Erstellt am 25. September 2012, 21:35

Medientage: Zeitungen gewinnen in Krisenzeiten an Bedeutung. Hans Gasser, VÖZ-Präsident, betonte, die "wirkliche Sauerei" sei der Abtausch von Inseraten gegen Berichterstattung. Wenn die Demokratie in der moralischen Krise steckt, dann sind Zeitungen wichtiger denn je, waren sich die Diskutanten einig.

Wenn die Demokratie in der moralischen Krise steckt, dann sind Zeitungen wichtiger denn je, waren sich die Diskutanten bei den Medientagen zum Thema "Krisenpapier oder Papier gegen die Krise - Printmedien und ihre gesellschaftspolitische Verantwortung" weitgehend einig. Man habe etwa mit dem Anschreiben gegen das Ende des Korruptions-Untersuchungsausschusses quer durch die Qualitäts-Medienlandschaft bewiesen, "dass wir unseren Teil der Aufklärung ganz ordentlich erledigen", war "Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid überzeugt.

"Das Papier hat keine Krise - im Gegenteil. Jetzt stellt sich heraus, wer Bestand hat. Wir werden schreiben, egal ob wir Inserate bekommen oder nicht - daher haben Zeitungen heute eine größere Bedeutung als früher", gab sich "Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter kämpferisch. Der Boulevard hingegen habe gezeigt, dass er nicht funktioniert, die Politiker müssten sich also nicht fürchten, so Brandstätter: "Wenn die 'Krone' seit Jahren versucht, aus Norbert Darabos einen Helden zu machen und er immer noch ein Bettvorleger ist, sehe ich, dass Boulevard nicht funktioniert."

Hans Gasser, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), wollte keine Unterscheidung zwischen Boulevard und Qualitätsmedien treffen und betonte, dass es jeder Zeitung selbst überlassen bleibe, ob sie Kampagnenjournalismus betreibe oder nicht. Die "wirkliche Sauerei" sei vielmehr, wenn im Hintergrund Inserate gegen Berichterstattung abgetauscht werden. Angesprochen auf diese Art von Medienkorruption meinte "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner, "mich betrifft das nicht".

Vielmehr strich er die moralischen Ansprüche hervor, die nach eigenen Angaben in seiner Redaktion herrschten. So gelte nach Aussagen von Fellner bei "Österreich" ein Redakteursstatut und auch dem Presserat würde seine Zeitung sofort beitreten, sobald dort nicht mehr der VÖZ alleiniger Vertreter der Verlegerinteressen sei. Weiters prangerte Fellner die Einladung von Journalisten zu Pressereisen als "Form der Kleinkorruption" an, die aufhören müsse - bei "Österreich" würden Pressereisen immer selbst bezahlt, so Fellner, Reise- und Motor-Reisen würde es erst gar nicht geben.

Kritik übten Föderl-Schmid, Brandstätter und Fellner an der engen "Verhaberung" der Medienszene mit der Politik, die im internationalen Vergleich ihresgleichen sucht. Föderl-Schmid forderte wiederholt klare Compliance-Regeln für Journalisten.

"Kleine Zeitung"-Chefredakteurin Eva Weissenberger betonte die aufklärerische Rolle der Medien in den laufenden Korruptionsaffären. In Richtung "Kurier" und "Österreich" meinte sie, dass es gut wäre, wenn diese ähnliche Energie auf investigative Geschichten über die Bundesländer Wien und Niederösterreich stecken würden, wie es die "Kleine" in Kärnten tue.

Gemeinsam sprachen sich die Printvertreter für eine deutliche Erhöhung der Presseförderung aus, die im Herbst evaluiert werden soll. Uneins war man sich allerdings über den Vergabemodus. Während Fellner meinte, es dürfe keinen Deus ex machina geben, der entscheidet, was Qualität ist und gefördert wird, sprach sich der frühere Mastertalk-Geschäftsführer Hansjörg Tengg gegen die Förderung von Gratistiteln aus und meinte, man könne nur fördern, was der Markt etwa durch verkaufte Exemplare bestätigt, nicht aber Geschenke.