Erstellt am 06. Oktober 2016, 12:42

"Es ist immer ein Suchen und ein Weitergehen". Ein früheres Projekt von THOMAS PRONAI hieß THE BEAUTIFUL KANTINE BAND. Nun legt der Musiker und Produzent von Bands wie GARISH und JA, PANIK sein drittes Album als BO CANDY vor. Das Album „Uzlop“ kreist um den Ort Oslip im Burgenland, in dem THOMAS PRONAI lebt. Jürgen Plank sprach mit dem Künstler über Entschleunigung am Land, Countrymusic und NEIL YOUNG.

Christian Hotz

Was bedeutet denn „Uzlop“, der Titel Ihres neuen Albums?
Thomas Pronai:
 „Uzlop“ ist kroatisch für „Oslip“, das ist die einfachste Erklärung. Die Cselley Mühle ist in Oslip und ich wohne in Oslip. Wer schon hier war, wird wissen, dass Oslip ein ziemlich verschlafenes Nest ist. Die ganze Platte dreht sich um Entschleunigung, um die Enttäuschung von der Großstadt, und da hat sich „Uzlop“ als Titel sehr angeboten.

Wie ist die Platte entstanden, wie war der Arbeitsprozess?
Anfangs war die Platte so gar nicht geplant. Angefangen hat es so, dass wir mit dem Sado-Maso Guitar Club imRadioKulturhaus in Wien gespielt haben. Wir haben das Konzert nicht als Vorgruppe und Hauptgruppe gespielt, sondern waren gemeinsam auf der Bühne und haben einige Lieder miteinander gespielt. Ich fand das so cool, dass ich gesagt habe, dass nach Oslip kommen sollen, damit wir die Lieder aufnehmen, die wir miteinander gespielt haben. Das war dann die erste Session, bei der wir mit Bo Candy auch ein paar neue Nummern aufgenommen haben.

Wie ging es dann weiter?
Wir haben einander dann über einen Zeitraum von einem Jahr zwei- oder dreimal getroffen und wieder etwas aufgenommen. Irgendwann habe ich gesagt: „Das ist ein richtig cooles Album.“ Ich habe daran weitergearbeitet, Overdubs gemacht und gesungen, bis es dann irgendwann fertig war. 

„‚Oh Sleep‘ ist das Kernstück der Platte, weil es ein Wortspiel mit Oslip ist.“ 
 

Gibt es ein Lied auf der neuen Platte, auf das Sie besonders hinweisen möchten?
Da würde ich „Oh Sleep“ herauspicken. „Oh Sleep“ ist das Kernstück der Platte, weil es ein Wortspiel mit Oslip ist. Ich habe da immer das Bild von der Kassiererin beim Greißler im Kopf, die 80 Jahre oder älter ist und noch immer dort sitzt und kassiert und mit jedem, der hereinkommt, ein kurzes Gespräch führt. Wenn man zwei Sachen kauft, braucht man eine halbe Stunde, aber das ist egal, weil hier jeder die Zeit hat, und das finde ich schön.

Inwiefern ist denn Bo Candy eine Weiterentwicklung – vielleicht auch ein logischer Schritt – nach Ihrem Projekt The Beautiful Kantine Band?
The Beautiful Kantine Band ist nun schon lange her. Ich würde sagen, dass das beim ersten Bo-Candy-Album noch irgendwie relevant war. Natürlich hat die Beautiful Kantine Band einen 60er-Jahre-Sound gemacht, prinzipiell alles, was noch analog war. Mit Bo Candy sind wir in die 1950er-Jahre zurückgegangen und haben mehr die Blueswurzeln bzw. R ‘n‘ B erforscht. Im Laufe der Jahre – und es ist ja inzwischen das dritte Album – hat sich ein eigenständiger Stil entwickelt, der eher ein Singer-Songwriter-Projekt von mir ist. Die Begleitband, die Broken Hearts, sind nun beim dritten Album nicht mehr im Titel enthalten. Die haben zwar das Album eingespielt, aber es ist eher eine Singer-Songwriter-Platte.

Sie haben eben den Blues als Wurzel erwähnt. Das Stück „Get Along“ ist stark countrylastig. Was gefällt Ihnen an Countrymusic?
Mein Country-Faible rührt noch von der Kantine-Band her. Der Song „Get Along“ ist eigentlich schon ziemlich alt. Er war zu einem Zeitpunkt entstanden, an dem es die Kantine-Band noch gar nicht gab. Der ist auf einer EP von der Band Songs of Claire Madison drauf – die kennt niemand. Das Lied ist aber von mir und ich wollte es wieder auf einem Album haben, damit die Leute es kennenlernen, weil ich es sehr stark finde. Countrymusic mag ich wirklich schon sehr lange.

