Erstellt am 13. Juni 2011, 09:11

Nova Rock geht ins Finale. Am heutigen Pfingstsonntag geht das Nova Rock 2011 ins Finale. Große Namen wie Motörhead, Iron Maiden, Social Distortion und System Of A Down treffen auf Alternativen wie The Sounds.

Gespannt darf man auf die Performance von Otto & die Friesenjungs sein: Komiker Waalkes macht gegen Mitternacht den Rausschmeißer.

Zugaben geben heuer noch zahlreiche Nova-Rock-Mitwirkende. So gastieren Guano Apes am 16. Oktober im Wiener Gasometer, die Broilers am 20. Oktober in der Wiener Arena und am 21. Oktober im Linzer Posthof, Jennifer Rostock am 26. Oktober in der Wiener Arena. Volbeat kommen am 3. November in die Wiener Stadthalle und am 8. November in die Intersportarena Linz. Flogging Molly bespielen am 15. November und Alter Bridge am 17. November den Wiener Gasometer.

Die Wüste bebt: Stimmungsmacher Flogging Molly

Am gestrigen Samstag - dem zweiten Festivaltag des Nova Rock 2011 im Burgenland - war die irisch-amerikanische Rock-Folk-Punk-Band Flogging Molly in Sachen Stimmung nicht zu schlagen: Dave King und seine Mitstreiter holten in der Nacht auf Montag als Headliner auf der "Red Stage" die letzten Reserven aus dem von Sonne, Wind, Erosion, Alkohol und harten Tönen gezeichneten Publikum. Die Tanzstunde zu Gassenhauern wie "Requiem For A Dying Song" oder dem grandiosen "Drunken Lullabies" wirbelte eine meterhohe Staubwolke über dem Gelände auf. Da konnten selbst Korn und Volbeat, die auf der zweiten Hauptbühne, der "Blue Stage", solide Darbietungen absolvierten, nicht mithalten.

Eigentlich machte die Besetzung von Flogging Molly nur genau das, was sie bei allen bisherigen Konzerten in Österreich - egal ob anfangs in kleinen Clubs als Insider-Tipp oder jetzt bei einem dreitägigen ausverkauften Open Air vor Mega-Kulisse - geboten hat: gute, mitreißende, eigenständige Musik. Da bedarf es keiner Show-Elemente, da reicht eine Flöte als Kontrast zu den E-Gitarren, ein Akkordeon als Ergänzung zum Bass, eine irische Folk-Melodie, die mit Punk-Akkorden verschmilzt. Und Mastermind King kann auf großartige Songs zurückgreifen - etwa auf die Ballade "Float", das hymnenhafte "If I Ever Leave This World Alive" (mitgesungen von Tausenden), das bissige "Selfish Man" oder neuere Tracks wie das sozialkritische "Revolution" aus dem aktuellen Album "Speed Of Darkness".

Vor Flogging Molly, zu denen die Massen strömten und wo bis zum letzten Lied gehüpft und getanzt wurde, hatten 3 Doors Down das Areal mit sehr melodischem Rock mit Pop-Strukturen beschallt. Die Mid-Tempo-Stücke mit Ohrwurmqualität und vor allem die Balladen (besonders schön: "Here Without You") stellten am Sonntag einen angenehmen Kontrast zum überwiegend harten Programm dar. Nach einem etwas zähen, weil monotonen Beginn konnten selbst glatte Arrangements die Fans überzeugen. Witzig, dass im Publikum harte Burschen in T-Shirts mit furchterregenden Botschaften (z. B. "Hell Awaits") Schnulzen wie "Away From The Sun" mitgrölten.

Das Grölen beherrscht auch immer noch Herr Glen Danzig, das Rock-and-Roll-Lästermaul, das auf der "Blue Stage" in den Abendstunden (nach einer Ohren durchputzenden Thrash-Death-Metal-Attacke von Cavalera Conspiracy) doch positiv überraschte. Zwar ist der Bauch des Sängers mittlerweile imposanter als sein Bizeps, aber diverse musikalische Fehlversuche haben Danzig zum Sound seiner Sternstunden zurückgeführt. Eine routinierte Band unterstützte den Sänger, der spätestens bei seinem größten Hit "Mother" die Zuwendung der Nova Rocker gewonnen hatte.

Korn folgten und untermauerten, was sie auf ihrer letzten Hallen-Tournee bewiesen haben: Ihr Nu-Metal klingt keinesfalls alt, die Fusion von hammerhartem Slappbass, aggressivem Gesang, schweren Riffs und donnernden Drums funktioniert nach der Reunion wie in den frühen Tagen der kalifornischen Band. Sänger Jonathan Davis keuchte, brüllte und winselte, wie es zur apokalyptischen Szenerie auf den Pannonia Fields in Nickelsdorf bestens passte. Da trabten aus allen Ecken und Zelten Menschen in seltsamen Kostümen vor die Bühne, so dass erstmals die gewaltige Dimension des Open Airs bewusst wurde.

Volbeat als Schlusspunkt auf der "Blue Stage" waren dann mit ihrem "Elvis-Metal" im direkten Vergleich mit Flogging Molly der "simplere" Hauptact. Die Dänen verschmelzten heavy Klänge mit klassischem Rock and Roll (plus einem Schuss Punk und etwas Country). Alle Nummern klingen irgendwie bekannt - und viele einander auch sehr ähnlich. Die Masche ist einfach, aber zumindest effektiv: Die vor kurzem noch wenig bekannte Gruppe war nach der Publikumsresonanz wohl zurecht ein Headliner.