Erstellt am 23. April 2014, 12:15

Neuer Veranstalter für Opernfestpiele. Esterházy sichert umfassend die Zukunft des Steinbruchs St. Margarethen. Ab 2015 wird die Opernproduktion an einen neuen Veranstalter übertragen.

 |  NOEN, Werner Müllner
Zwist in der burgenländischen Kulturszene: Im heurigen Sommer zeigen die Opernfestspiele St. Margarethen (OFS) die Verdi-Oper "Aida" - inszeniert von Hollywood-Regisseur Robert Dornhelm. Geht es nach der Esterhazy Betriebe GmbH, Eigentümer des Römersteinbruches (Spielort, Anm.), ist es die letzte Produktion des OFS-Intendanten Wolfgang Werner. Werner pocht jedoch auf seinen Vertrag bis 2016.

Wie am Mittwoch bekannt wurde, will Esterhazy die Produktion ab 2015 an einen anderen Veranstalter vergeben, bestätigte das Unternehmen. In einer Stellungnahme, die auch der BVZ vorliegt, teilte Esterhazy mit, dass man sich "aus mehreren Gründen und gemäß der geltenden Vereinbarungen mit OFS " entschieden habe, "ab 2015 die Opernproduktion an einen neuen Veranstalter zu übertragen. Sehr wahrscheinlich wird die nächste Produktion 2015 'Tosca' von Puccini sein."

Deutlicher Zuschauerrückgang

Ein Grund für die vorzeitige Beendigung des Vertrages - Werners Vertrag wurde erst im Vorjahr bis 2016 verlängert - sei der deutliche Zuschauerrückgang in den vergangenen Jahren. Außerdem habe man die Opernfestspiele "mehrfach darauf hingewiesen, dass sich der Publikumsgeschmack über die Jahre ändert und deshalb Regie und Stil der Opern geändert werden müssen - nur ein großes Bühnenbild ist für die neuen Publikumsschichten, die man in Zukunft gewinnen muss, nicht ausreichend", hieß es.

Weiters habe man angeboten, die heurige Produktion mit einem Budget von 250.000 Euro zu unterstützen. "Darin enthalten sind zusätzliche notwendige Marketing-Anstrengungen, finanzielle Unterstützung für die deutlich teurere Technik, die Robert Dornhelm 2014 einsetzen will und für attraktive Events für Promotionzwecke. Dieses Angebot an OFS haben wir schon vor drei Monaten gemacht; leider ist von Wolfgang Werner dazu bei uns bis heute keine Antwort eingetroffen".

Werner: "Spielplan abgestimmt mit Esterhazy"

Intendant Werner meinte auf Anfrage: "Wir haben einen aufrechten Pachtvertrag für den Steinbruch bis Ende September 2016 mit der Familien-Privatstiftung Esterhazy. 2014 wird 'Aida' unter der Regie von Robert Dornhelm gespielt. Und für 2015 besteht mit Esterhazy eine Vereinbarung, dass die Opernfestspiele den 'Troubadour' produzieren werden." Zu den Besucherrückgängen erklärte der Intendant: "Die Verkäufe für die Aida laufen ausgezeichnet und liegen um mehr als 25 Prozent über dem Vorjahr."

Auf Nachfrage wegen der Spielsaison 2015 betonte der Intendant, das sei "abgestimmt mit Esterhazy. Der Vertrag läuft bis Ende September 2016." Ob es damit - anders als in der Darstellung von Esterhazy - auch 2015 eine Opernproduktion im Römersteinbruch gibt? "So sieht es der Vertrag vor", erklärte Werner, der zu dem Thema keine weitere Stellungnahme abgeben wollte.

Werner hatte am Dienstagnachmittag ein Treffen mit Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ). Bei dem Gespräch ging es um finanzielle Unterstützung für die heurige Produktion. "Die Opernfestspiele St. Margarethen sind aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen letzten Jahre in finanzielle Nöte geraten. Um zu gewährleisten, dass die heurige Saison gespielt werden kann, wird das Land eine größere finanzielle Zuwendung gewähren, um eben zu ermöglichen, dass gespielt wird", erklärte Bieler am Rande einer Pressekonferenz in Eisenstadt.

