Erstellt am 13. Juni 2013, 10:16

Black-Metal und Kiss unter gleißender Sonne. Der zweite Tag am Nova Rock in Nickelsdorf stand ganz im Zeichen von Kiss. Cradle Of Filth, optisch eine Mischung aus Vampiren und Orks, spielten just am Samstagnachmittag - als die Temperaturen auf 35 Grad kletterten.

Am Abend stürmten Fans in T-Shirts der Band, aber auch mit den Masken der Gruppe das Areal vor der "Blue Stage". "Man kann eine Monster-Show erwarten", erzählte unterdessen Kiss-Sänger und Gitarrist Paul Stanley Backstage. "Es ist tatsächlich ein Monster", assistierte Gitarrist Tommy Thayer. "Jedes Jahr, wenn wir auf Tour gehen, bringen wir eine große Show mit. Diese ist sogar noch größer." Das Bühnengerüst, das sich hebt, senkt und Raketen schießt, gleicht einer Spinne. "Es ist fantastisch", so Thayer.

"Wir haben uns diesmal selbst übertroffen", so die Band. "Was wir auf der Bühne machen, ist Teil der Kiss-Legende. Also müssen wir die Erwartungen erfüllen", betonte Stanley. "Kiss hat 40 Jahre überdauert. Gerade wegen unserer Reputation."

Andere Gedanken hatten am Nachmittag Cradle Of Filth gehabt. Man würde in der Sonne ja eigentlich zu Staub zerfallen, meinte Sänger Dani Filth alias Daniel Lloyd Davey. "Aber wir tragen darum spezielles Make-up", betonte der Schreihals. Weniger an Getöse interessiertes Publikum verzog sich während des Auftritts in ein kleines Swimmingpool in die Nova-Rock-Oase zwischen der "Red Stage" und der "Blue Stage" zurück.

Skandinavier und düstere Rocker in "Australien": "Wo sind die Kängurus?"

Es war heiß am zweiten Tag des Festivals, als The 69 Eyes das Programm eröffneten. Die Finnen bedienten zwar jede Menge Rock-Klischees, passten mit stampfenden Sleaze- und Garagenhymnen wie "D'You Wanna Rock" aber recht gut zu einem Open Air dieser Ausprägung. Die Fans schienen zufrieden.

Die nachfolgende Band Amaranthe kam gleich mit zwei Sängern und einer Sängerin, musste zeitweise aber trotzdem ohne Gesang auskommen - weil die Mikros wiederholt ausfielen. Die gebotene Mischung aus Songcontest tauglichem Euro-Dance und Death Metal der schwedisch-dänischen Formation scheuchte sensible Ohren in die Zelte zurück.

Cradle Of Filth gaben sich dann zwar düster, probierten sich allerdings auch als Scherzkekse: Es sei kein Wunder, dass es so heiß sei, rief Dani Filth, "wir sind ja in Australien". Und: "Wo sind die Kängurus?" So mancher lachte über die musikalische Darbietung, eine Death-Metal-Oper mit Brüll-und-Kreisch-Stimme, Keyboards und geschredderten Gitarrensoli, mehr als über solche Witze. Andere würdigten das Gebotene mit Headbangen. Platz vor der Bühne war ja noch genug für körperliche Betätigungen.

Deathcore gegen St. Pöltner A-Kapella-Veteranen

Deathcore gegen A-Kapella-Boombox - das waren die Nachmittags-Highlights. Auf der "Blue Stage" animierte die australische Band Parkway Drive mit einer ebenso kraftvollen wie durchdachten Mischung aus Death Metal, Hard- und Grindcore das immer stärker zuströmende Publikum zu Crowdsurfing, Hüpfen und Herumrennen - was mächtig Staub aufwirbelte auf den ausgetrockneten Pannonia Fields.

Zeitgleich brachten die St. Pöltner Bauchklang ihre Fans vor der "Red Stage" mit nur durch Stimmen erzeugten Clubbeats zum Tanzen. Anschließend wanderten viele zu Alkbottle ab, die auf dem dritten Schauplatz, der "Red Bull Brandwagen Stage", ihren Prollrock zelebrierten.

Hitze-Erschöpfung und Sonnenbrand als störende Partygäste

Sonnenbrand-Opfer, und diese waren zahlreich vertreten, statteten derweilen aber lieber einen Besuch in einem der Sanitäter-Zelte ab. "Bisher haben wir 1.460 Behandlungen durchgeführt und 55 Personen ins Krankenhaus gebracht", so Thomas Horvath, Sprecher des Roten Kreuzes.

