Erstellt am 05. März 2012, 20:45

Migranten: Anerkennung von Titeln erleichtert. Die Anerkennung der Abschlüsse von Akademikern aus Drittstaaten soll erleichtert werden: Die bestehende Informationsstelle im Wissenschaftsministerium, das National Academic Recognition Information Centre (NARIC), wird zu einer zentralen Infoservicestelle ausgebaut.

Künftig müssen Nicht-EU-Bürger nicht mehr selbst herausfinden, welche Uni für sie zuständig ist, sondern können ihre Anträge auf Anerkennung des akademischen Abschlusses direkt dort einreichen, wie Ressortchef Karlheinz Töchterle (V) am Montag bei einer Pressekonferenz angekündigt hat.

Außerdem soll die maximale Bearbeitungsdauer an den Unis, die weiterhin für die Nostrifizierung zuständig sind, von derzeit sechs auf drei Monate verringert werden. Die Universitätenkonferenz (uniko) habe der Verkürzung der Bearbeitungsfrist bereits zugestimmt, die Änderung soll bei einer der kommenden Novellen des Universitätsgesetzes (UG) erfolgen, so Töchterle. Titel müssen dann nostrifiziert werden, wenn Nicht-EU-Bürger in einem in Österreich gesetzlich reglementierten Beruf arbeiten wollen, etwa als Arzt, Lehrer, Zivilingenieur oder Rechtsanwalt. Teile, die in der Ausbildung fehlen, müssen nachgeholt werden.

Töchterle plant außerdem die Einführung einer gemeinsamen Geschäftsstelle der drei Medizin-Unis, um die Verfahren zu verbessern und zu beschleunigen. Diese soll in den heuer stattfindenden Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2013-2015 verankert werden, bei denen Ministerium und Unis fixieren, welche Budgets die 21 Unis erhalten und welche Leistungen sie dafür erbringen müssen. Rund die Hälfte der rund 200 jährlichen Anträge auf Nostrifizierung (Anerkennung) von in Drittstaaten erworbenen akademischen Titeln betrifft den Bereich Medizin.

Künftig soll es für Arbeitgeber wie Bewerber zudem die kostenlose Möglichkeit geben, beim NARIC Abschlüsse im nicht-reglementierten Bereich (Informatik etc.) vergleichbar zu machen: Die Stelle soll unbürokratisch innerhalb weniger Tage ein Gutachten erstellen, welchem Studium bzw. Level (Bachelor, Diplom, Master etc.) der Abschluss in Österreich entspricht und ob die Hochschule im Drittstaat offiziell akkreditiert ist.

Bis zum Sommer soll im Rahmen einer Informationsoffensive auch eine eigene Homepage ( http://www.nostrifizierung.at ) eingerichtet werden.

Laut Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (V) lässt derzeit nur jeder dritte Akademiker, der seinen Abschluss in einem Nicht-EU-Land gemacht hat, seine Ausbildung in Österreich anerkennen. Mehr als ein Viertel der in Drittstaaten geborenen Beschäftigten arbeitet unter ihrem Qualifikationsniveau. Neben Studienabschlüssen sollen auch Schul- und Berufsabschlüsse künftig schneller und unkomplizierter anerkannt werden. Dazu sei er bereits "in guten Gesprächen" mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (beide S).

Derzeit werde man oft zwischen verschiedenen Ministerien, Bund, Ländern und Kammern hin- und hergeschoben, so Kurz. Ziel sei eine "starke Reduzierung der Stellen", an die man sich zur Anerkennung von Abschlüssen wenden muss. Eine Anlaufstelle für alle stehe aber nicht zwingend am Ende: "Es geht nicht entscheidend um die Frage, gibt es eine Stelle oder drei, sondern weiß ich, wohin ich muss."

Die Arbeiterkammer (AK) sieht die Maßnahme als "Schritt in die richtige Richtung" und fordert die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle zur Anerkennung von Abschlüssen.