"Schwierig, diese Erfolgsgeschichte weiterzuhaben"

"Es tut mir sehr leid, dass die Kündigung von Wolfgang Werner für nächstes Jahr im Raum steht. Es tut mir für ihn leid, aber es tut mir auch für das Land leid, weil ich nicht glaube, dass Esterhazy in der Lage sein wird, so erfolgreich wie Wolfgang Werner die letzten Jahre die Oper im Steinbruch gespielt hat, auch fortzuführen. Und daher wird es schwierig werden fürs Land, diese Erfolgsgeschichte weiterzuhaben."

Ob 2014 wirklich Werners letzte Opern-Produktion im Steinbruch über die Bühne geht, dazu meinte Bieler: "Ich habe nur gehört, dass die Kündigung ausgesprochen wurde. Wolfgang Werner bezweifelt die Richtigkeit dieser Kündigung, wird dagegen Einspruch erheben, vielleicht auch rechtliche Schritte unternehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier Missverständnisse gibt, sondern, dass Esterhazy einfach nicht mehr will, dass Wolfgang Werner nächstes Jahr die Oper im Steinbruch macht. Und das tut mir persönlich sehr leid."

Das Land selbst könne die Entscheidungen, wie es wirklich weiter geht, "überhaupt nicht beeinflussen. Ich weiß auch nicht, wer das sein könnte oder wer das sein soll. Wir gewähren ausnahmsweise diese finanzielle Hilfe nach Prüfung der Unterlagen, weil wir eben wollen, dass 2014 gespielt wird und weil wir gesehen haben, dass die finanzielle Situation nicht sehr rosig ist. Aber das ist eine Ausnahmesituation und alles andere muss dann der Eigentümer entscheiden. Und das ist dann auch die Hauptverantwortung des Eigentümers", so Bieler. Er habe Werner im Übrigen "schon seit einigen Jahren gesagt, dass das so kommen wird, er hat das anders gesehen. Wir werden sehen, wie es ausgeht. Ich hoffe für ihn, dass es für ihn gut ausgeht."

Ortschef: Es soll im Steinbruch ähnlich weitergehen

Eduard Scheuhammer (ÖVP), Ortschef der Gemeinde St. Margarethen, wünscht sich nach Bekanntwerden des Zwists rund um die Zusammenarbeit von Esterhazy als Verpächter des Römersteinbruches und der Opernfestspiele (OFS), dass es "ähnlich weitergeht". "Es wäre schade, wenn es in so einem Gelände nicht mehr oder in reduzierter Weise weitergeht", so der Bürgermeister am Mittwoch auf Anfrage.

Im Jahr 1996 hat OFS-Intendant Wolfgang Werner mit der Inszenierung von "Nabucco" 11.000 Besucher in den Steinbruch gebracht. 1999 kamen laut OFS-Homepage bereits 50.000 Opern-Fans, im Jahr darauf verdoppelte sich die Zahl sogar. 2005 begrüßte man 197.000 Gäste und feierte nach der Opern-Pause 2006 (es wurden die traditionellen Passionsspiele gezeigt, Anm.) im Jahr 2007 mit 217.000 Besuchern einen Rekord. Danach schwankten die Besucherzahlen immer wieder. Nach einer weiteren Passionsspiel-Pause 2011 (eine kleinere Produktion wurde auf einer Nebenbühne gezeigt, Anm.) kam der Einbruch: 2012 kamen nur noch 137.000 Besucher, im Vorjahr 115.000.

Der Bürgermeister verwies im Gespräch darauf, dass es viele "gute Jahre" gegeben habe und es überall "Auf und Abs" gebe. Er hoffe, dass es auch im Steinbruch wieder ein Auf geben werde. Ihm sei es als Ortschef wichtig, "dass Leute kommen" und dass es - im Hinblick auf die sinkenden Besucherzahlen - "besser weitergeht", so Scheuhammer.

Werner hat in den vergangenen Jahren nicht nur große Opern-Produktionen gezeigt, sondern auch die sogenannte Kinder-Oper ins Leben gerufen, die seit einigen Jahren auf einem Nebenschauplatz - mittlerweile auf der "Ruffini-Bühne" - gezeigt wird. Außerdem wurden immer wieder nationale und internationale Künstler in den Steinbruch geladen, um Konzerte zu geben. Udo Jürgens trat mehrmals auf, auch die mehrfache Grammy-Gewinnerin Norah Jones und zuletzt 2013 Gitarren-Virtuose Carlos Santana kamen nach St. Margarethen.