Erstellt am 10. August 2015, 16:25

Neue Serie: Liebeserklärungen an das Burgenland. Die BVZ präsentiert die Autorinnen und Autoren des Buches „Mein Burgenland“. Zum Auftakt: Unternehmerin Gabriele Ambros und ihre Leidenschaft für die Archäologie.

Expedition ins »unterirdische« Burgenland. Archäologin Dorothea Talaa zeigt die Nekropole in Sigleß - Ausgrabungen aus der Awarenzeit.  |  NOEN, zVg
Das Burgenland ist für mich ein „Wohlfühl-Bundesland“. Diese Bemerkung muss ich meinem Loblied auf unser östlichstes Bundesland voranstellen. Obwohl ich keine gebürtige Burgenländerin bin, fühle ich mich diesem Land auf vielfältigste Weise verbunden. Einerseits aus wirtschaftlichen Gründen (ich bin Hälfteeigentümerin – übrigens gemeinsam mit einem Burgenländer – eines Unternehmens in Eisenstadt), andererseits auch, weil ich dieses Land mit seinen Menschen einfach sehr gerne mag.

Ich sage immer, ich sei ein Drittel Burgenländerin. Ein Drittel kommt aus Niederösterreich, ein Drittel hat seinen wirtschaftlichen Lebensmittelpunkt in Wien und ein Drittel verbringt seine Freizeit – und auch Teile der Arbeitszeit – sehr gerne im Burgenland. Viele unserer Freunde wohnen im Burgenland. Zuallererst, wie bereits erwähnt, mein Parndorfer Firmenpartner und Freund Gerhard Milletich mit seiner Familie. Ihm haben mein Mann und ich es zu verdanken, dass wir hin und wieder einem Fußballmatch in Parndorf zusehen dürfen. Wir haben uns sogar schon mit Fanartikeln des SC/ESV Parndorf ausgestattet.

Kultur, Gastronomie und gute Freunde

Freundesbesuche führen uns regelmäßig nach Neusiedl, nach Apetlon und Podersdorf, nach Eisenstadt – immer in Verbindung mit einer Einkehr in eines der wunderbaren Restaurants oder Gasthäuser. Ich finde es unglaublich toll, welches Niveau die Kultur und Gastronomie des Burgenlandes erreicht hat.

Sogar meine Zwergdackelhündin Chiara, vulgo Lizzy, ist eine halbe Burgenländerin. Die Mutter kommt aus Niederösterreich; der Vater jedoch aus Draßmarkt. Ihre Halbschwester, Nichte und ihre Großneffen und -nichten wohnen noch immer dort, und zwar bei der ungemein netten und fürsorglichen Dackelzüchterin Helga. Selbige besuchen wir oft, damit die Hundedame nicht vergisst, dass sie burgenländische Verwandte hat. Sie schnuppert in Draßmarkt sozusagen Heimatluft.

Landschaftlichem Zauber kann man sich nicht entziehen

Das Burgenland ist landschaftlich wunderschön. Selbst im November entfaltet die Landschaft einen Zauber, dem man sich nicht entziehen kann. Nirgendwo sind Nebelschwaden so reizvoll wie im Seewinkel. Und wenn ich an den Sommer im Burgenland denke, habe ich sofort Bilder von unendlichen Sonnenblumenfeldern vor Augen.

In derart harmonischer Umgebung kann nur ein hervorragender Wein wachsen. Über Philosophisches und Historisches lässt es sich bei einem guten Glas Burgenländer trefflich diskutieren und gegebenenfalls auch streiten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein Glas Wein aus dem Burgenland getrunken zu haben, das nicht den Eindruck höchster Weinkultur hinterlassen hat. Das muss man dem Land erst einmal nachmachen! Ich muss aber zugeben, dass mich zwar das „oberirdische“ Burgenland mit seiner wunderschönen Landschaft enorm bezaubert, mein wirkliches Interesse jedoch dem „unterirdischen“ Burgenland gilt, das tief in seinem Inneren Zeugen vergangener Zeiten verbirgt.

Verbindung von Antike, Mittelalter und Neuzeit

Am Kreuzungspunkt uralter Handelswege (zum Beispiel der Bernsteinstraße) gelegen, stößt man bei Bauarbeiten, beim Umgraben des Gartens und beim Spazierengehen auch unbeabsichtigt auf diese Relikte aus vergangener Zeit. Das führt auch dazu, dass man manchmal Burgenländer langsam über Wiesen und Felder gehen sieht, die Augen fest auf den Boden geheftet, mit seltsamen Geräten in der Hand. Auf meine Frage, was sie denn hier täten, bekam ich zur Antwort, dass die heutigen Nachfolger der Römer, Franken und Awaren nach Münzen suchen, die sie als Erinnerung an ihre Vorväter und -mütter gerne aufbewahren … Genug davon gibt es ja scheinbar.

Im Burgenland ist diese Verbindung zwischen Antike, Mittelalter und Neuzeit deutlich spürbar. Überall finden sich Hinweise auf Heiligtümer und Kultstätten längst vergangener Zeiten sowie Spuren uralter Siedlungen. Sogar das Stoober Töpferhandwerk dürfte nach Auskunft eines Herstellers von Plutzern und Krügen auf eine uralte, möglicherweise neolithische, auf alle Fälle aber bronzezeitliche Tradition zurückgehen.