"Wir haben sehr viele Patienten mit Hitze-Erschöpfung. Die Leute sollen unbedingt mehr Wasser trinken", appellierte er an die Besucher. Generell liege man bisher mit den Versorgungen im "Nova-Rock-Durchschnitt", die Verletzungen würden alle in die Kategorie "Klassiker" fallen, "es war nichts Tragisches dabei", so Horvath.

Hartes Line-Up auf der "Blue Stage"

Das Line-Up auf der "Blue Stage" war mit weiteren Acts wie Dragonforce, Parkway Drife, Amon Amarth, Him und dem Headliner Kiss hart gehalten. "Wir wundern uns schon ein bisschen, warum wir hier sind", lachte Kelly Jones, Sänger der Waliser Brit-Rock-Band Stereophonics.

"Hier laufen so viele schwarz gekleidete Menschen herum, dass wir unsere Setlist geändert und härtere Songs ausgepackt haben. Und wenn alles nicht hilft, spielen wir Kiss-Lieder. Wir können zum Beispiel 'Detroit Rock City' spielen." Jones' Sorgen dürften jedoch unbegründet sein, standen auf "seiner" Bühne, der "Red Stage", buntere Acts wie Bauchklang, der Reggae-Sänger Gentleman und Headliner Deichkind in der Warteschleife.

Äußerst zufrieden zeigte sich am zweiten Festivaltag die Exekutive: "Es ist nach wie vor sehr ruhig, die Besucher sind sehr diszipliniert", sagte Michael Takacs, Pressesprecher der Landespolizeidirektion Burgenland.

Der Freitag: Fliegende Zelte, gute Stimmung und Sonne zum Auftakt



Fliegende Zelte, gute Stimmung und Sonne zum Auftakt

Das Nova Rock Festival in Nickelsdorf und damit ein dreitägiger Konzertreigen ist am Freitagnachmittag mit dem Auftritt der Melodic-Hard- und Metalcore-Band The Ghost Inside auf der Red Stage offiziell eröffnet worden.

Beinahe parallel bespielte Heaven's Basement, eine Hardrock-Truppe aus England, die Blue Stage. Zum Auftakt des Open Airs lachte zwar - bis auf wenige Wölkchen - die Sonne vom Himmel, jedoch machte starker Wind den Festivalbesuchern zu schaffen und ließ so manches Zelt über den Campingplatz fliegen. Als Highlights warten im übrigen Acts wie Rammstein, Kiss und Kings Of Leon.

Beginn des ersten Festivaltags im Zeichen des Sands

Einst sang Roy Black "Sand in deinen Augen". An den dürften sich - zumindest vom Altersschnitt her - die wenigsten Besucher der heurigen neunten Auflage des Nova Rock erinnern. Dennoch entpuppte sich der Schlager aus dem Jahr 1977 am ersten Festivaltag zum heimlichen Hit, denn der Wind wirbelte den trockenen Boden am Campingplatz auf und den Sand durch die Luft. Da rieben sich einige Nova Rocker pausenlos die Augen, ehe sie zu Mittag schon wieder genüsslich zu Bier, Wein oder gar Härterem griffen.

Anreise-Staus wurden den ganzen Tag vermieden

Das war für den ein oder anderen Besucher, der bereits seit Donnerstagmittag auf dem Gelände ist, vermutlich auch der einzige Weg, um den erbärmlichen Gestank, der sich schon am ersten offiziellen Festivaltag am Campingplatz verbreitet hatte, zu ertragen. Positiv aufgefallen ist einer Truppe aus Niederösterreich, dass es keinen Stau am Anreisetag gab - weder zu Mittag noch am Abend. "Wir konnten ohne Probleme gemütlich zum Parkplatz fahren", so ein treuer Nova Rocker.

Er und seine Freunde kommen seit der ersten Ausgabe her. Die Musik steht bei der Truppe jedoch im Hintergrund, es zählt die Gemütlichkeit, das Beisammensein und "einfach leiwand drauf sein".

Gute Stimmung herrschte am frühen Nachmittag allerdings nicht nur am Campingplatz, sondern auch vor der Blue Stage: Heaven's Basement schaffte es trotz früher Uhrzeit, den Wave-Breaker relativ vollzubekommen.

Am Freitag sollten u.a. auch Kreator, Five Finger Death Punch und Airbourne sowie A Day To Remember und Within Temptation auftreten. Letztere Formation holt damit den im Vorjahr im wahrsten Sinne des Wortes vom Winde verwehten Auftritt nach. Headliner sind Rammstein auf der Blue- und Thirty Seconds To Mars auf der Red-Stage. Auf der Red Bull Brandwagen-Stage tritt Wallis Bird auf.