Was sagen Sie zu Hank Williams, einem der größten Countrymusiker aller Zeiten?
Hank Williams mag ich prinzipiell sehr gerne. Ich habe mit Ernst Molden ein Duo-Projekt, das alle paar Jahre in Erscheinung tritt, und da spielen wir einige Hank-Williams-Songs. Ein paar davon habe ich sogar ins Deutsche übersetzt.

Wie heißt das angesprochene Projekt mit Ernst Molden?
Das heißt Ernst Molden & Thomas Pronai oder Thomas Pronai & Ernst Molden.

Was macht die Faszination von Hank William aus? 
Die Faszination? Es sind sehr coole, auf den Punkt gebrachte Texte. Die Songs sind in diesem Country-Genre musikalisch eigentlich relativ eng. Rund um diese Enge der Harmonien hat Hank Williams einige sehr lässige Songs geschrieben, die auch wirklich hängen bleiben. Oft wollen diese Country-Leute etwas draufsetzen und dann wird es belanglos, aberHank Williams hatte – wie man im Jazz sagt – immer den richtigen Standard und hat Songperlen geschaffen. „Wenn man zwischendurch eigene Musik produziert, kann man immer etwas lernen.“

Sie haben bereits bekannte Bands wie Garish und Ja, Panik produziert. Worin besteht für Sie der Unterschied zwischen dem Produzieren Ihrer eigenen Musik und dem Produzieren der Musik anderer?
Bei meinen eigenen Sachen probiere ich immer aus, was ich mich bei anderen Sachen nicht traue, weil ich nicht weiß, ob es klappt. Und bei meinen Sachen probiere ich halt und wenn es nicht hinhaut, ist es guter Lernprozess für mich. So weiß ich bei Bands, die zu mir kommen, was ich besser anders mache. Wenn man zwischendurch eigene Musik produziert, kann man immer etwas lernen. Auf meinen Platten sind wahrscheinlich immer die meisten Fehler drauf, weil ich am meisten ausprobiere. Manches geht halt in die Hose und manches funktioniert.

Ist Ihr Projekt Bo Candy aktuell dort angelangt, wo Sie es bei der Gründung hinbewegen wollten? Wo steht Bo Candy gerade?
Ich glaube, das wird nie irgendwo ankommen. Es ist ja bei Projekten, die an einer Person hängen, meistens so, dass sich etwas verändert. Es ändert sich der Musikgeschmack immer ein wenig und jedes Mal, wenn ein Album abgeschlossen ist, probiert man etwas anderes aus und will man woanders hin. Es ist immer ein Suchen und ein Weitergehen. Ein Ausprobieren, was als Nächstes passieren kann.

„Das ganze Album – und vor allem dieser Song – ist stark inspiriert von Neil Young.“
 

Das Lied „Golden Week“ hat mich an Neil Young erinnert. Auch wegen der Mundharmonika. Besteht da eine Querverbindung?
Das war absichtlich, denn in der Zeit, in der ich die Lieder geschrieben habe, habe ich sehr viel Neil Young gehört. Das ganze Album – und vor allem dieser Song – ist stark inspiriert von Neil Young. Mundharmonika spiele ich ja schon seit der letzten Platte, dieses Mal ein bisschen weniger. Aber dort, wo sie vorkommt, ist sie sehr gezielt eingesetzt. Ich finde, dass Neil Young sehr geschmackvoll Mundharmonika spielt und das animiert mich immer wieder, selbst Mundharmonika zu spielen.


Bo Candy & His Broken Hearts live
30. Sep 2016 – (AT) Graz / Bunker w/Empty Lot
06. Okt 2016 – (AT) Wien / Das Werk w/Cari Cari
21. Okt 2016 – (AT) Wien / Kabarett Niedermayr EMG Elternabend
25. Okt 2016 – (AT) Schlierbach / Theater w/Al Foul
02. Nov 2016 – (DE) Traunstein / Café Festung
03. Nov 2016 – (AT) Innsbruck / PMK
04. Nov 2016 – (DE) Emerkingen / Café Ohne
05. Nov 2016 – (CH) Basel / Terrorsamba w/Dave From Hollywood
09. Nov 2016 – (AT) Wels / Black Horse Inn
10. Nov 2016 – (AT) Krems / Kino im Kesselhaus
11. Nov 2016 – (AT) Wien / Nachtasyl w/Drive Moya
24. Nov 2016 – (AT) Wattens / Gasthof Neuwirt w/Ian Fisher
25. Nov 2016 – (AT) Steyr / Röda w/Ian Fisher
27. Nov 2016 – (AT) Salon Ditta w/Ian Fisher, Dawa
30. Nov 2016 – (DE) München / Feierwerk w/Ian Fisher
05. Jän 2017 – (AT) Vöcklabruck / OKH w/The Boys You Know

Links:
Bo Candy & His Broken Hearts (Facebook)

In Kooperation mit mica – music austria