Eines der interessantesten Erlebnisse im Burgenland war jedoch eine kürzlich besuchte Nekropole in Sigleß, die eine befreundete Archäologin – übrigens Perchtoldsdorferin wie ich – ergräbt und erforscht.
Es handelt sich um ein Awaren-Kaganat, das im 9. Jahrhundert nach Christus nur kurz Bestand hatte. Es wird schon einen Grund gehabt haben, dachte ich, dass die Awaren das Burgenland als Siedlungsplatz auserwählten.
Die Awaren nutzten für ihre Grablegungen eine bereits bestehende Anlage aus der Kelten- und Römerzeit – auch ein Beweis dafür, wie viele Völkerschaften im Burgenland lebten und wie beliebt das Land immer schon war.

Außergewöhnliches Erlebnis im „Hotel Kagan“

Im Rahmen unserer Expedition nach Sigleß wurden mein Mann und ich und eine Gruppe von Freunden von der Archäologin Dorothea Talaa – wie ich in das Burgenland verliebt – zu einer Rast in das von ihr schnell zusammengezimmerte „Hotel Kagan“ eingeladen.

Dieses Hotel bestand aus einer urgemütlichen Lounge aus Plastiksesseln, umgestülpten Kisten und einer Plane, die uns vor dem Regen schützte. Sogar der Geschäftsführer der Fachhochschule Burgenland, Georg Pehm, verließ für kurze Zeit seine wissenschaftlich-wirtschaftliche Berufung und tauchte in die Geschichte seines Landes tief ein. Es regnete jedoch in Strömen, als wir die Grabung besuchten. Da wir aber jede Menge guten Wein dabeihatten – natürlich einen aus dem Burgenland –, spielte das Wetter bald keine Rolle mehr. Es war nur schwierig, auf dem aufgeweichten Boden nicht auszurutschen und in die Gräber zu kippen. Es war so gatschig, dass es nur langsam voranging.

x  |  NOEN, zVg


Aber der Aufenthalt im „Hotel Kagan“ war ein außergewöhnliches Erlebnis für uns alle. Sogar mein Mann Kurt, dem meine althistorische und archäologische Begeisterung zuweilen schon etwas zu viel ist, war von den Awaren und dem Ausflug überaus angetan.

Diese Expedition in das „unterirdische“ Burgenland war tatsächlich ein Highlight des Jahres. Ich werde in Zukunft nichts unversucht lassen, das Burgenland auch weiterhin nach Gräbern, Münzen, alten Mauern und Knochen abzusuchen, dabei das „oberirdische“ wunderschöne Land mit seiner Gastfreundlichkeit natürlich nicht vernachlässigen.

Zur Person: Gabriele Ambros, Unternehmerin

  • Wurde 1957 in Niederösterreich geboren. Wohnt in Perchtoldsdorf beziehungsweise in Wien und ist mit Mag. Kurt Am-bros verheiratet. Sie studierte Betriebswirtschaft und Alte Geschichte.

  • Hälfte-Eigentümerin (gemeinsam mit KR Gerhard Milletich) des Verlages Bohmann und des Senders Schau-TV. Steht als Präsidentin der Forschung Austria vor und ist Mitglied des Rates für Forschung und Technologieentwicklung sowie Universitätsrätin an der Technischen Universität Graz.

Zum Buch: „Mein Burgenland“

25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs für jene Menschen, die hier leben oder die eine engere Beziehung zu diesem Land haben? Was sind ihre Ansichten, Einsichten und Aussichten? Michael Gerbavsits,
Georg Pehm und Walter Schneeberger haben 50 plus eine Antwort erhalten.

x  |  NOEN, Fotos: Leykam

Mit Beiträgen von: Gabriele Am-bros, Theodora Bauer, Konstanze Breitebner, Werner Dax und Johannes Wutzlhofer, Julia Dujmovits, Maggie Entenfellner, Heinz Fischer, Elisabeth Gamauf-Leitner, Michael Gerbavsits, Roland Hagenberg, Leo Hillinger, Georg Hoanzl, Norbert Hofer, Manfred Horvath, Stefan
Horvath, Paul Iby, Andreas Ivanschitz, Jason Allen Johnson, Saskia Jungnikl, Richard Karl Kanitsch, Barbara Karlich, Gisela Kramer, Andreas Liegenfeld, Eva Mayer, Peter Menasse, Paul Muehlbauer, Wolfgang Murnberger, Hans Niessl, Fritz Ostermayer, Josef Ostermayer, Elisabeth Pauer, Georg Pehm, Pia Pfneisl, Uta Prantl-Peyrer, Martin Pucher, Karl Reiter, Birgit Sauer, Maria Schaller, Dagmar Schellenberger, Walter Schneeberger, Anton Schubaschitz, Elfie Semotan, Tanja Stacherl, Markus Stefanitsch, Ingrid Tschank, Christian Uchann, Barbara van Melle, Joško Vlasich, Klaus Wölfer, Richard Woschitz, Uschi Zezelitsch

Herausgegeben von Michael Gerbavsits, Georg Pehm, Walter Schneeberger. ISBN 978-3-7011-7952-7

Weitere Infos zum Buch unter www.leykamverlag.at

Liebeserklärungen an das Burgenland - Vorschau

Ab Mittwoch in der BVZ-Printausgabe: In der kommenden Ausgabe präsentiert Autorin Theodora Bauer unter dem Titel „Eine Lethargie mit abschließender Aufbruchsstimmung“ ihr Burgenland.