Erstellt am 14. August 2015, 16:11

von Wolfgang Millendorfer

„Letzte Chance“ für Haydn. Trotz gegenseitiger Schuldzuweisungen soll es neue Gespräche zur Fortführung der Haydnfestspiele geben. Scheitern die Verhandlungen, könnte sich das Festival bald „verdoppeln“.

Esterházy-Direktor Karl Wessely hat neue Pläne.  |  NOEN, BVZ

Der langjährige Konflikt zwischen dem Land und der Privatstiftung Esterházy hat mit dem Streit um die Fortführung der Haydnfestspiele einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie berichtet, wurden die Vertragsverhandlungen von Esterházy abgebrochen; ab 2017 soll ein neuer Trägerverein das Klassik-Programm im Eisenstädter Schloss verantworten. Somit wären die Haydnfestspiele in der jetzigen Form Geschichte.

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Für Kulturlandesrat Helmut Bieler und Intendant Walter Reicher ist das letzte Wort damit aber nicht gesprochen. In einer Pressekonferenz erneuerten sie nicht nur die Kritik an wiederkehrenden „Schikanen“, sondern präsentierten auch einen  unterschriebenen Vertrag, der die Verlängerung des Festivals zumindest im Jahr 2017 sichern würde.

„Aber offensichtlich sollen die Haydnfestspiele als Konkurrent aus dem Schloss ausgesperrt und versucht werden, deren Renommee an sich zu reißen“, hält Bieler fest. Reicher spricht von einem „grob fahrlässigen“ Vorgehen, das auch dem Land und der Stadt Eisenstadt Schaden zufügen könne: „Es ist ja nicht so, dass wir hier ein Dorffest machen. Wir sind im internationalen Veranstaltungsgeschehen.“

Debatte um Vertrag

Jetzt soll geprüft werden, welche rechtlichen Möglichkeiten der Vertrag dem Land einräumt. Esterházy-Direktor Karl Wessely hingegen betont auf Anfrage der BVZ, dass der Vertrag nie zustande gekommen sei, da Esterházy das Angebot zurückgezogen habe, nachdem es vom Land keine Antwort gegeben habe: „Mit der Verlängerung um ein Jahr wollten wir die Möglichkeit für intensive Verhandlungen und einen langfristigen Mietvertrag einräumen. Vonseiten des Landes kam aber keine Reaktion. Im Gegenteil: Esterházy wurde immer wieder öffentlich angegriffen.“

Die Beziehung zwischen den Streitparteien bleibt festgefahren, beide werfen einander vor, das Opfer von „Spielchen“ zu sein. Als eine Art „Mediator“ soll Eisenstadts Bürgermeister Thomas Steiner nun versuchen, alle  wieder an den Verhandlungstisch zu bringen.

Gibt es keine Einigung, könnte es ab 2017 gleich zwei Haydn-Festivals in der Landeshauptstadt geben: Die Privatstiftung Esterházy will die Haydnpflege im Schloss auf jeden Fall fortführen; der Verein der Haydnfestspiele überlegt, ins Kulturzentrum Eisenstadt „auszuwandern“.