Erstellt am 25. November 2014, 15:37

Lagunenstadt im Sinnestaumel. Im Sommer 2015 zeigen die Seefestspiele Mörbisch mit „Eine Nacht in Venedig“ Operette in märchenhafter Perfektion.

 |  NOEN, Walter Vogelweider
Die Magie einer Ballnacht im Karneval, das Feuer der glutäugigen Herren und die fiebrige
Leidenschaft der venezianischen Damenwelt kombiniert mit einigen Verwechslungen und
diversen Karrierebestrebungen: Von der allerersten Stunde an spielten Verführung und Inbrunst Schlüsselrollen in der Geschichte von „Eine Nacht in Venedig“.

Die Uraufführung im Jahr 1883 konnte nicht in Wien stattfinden. Der Grund? Johann Strauss’ Frau hatte eine Affäre mit dem Direktor des Theaters an der Wien. Daraufhin nahm der Gehörnte kurzerhand ein Angebot für die Uraufführung in Berlin an.
 
Gut 130 Jahre später wird „Eine Nacht in Venedig“ nun 2015 bei den Seefestspielen Mörbisch zu
sehen sein. „Nach dem Musical im vergangenen Sommer widmen wir uns jetzt gleichsam wieder der
großen klassischen Operette,“ kündigt Intendantin KS Dagmar Schellenberger an, „Das Stück hat
alles, was es braucht: Melodien, die jeder kennt, opulente Ballette, die auf unserer Bühne optimal zur
Geltung kommen und eine mitreißende Geschichte. Komplettiert wird alles durch ein feudales
Bühnenbild und traumhafte Kostüme.“

Zauber der Nacht

Regisseur Karl Absenger, der im Sommer 2014 mit „Anatevka“ auf der Seebühne bereits einen
großen Erfolg feiern konnte, will mit seiner „Nacht in Venedig“ das gemeinsame Abenteuer in den
Vordergrund stellen: „Die Gäste sollen spüren, dass es hier für alle zusammen etwas Großartiges
und Neues zu entdecken gibt. Das Stück steht für die pure Freude, das Eroberungsfieber, die
Aufregung einer einzigen Nacht. Sobald die Menschen eine Maske aufsetzen, verlieren sich ihre
Sorgen und die Freiheit, so zu sein, wie sie sein möchten, gewinnt. Und plötzlich kann man alles das
erleben, was man sich wünscht. So ist das nicht nur im Karneval oder auf der Bühne, sondern auch
im echten Leben: die Maske als Spiegel unserer Sehnsucht - als Verwirklichung unserer Träume - als kleiner Lichtblick in unserem grauen Alltag.“
 
Den prunkvollen Rahmen für das entfesselte Treiben liefert auch 2015 wieder der ebenfalls
„Anatevka“-erprobte Bühnenbildner Walter Vogelweider. Er hat sich lange mit dem Dilemma der
Lagunenstadt auseinandergesetzt. „Mich beschäftigt der Prozess von der Entstehung von etwas so
Wahnsinnigem wie Venedig bis zu dessen Wahrnehmung und wie wir als Menschheit dann damit
umgehen. Die Stadt wird durch uns zum Konsumgut degradiert, wir schippern in riesigen
Stahlkolossen an etwas so Monumentalem vorbei, als wäre es nichts weiter als ein Postkartenmotiv“,
erklärt Vogelweider, „Aber natürlich kommt das Fantastische, das Märchenhafte nicht zu kurz.
Dieses Bühnenbild bietet Überraschungen am laufenden Band, ständig gibt es etwas Neues, etwas
noch Spannenderes zu entdecken.“
 
Die Kostüme steuert Susanne Thomasberger bei (Bettelstudent 2013), dirigieren wird Andreas
Schüller, der bisher noch nicht bei den Seefestspielen tätig war und auch Choreograf Mirko Mahr
feiert sein Mörbisch-Debut.

Stars, Jungtalente und Kabarett

Hinsichtlich der Rollenbesetzungen greift Dagmar Schellenberger auf ihr bewährtes Konzept zurück,
aufstrebende Talente arrivierten Stars an die Seite zu stellen. So geben Herbert Lippert und Michael Heim den glutäugigen Belami, vor dem alle venezianischen Frauen in Sicherheit
gebracht werden sollen, während die hübsche Annina von Elena Puszta und Annika
Gerhards verkörpert wird. Den Caramello singt u.a. Mirko Roschkowski, der im
Bettelstudent 2013 als Symon zu sehen war.
 
Das Senatoren-Trio besteht aus Heinz Zednik, Ernst-Dieter Suttheimer und Joesi Prokopetz, wobei
letzterer federführend für die gewitzten Wortwechsel der drei verantwortlich ist. Mit Verena Scheitz
(Agricola) und Otto Jaus (Enrico) konnten zwei weitere Aushängeschilder
der österreichischen Kabarettszene gewonnen werden.

Ein ganz besonderer Name auf der Besetzungsliste ist jener der längstdienenden Mitarbeiterin der
Seefestspiele Mörbisch überhaupt: Marina Alsen, Tochter des Gründers der Seefestspiele, stand von Kindesbeinen an auf der Seebühne und gibt sich als Senatorengattin Constantia noch einmal die Ehre.
 
Und noch eine Geschichte findet 2015 ihre Fortsetzung: Nach der gelungenen Golde in „Anatevka“
hatte Dagmar Schellenberger eigentlich eine Bühnenpause geplant. Diese Rechnung hat die
Intendantin allerdings ohne ihren Regisseur gemacht. Für Karl Absenger ist Dagmar Schellenberger
nämlich seine Wunschbesetzung für die Rolle der Barbara Delacqua.