTER R. ARTINGER (APA)
Krenn war seit Jahren schwer erkrankt und daher nicht mehr öffentlich aufgetreten. Der Altbischof, der um 20.17 Uhr starb, hatte 13 Jahre lang die Diözese St. Pölten geleitet. Seit seinem auf Wunsch des Papstes erfolgten Rücktritt im Herbst 2004 im Zusammenhang mit der Affäre um Kinderpornos und Homosexualität im Priesterseminar lebte er zurückgezogen in der NÖ Landeshauptstadt. Krenn entschlief friedlich im Kreis seiner Familie im Kloster der Dienerinnen der Immaculata in Gerersdorf bei St. Pölten, wo er in den letzten Jahren gepflegt wurde.
x  |  NOEN, Rupprecht@kathbild.at (Franz Josef Rupprecht)

Kurt Krenn wurde am 28. Juni 1936 in Rannariedl (OÖ) als zweites von sechs Kindern des Ehepaares Karl und Leopoldine Krenn geboren. Nach der Matura am Realgymnasium in Schlierbach trat er 1954 in das Priesterseminar Linz ein und begann das Studium in Linz und Rom. In der "Ewigen Stadt" wurde Krenn am 7. Oktober 1962 auch zum Priester geweiht. In einer Pfarre bei Rom startete er seine Tätigkeit als Seelsorger. Es folgten Studienaufenthalte in Tübingen und München und Lehrtätigkeit in Linz, St. Pölten sowie - über Jahre zeitgleich mit dem jetzigen Papst Benedikt XVI. - an der Universität Regensburg.

Heftige Kontroversen prägten Amtszeit

Die gesamte Amtszeit des "streitbaren Bischofs" war überschattet von heftigen Kontroversen um seine Person, seinen Stil und viele seiner Aussagen. Krenn war im März 1987 von Papst Johannes Paul II. zum Wiener Weihbischof ernannt worden. Am 15. September 1991 übernahm er von Franz Zak die Leitung der Diözese St. Pölten, die er bis zur Emeritierung am 7. Oktober 2004 innehaben sollte.

Für Krenn taten sich in der 13-jährigen Tätigkeit in St. Pölten mehrere Fronten auf. Auf massive Ablehnung war er etwa bei den Äbten der niederösterreichischen Stifte gestoßen. Eine schier unendliche Geschichte war auch die Auseinandersetzung mit dem Paudorfer Pfarrer Udo Fischer.

Die Affäre um Kinderpornos und Homosexualität im St. Pöltener Priesterseminar läutete das Ende Krenns als Oberhirte ein. De facto wurde er der Leitung der Diözese am 20. Juli 2004 mit der Einsetzung eines Apostolischen Visitators - Klaus Küng, letztlich sein Nachfolger - enthoben.

Küng: "Licht und Schatten"

„Im Rückblick auf jedes Leben gibt es Licht und Schatten“, so Bischof Küng in einer Stellungnahme zum Tod seines Vorgängers, „und manchmal kommt es bei einem umstrittenen Menschen auf den eigenen Standpunkt an zu entscheiden, wo das Licht endet und der Schatten beginnt. Bischof Kurt mag Schwächen gehabt haben; seine Auftritte und Äußerungen haben sicher manche Menschen gereizt, ja geärgert und gekränkt. Vergessen wir dabei aber auch nicht, dass die Sorge um die Kirche und ihre Sendung sein Leben bestimmt haben. In dieser Hinsicht kann er für jeden und jede von uns ein Vorbild sein.“

Krenns Augenmerk habe der Theologischen Hochschule und dem Priesterseminar gegolten. "Es ist tragisch, dass gerade letzteres zum großen Streitfall wurde und schließlich als gescheitert angesehen werden musste", so Küng. "Das war sicher die schlimmste Enttäuschung von Bischof Krenn."

Krenn lehnte "Dialog für Österreich" ab

Widerstand gegen und Konflikte mit Krenn waren aber weit über St. Pölten hinausgegangen. Auslöser dafür war in erster Linie der Fall des früheren Wiener Erzbischofs Kardinal Hans Hermann Groer, gegen den im Frühjahr 1995 Vorwürfe laut geworden waren, er habe in seiner früheren Tätigkeit als Erzieher Buben sexuell missbraucht. Die Anschuldigungen führten zur Absetzung Groers. Die Folge war die schwerste Krise der katholischen Kirche in Österreich nach 1945, auf das "Kirchenvolks-Begehren" reagierte die Amtskirche mit dem "Dialog für Österreich". Krenn lehnte beides ab, versagte aber Groer im Gegensatz zu seinen Amtsbrüdern niemals die Unterstützung.

