Erstellt am 13. Juni 2015, 22:40

Festival ging heiß weiter: Die besten Bilder vom zweiten Tag. BVZ.at präsentiert - laufend aktualisiert - die besten Bilder des zweiten Nova-Rock-Festivaltages.

 |  NOEN, HERBERT P. OCZERET (APA)
Am dichtesten war das Gedränge am Samstagnachmittag bei der Fortsetzung des Nova Rock in Nickelsdorf bei den Duschen: Man suchte bei weit über 30 Grad im Schatten und ohne Lüftchen das Nass. Gerockt wurde trotzdem. Abräumer bei sengender Sonne waren Blues Pills, die würdevoll den Sound und das Flair der 60er-Jahre auferstehen ließen, sowie der britische Folkpunker Frank Turner.



Pills-Sängerin Elin Larsson begeisterte mit ihrer Stimme und ihrem stilvollen Auftreten. Mit ihren Mitstreitern zelebrierte die Schwedin eine Mischung aus Blues und Rock und lockte damit eine beachtliche Menge aus den begehrten Schattenplätzen. Anschließend entführten die reformierten L7 in die Grunge-Ära. Die Damen hatten Spaß, bei gesetzteren Publikum wurden Jugenderinnerungen wach.

Unterdessen begann auf der Red Stage ein Metal-Marathon: The Answer, Epica, In Flames und Nightwish sollten dort einen Kontrast zum Deutschlandtag auf der Blue Stage bilden, wo Kraftklub, die Fantastischen Vier und die Toten Hosen das Hauptprogramm bildeten. Als Late Night Gast versprach Wolfgang Ambros seine Hits.

Frank Turner ließ es krachen

Gute Stimmung trotz unbarmherziger Hitze verbreitete am Nachmittag auch Frank Turner: Der Brite, ohnehin kein Kind von Traurigkeit, ließ sich von den äußeren Umständen nicht beirren und servierte mit seiner Band Sleeping Souls ein energetisches Set mit alten Krachern ("I Still Believe" oder "Four Simple Words" als finaler Höhepunkt) und Vorboten auf das neue Album, das noch im Sommer erscheinen soll.

So gab es etwa mit "Get Better" eine Kostprobe, die Lust auf mehr machte, eingängig und kurzweilig gelang und alle Tugenden des 33-Jährigen vereinte. Bei "The Next Storm" sehnte man sich hingegen das von Turner besungene Regenwetter herbei - aber das tanzfreudige Publikum sorgte auch so für ein kleines Lüftchen.

Kraftklub läuteten Abkühlphase ein

Wenn, dann ordentlich: Die deutsche Rockband Kraftklub hat am Samstagnachmittag eindrucksvoll ihr Nova-Rock-Debüt absolviert. Die mitreißenden Songs der fünf Chemnitzer, die gleichermaßen tanzbaren Indie wie rotzigen Punk inkludieren, trafen auf ein aufnahmefähiges Publikum. Die Band mit K läutete damit aber auch die Abkühlphase ein, gab es für die späten Abendstunden doch eine Gewitterwarnung.

Zuvor wurde aber noch getanzt, was das Zeug hält. Nach der brütenden Mittagshitze, waren die tausenden Festivalbesucher sichtlich erleichtert, als sich ein paar Wolken vor die Sonne schoben und Wind aufkam. Diesen verursachten die Kraftklub-Fans zum guten Teil aber selbst, gab es vor der Bühne doch kein Halten mehr. "Ich will nicht nach Berlin", "Karl-Marx-Stadt" oder "Scheiß in die Disco" fegten über die Pannonia Fields hinweg, während die Hände in die Luft geworfen wurden und kaum ein Stein auf dem anderen blieb.

Ähnlich motiviert waren nur wenige Minuten später Papa Roach: Die Gruppe um Jacoby Shaddix war Anfang der 2000er im Nu-Metal-Sog groß geworden, drohte aber alsbald wieder in der Versenkung zu verschwinden. Ihren Kritikern haben die vier Herren im mittleren Alter aber längst ein Schnippchen geschlagen, ziehen sie doch wie zu ihren besten Zeiten mit Hymnen a la "Last Ressort" vorwiegend die moshfreudige Jugend an.

Dennoch verwunderte es nicht, dass sehr früh etliche Stücke des Debüts und Durchbruchalbums "Infest" intoniert wurden. "Between Angels and Insects" gelang dabei als eindeutiger Höhepunkt, ist es doch auch 15 Jahre nach Entstehung immer noch ein zwingender Rocksong mit modernen Elementen und einnehmender Melodie.

Gewitterwarnung für späte Abendstunden

Konnten sich die Musiker über Andrang vor den Bühnen keineswegs beschweren, gab es für das Rote Kreuz bis zum Samstagabend einen deutlich geringeren Patientenzustrom als am Vortag zu verzeichnen. "Die Leute nehmen das Wasserangebot an und versorgen sich ausreichend mit Flüssigkeit", sagte Sprecher Thomas Horvath. Schwerere Verletzungen blieben bisher aus. Allerdings verdunkelte sich der Himmel in den Abendstunden merklich und gab es eine Gewitterwarnung. Die ersten Tropfen fielen bereits, als die deutsche Rap-Gruppe Die Fantastischen Vier die Blue Stage erklommen.

Mehr als ein Vierteljahrhundert haben Smudo, Michi Beck, Thomas D. und And.Ypsilon gemeinsam bereits auf dem Buckel - aber auch im Jahr 2015 heißt es bei den Fantas vorwiegend: Spaß haben und das Leben feiern. Das machte schon der Auftakt mit aktuellen Stücken wie "25" oder "Danke" klar: Sprechgesang zu groovigen Beats und dem gewissen Augenzwinkern, wie man auch bei "Gebt uns ruhig die Schuld" erfuhr. Und doch gab die Hip-Hop-Institution an diesem Abend eigentlich nur den Anheizer. Nicht wenige Bandshirts am Gelände machten deutlich: Heute gibt es noch die Toten Hosen zu erleben.