Open Air-Wetter scheint garantiert - Gewitter am Sonntag möglich

Am Samstag sollten sich mögliche Restwolken übrigens im Tagesverlauf auflösen. Auf dem Wetter-Programm stehen Sonnenschein und 26 Grad. Die Nacht sollte trocken bleiben - bei bis zu 16 Grad. Der Sonntag könnte aus heutiger Sicht gewittrig werden, gleichzeitig aber mit maximal 28 Grad auch der heißeste Tag. In der Nacht auf Montag sind Temperaturen bis 18 Grad möglich.

Der Auftakt: Start am Donnerstag



Festival startete bereits am Donnerstag

Das dreitägige Nova Rock-Open Air wurde zwar erst am Freitag offiziell gestartet, doch schon am Donnerstag um 10 Uhr wurden die Tore zum Parkplatz der Pannonia Fields geöffnet. Die ersten Festival-Fans waren bereits angereist - und das bei Traumwetter. Auch in den kommenden Tagen dürften sich die Nova Rocker über Sonne und sommerliche Temperaturen freuen, teilte eine Sprecherin der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).
 
Bereits am Anreisetag stiegen die Temperaturen bis zu 27 Grad. Am Himmel sind laut ZAMG kaum Wolken zu sehen, was für die Camper eines bedeutet: Schwitzen beim Zeltaufbauen. Die Nacht zum Freitag blieb trocken bei 13 bis 14 Grad.
 


Zum offiziellen Start zeigte sich das Wetter von seiner abwechslungsreicheren Seite: Das Thermometer kletterte am Freitag auf bis zu 24 Grad, allerdings wehte lebhafter bis teils starker Wind. Die Zelte sollten daher besonders fest montiert werden. In der zweiten Nachthälfte könnte es regnen, die Temperaturen liegen bei etwa 14 bis 15 Grad.
 
Am Samstag sollten sich mögliche Restwolken im Tagesverlauf auflösen. Auf dem Wetter-Programm stehen Sonnenschein und 26 Grad. Die Nacht sollte trocken bleiben - bei bis zu 16 Grad. Der Sonntag könnte aus heutiger Sicht gewittrig werden, gleichzeitig aber mit maximal 28 Grad auch der heißeste Tag. In der Nacht auf Montag sind Temperaturen bis 18 Grad möglich.
 
Für das Open-Air sollten sich die Festivalbesucher somit Sonnencreme und eine Kopfbedeckung einpacken. Aber auch Regenschutz und warme Kleidung für kühlere Nächte sollte für alle Fälle mitgenommen werden.
 
Für all jene, die bei der neunten Auflage des Festivals zum ersten Mal die Pannonia Fields betreten: Flip-Flops mögen zwar hübsch aussehen, das Gelände besteht allerdings aus Wiesenland und ist daher nicht eben, weshalb der Veranstalter auf jeden Fall festes Schuhwerk empfiehlt.
 
Auch die Polizei hat für die Open-Air-Begeisterten Tipps parat: "Die beste Anreise ist nach wie vor über die A4 (Ostautobahn) beziehungsweise vom Süden kommend über die B50", so der stellvertretende Bezirkspolizeikommandant von Neusiedl am See, Bernhard Griensteidl. Wer mit dem Pkw anreist, solle den Verkehrsfunk hören. Außerdem ersuche man die Fans, "zügig den Anweisungen der Ordnern Folge zu leisten, dass man die Parkplätze recht schnell befüllen kann", sagte Griensteidl.
 



Um den Verkehr nach Ungarn nicht zu blockieren, sollen sich die Besucher vor der Abfahrt Nickelsdorf auf dem Pannenstreifen einordnen, erklärte Franz Füzi, Leiter der Landesverkehrsabteilung. Für Besitzer eines Caravan-Tickets gibt es heuer erstmals eine eigene Zufahrt über die B10 (Abfahrt Mönchhof, Anm.).
 
Laut Füzi sind die ersten Nova Rocker seit etwa acht Uhr in Nickelsdorf. "Momentan ist es sehr ruhig, es sind bereits sehr viele Caravans angefahren." Der Verkehr laufe fließend und problemlos, so Füzi kurz vor Öffnung des Parkplatzes.
 
Wer spontan aufs Nova Rock fahren möchte, um Shows von unter anderem Rammstein, Kiss oder Kings Of Leon zu sehen: Es gibt noch Tickets - sowohl Pässe für das gesamte Festival, als auch Tageskarten.