1998 war die Kirchenkrise dann Thema bei einem Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe in Rom. Dort kam es zum offenen Konflikt: Krenn sagte - sehr zum Ärger des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn als Vorsitzender der Bischofskonferenz - er kenne den Bericht der Bischöfe nicht. Schönborn widersprach, Krenns Reaktion war heftig: "Mir genügt's, wenn die Lügner das Maul halten."

Kritik stets zurück gewiesen

Im Zuge der Affäre um das Priesterseminar wurde Schönborn dann im Juli 2004 deutlich und kritisierte auch den Vatikan: Die Bischofskonferenz und Nuntius Georg Zur hätten schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass in St. Pölten etwas "nicht richtig" laufe. "Und es ist traurig, dass erst jetzt reagiert wird."

Krenn selbst hat die Kritik an ihm stets zurück gewiesen. Streitbar zu sein gehöre für ihn zum "Wesen eines vernünftigen Menschen", sagte er einmal. Als positiver Höhepunkt seiner Amtszeit in der Diözese gilt der Papstbesuch im Juni 1998. Johannes Paul II. zelebrierte damals einen Gottesdienst im St. Pöltner Regierungsviertel.

Noch kein Begräbnistermin

Vorerst gibt es noch keinen Begräbnistermin. Dieser soll in den kommenden Tagen festgesetzt werden, sagte Diözese-Sprecher Markus Riccabona am Sonntag. In einer Stellungnahme bezeichnete Landeshauptmann Erwin Pröll den Verstorbenen als "streitbaren Mann der Kirche mit Handschlagqualität".

Priester "mit großem Engagement"

Die Zusammenarbeit der Diözese und des Landes habe unter Krenn auf "sehr korrekte Weise" stattgefunden, betonte Pröll gegenüber dem Landespressedienst. "Bischof Krenn war geprägt durch hohen Intellekt und durch starke Werthaltung, der er in kontroversiellen Diskussionen Ausdruck verlieh. Er respektierte die klare Trennung zwischen Kirche und Staat und prägte dadurch in Niederösterreich eine kooperative Linie beider Institutionen", so der Landeshauptmann. Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz hat Kurt Krenn noch vor Weihnachten besucht. Dies "freute den gebürtigen Oberösterreicher immer sehr und hatte große Bedeutung für ihn", so Schwarz in einer Presseaussendung. Er würdigte Krenn als Priester, der einst "mit großem Engagement" in Mühlviertler Pfarren aushalf. "Es gab allerdings auch Kontroversen über seine Aussagen und sein Wirken".

Bereits als Weihbischof kannte er den Verstorbenen und war mit ihm im Gespräch. Schwarz würdigte Krenn für seine Zeit als Philosphieprofessor an der damals Katholisch-Theologischen Hochschule. Krenn hätte sich stets um die Studierenden bemüht. Der Linzer Bischof hatte ihn in den vergangenen Jahren, während der schweren Erkrankung, regelmäßig besucht.

In einem Schreiben meldete sich auch Franz Schmatz, Professor an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Krems a.d. Donau, zu Wort. "Kurt Krenn war in meiner Wahrnehmung ein gespaltener Mensch. Der 'Mensch' Kurt Krenn war ein durchaus herzlicher, zerbrechlicher, spielerischer, lebensgenießender und liebenswürdiger Mensch. Der 'Bischof' Kurt Krenn war ganz konträr dazu. Als Bischof stellte er fast in Perfektion dar, wohin es führt, wenn ein ursprünglich befreiender und lebensbejahender Glaube zu einem erstarrten, lebensfernen Glaubenssystem, ja zu einer Glaubensideologie wird", so Schmatz über den Verstorbenen.

Nach jahrelangem Konflikt hatte Krenn Schmatz im März 1995 die Lehrbefugnis entzogen. Hauptstreitpunkt war damals die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten gewesen. Dennoch hob der Theologe die "Klarheit" des Altbischofs hervor. Man habe bei ihm gewusst, woran man sei.