Erstellt am 17. Juni 2013, 14:48

Menschenwürde soll in Verfassung verankert werden. Nachdem der Nationalrat letzte Woche die Verankerung des Tierschutzes in der Verfassung beschlossen hat, ist es nach Ansicht des ÖVP-Behindertensprechers Huainigg höchste Zeit, auch die Menschenwürde dort unterzubringen.

Die Volkspartei hat der SPÖ einen entsprechenden Entwurf übermittelt und hofft, diesen noch in der letzten Nationalratssitzung vor dem Sommer beschließen zu können.

Der Vorschlag der ÖVP orientiert sich an Deutschland, wo die Menschenwürde im Artikel 1 des Grundgesetzes als unantastbar verankert ist. Nach den Vorstellungen der ÖVP soll Artikel 7 der österreichischen Verfassung, in dem unter anderem festgehalten ist, dass "alle Staatsbürger vor dem Gesetz gleich sind", um folgende Formulierung ergänzt werden: "Die Menschenwürde ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen."

Die Verankerung der Menschenwürde in der Verfassung hätte "keine Wunderwirkung, wäre aber wichtig", sagte auch Peter, deutscher Autor, Schauspieler und Mitglied des Deutschen Ethikrats. Er und Huainigg verurteilten gleichzeitig Tendenzen in Richtung Sterbehilfe. Radtke äußerte die Befürchtung, dass die Barriere gegen das Töten auf Verlangen zu bröckeln beginne. Gerade Deutschland und Österreich hätten "in der Nazi-Zeit schlimme Erfahrungen gemacht" und sollten daher "noch sensibler mit diesem Thema umgehen", so Radtke.

Er und Huainigg nahmen auch die Medien in die Pflicht. Huainigg kritisierte u.a. die aktuelle ORF-Kampagne "ORF Wie wir." Darin würde die Gesellschaft hauptsächlich durch "junge, fitte und dynamische" Menschen dargestellt. Menschen mit Behinderung würden dagegen untergehen. Sie kommen immer nur in Sendungen zu Behindertenthemen vor. Medien würden zudem eine Mitschuld daran tragen, dass eine Gesellschaft ohne Behinderungen und Krankheiten suggeriert werde. "Medien müssen einer solchen falschen Euphorie entgegensteuern", so Radtke.