Erstellt am 21. Dezember 2011, 15:04

"Mein Leben fängt jetzt neu an". Mörbisch-Zampano Harald Serafin über seinen Schlussakt bei den Seefestspielen, seinen 80. Geburtstag am Heiligen Abend und über das Glück.

serafin harald  |  NOEN
VON DIETMAR BAURECHT

„Ich bin am Heiligen Abend geboren, und das ist eine Auszeichnung des Schicksals.“ Augenzwinkernd lässt der Intendant der Seefestspiele Mörbisch wissen, dass „Serafin“ aus dem Hebräischen heraus „Engerl“ heißt. Heuer hat man bei Serafins noch mehr zu tun als sonst: Weihnachten und die Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag des Jubilars stehen an. Im Vorfeld gab Harald Serafin der BVZ ein Interview in Wien. Ein Ei-lastiges Frühstück mit Brot und Kaffee stand auf Mister Wunderbars Wunschliste.

BVZ: Hat die Rolle des Frauenlieblings auch so manche Tür in Ihrem Leben geöffnet?
Harald Serafin: Nun hab ich schon von Natur aus einen gewissen Charme. Und als Mischung aller meiner Familienvergangenheiten habe ich auch diesen österreichischen Charme. Damit bin ich selbstverständlich auch hausieren gegangen.

BVZ: War dieser Charme beim „Gelsenhaufen“, wie Sie Mörbisch in Ihrem Buch nannten, ein Element des Erfolgs?
Serafin: Der Charme ist ein Teil der Persönlichkeit. Es gehören auch Überredungskunst, Profilierung und Konzentration aufs Ziel dazu. Der Mann, der etwas verkauft, muss glaubhaft sein. Da helfen selbstverständlich der Charme und die Frauen kolossal.

BVZ: Nun steht zu Ihrem 20. Jubiläum in Mörbisch „Die Fledermaus“ auf dem Programm. Was bereuen Sie in Mörbisch?
Serafin: Nichts, überhaupt nichts. Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Arbeit. Ich bin der Mister Wunderbar geworden. Ich habe den Intendanten in den ersten Jahren sehr wichtig genommen. Dann kam wieder die Stimme, und da hab‘ ich mich selbst eingebaut, was unbedingt wunderbar für die ganzen Aufführungen war. Da hatte ich einen hohen Beliebtheitsgrad – vielleicht nicht im Land – aber sonst überall.

BVZ: Welche Rolle übernehmen Sie in der „Fledermaus“?
Serafin: Da bin ich der Gefängnisdirektor. Da kann man schon sagen: Die Seefestspiele waren 20 Jahre ein Gefängnis, in dem ich viel geschuftet und gearbeitet habe (lacht). Aber ich wollte das ja unbedingt 20 Jahre lang machen und das ist mir auch gelungen, mit Hilfe der Politik!

BVZ: Was hat Ihnen besondere Freude gemacht?
Serafin: Ich habe das Komturkreuz des Landes bekommen. Das wurde mir mit Recht verliehen. Das hat keiner geschafft, aus dem Gelsenhaufen ein Mekka zu machen. Man ging damals nach Mörbisch, um sich stechen zu lassen. Herbert Alsen (Seefestspiele-Initiator, Anm.) war nicht begabt, mit dem Klingelbeutel herumzugehen, aber er ist der Entdecker dieser Insel gewesen.

BVZ: Mörbisch hat zwei große Intendanten gehabt. Wie wichtig ist es, dass nun eine Frau Intendantin wird?
Serafin: Das ist mir wurscht.

BVZ: Ich spreche nicht von Mörbisch allein. Ist es für Sie grundsätzlich wichtig, dass mehr Frauen in diese Positionen kommen?
Serafin: Wenn sie dazu geeignet sind, ja.

BVZ: Am 24. Dezember feiern Sie. Was wünschen Sie sich unter Ihrem „Geburtstagsbaum“?
Serafin: Ich möchte vieles machen. Ich gehe ab Februar acht Wochen nach Paris und mache „Die lustige Witwe“.

BVZ: Und in welcher Rolle?
Serafin: Der Zeta, der Komiker, der Gehörnte. Der Intendant der Pariser Oper (Nicolas Joel, Anm.) hat mich in Mörbisch gesehen. „Nehmen wir den“, sagte er. Stell Dir vor: Ich bin achtzig, das ist Glück! Das Glück hat mich immer verfolgt und dafür bin ich dankbar (klopft auf den Tisch). Unglück ist Krankheit und es gab ein paar Unglücksfälle in meinem Leben, die aber durch viele, viele Glücksmomente aufgewogen wurden. Mein Leben endet ja nicht mit Mörbisch. Mein Leben fängt jetzt wieder neu an. Ich will jetzt nur noch mit Frieden und Achtung behandelt werden. Jedes Interessensgebiet, das ich angegriffen habe, ist in meinem Leben zu einem Erfolg geworden. Und darum weiß ich, dass es mich noch länger geben wird.

BVZ: Also ein Glücksengerl …
Serafin: Das ist ein bisserl zu sehr geschmeichelt. Was heißt Glück? Glück kommt aus dem Hirn.