Erstellt am 14. Juni 2014, 11:55

von APA/Red

Bedrohliche Prodigy und böse Slayer. Rock ist nicht unbedingt eine lustige Faschingsfeier, auch wenn zahlreiche Besucher das Nova Rock dafür halten. Am ersten Tag des Festivals konnte zu zahnlosen Klängen von etwa Crazy Town und Limp Bizkit in Hasenkostümen und ähnlichen Outfits "Party gemacht" werden.

 |  NOEN, Florian Bruckmüller
Slayer und The Prodigy dagegen brachten am Freitag die Bedrohung in den Rock zurück.
Die Elektro-Punks von The Prodigy sind eine Ganzkörpererfahrung, ihre Breakbeats fahren in die Ohren hinein, zwingen zum Tanzen (oder zumindest herumhüpfen), irgendwie hat man das Gefühl, beim Auftritt der Briten permanent abgewatscht zu werden – und das macht auch noch Spaß.

Briten rocken im Burgenland

"Voodoo People" eröffnete die Headliner-Show am Freitag in Nickelsdorf, Hymnen wie "Breath" (eingängig und knallhart kompromisslos), "Firestarter" und das politisch unkorrekte, subversive "Smack My Bitch Up" folgten – ein Frontalangriff auf die Sinne, der mächtig Staub auf dem Gelände aufwirbelte. Rave, Hardcore, Industrial, Punk und Techno vermischten die Briten einmal mehr zu einer einzigartigen Melange, die keine Sekunde Luft zum Durchatmen lässt.

Bandgründer Liam Howlett am Synthesizer schafft es immer wieder, die Songs alternativ zu arrangieren, etwa das mächtige "Thunder" auf dieser Tour in einen packenden Dubstep-Mix zu packen oder die Kampfansage "Invaders Must Die" im Burgenland mit einer Extraportion Aggressivität zu präsentieren.

Volbeat erneut zu Gast

Gitarre und Schlagzeug verpassen den elektronischen Klängen eine Erdung, die vielen anderen Synthe-Bands auf der Bühne fehlt. Die beiden Sänger, Tänzer, Schreihälse Keith Flint und Maxim Reality (live mit der kraftvolleren Stimme als sein exzentrischer Kollege) waren auch diesmal die perfekten MCs, Animateure der massentauglichen Subkultur.

Vor dem furiosen Finale auf der "Blue Stage" hatte eine Völkerwanderung zur "Red Stage" eingesetzt, wo das Gedränge bei Volbeat dichter war, aber insgesamt überall weniger intensiv wie in manchen Jahren davor.

Die Dänen zündeten gleich beim ersten Takt ein Feuerwerk und hatten dann mehr als Pyro-Effekte zu bieten: flott und souverän gespielten Metal, untersetzt mit Rock'n Roll, Blues und Country. Slayer standen davor am Programm – und sie waren richtig gut böse.

Die Thrashmetal-Legende war nicht ins Burgenland gekommen, um Sangria aus dem Kübel zu trinken und lustig zu sein. Sie brachten Lieder über den Antichristen, Serienmörder und Armeen, die in den kollektiven Suizid getrieben werden, mit.

 Mit "Hell Awaits" ging es los und gleich war deutlich, dass Slayer nach dem Tod von Gitarrist Jeff Hanneman und dem Abgang von Drummer Dave Lombardo immer noch ungeheuren Druck machen können und kaum etwas von ihrer Dynamik eingebüßt haben.

Die Ersatzmänner Paul Bostoph und Gary Holt unterstützten die Genre-Urgesteine Kerry King und Tom Araya perfekt, wobei der große Unterschied zwischen den Kaliforniern und anderen Brüll-Bands darin besteht, dass Slayer es verstehen, brachiale Töne mit unterschwelligen Melodien zu komponieren, und das Tempo zwischendurch rauszunehmen, um dann noch derber zu klingen. Der Auftritt ließ die Fans in freudiger Erwartung auf ein neues Album zurück, an dem gearbeitet wird.

Casper bringt deutschen Rap auf die Bühne

Für Farbtupfer im Line-up sorgten am Nachmittag Casper und Steel Panther. Der junge deutschsprachige Rapper mit zum Teil wirklich fein tanzbaren (Elektro-)Beats heizte der Menge ordentlich ein. Die Fans freuten sich über Songs wie "Im Ascheregen", "Auf und davon", "So perfekt" oder die heuer veröffentlichte Single "Alles endet". Tanzen und jubeln war da angesagt.

"Können wir jetzt eine kleine Party starten, oder was?", wollte der sympathische Rapper wissen. Die klare Antwort: Ja. Die Hairspray-Metal-Parodie Steel Panther, mit Löwenmähnen, Eyeliner und Spandex-Hosen, sang extrem überspitzt über Sex, Drogen und Geschlechtsteile. Der weibliche Anhang übte sich im Exhibitionismus (T-Shirt in die Höhe), der männliche im Voyeurismus.

Limp Bizkit bereits "Nova-erprobt"

Im Alter kaum qualitativer geworden sind Limp Bizkit. Die Herrschaften rund um Sänger und Frontmann Fred Durst sind allerdings mehrfach Nova-Rock-erprobt und hatten es mit dem angetrunkenen Publikum relativ leicht. Wer Hits – etwa "Rollin'", das George-Michael-Cover "Faith", "My Generation" oder "Take A Look Around" – hören wollte, bekam das auch. Den Fans gefiel es, die Band hatte Spaß, die Sonne schien, wer fragt da nach Relevanz?