Erstellt am 16. Juni 2013, 11:02

Kiss-"Monstershow": "Haben uns selbst übertroffen". Der zweite Tag am Nova Rock im Burgenland stand ganz im Zeichen von Kiss. Fans in T-Shirts der Band, aber auch mit den Masken der Gruppe stürmten am Samstag in den Abendstunden das Areal vor der "Blue Stage".

epa03746900 Singer and Bassist 'The Demon' Gene Simmons of US rock band 'KISS' performs during a concert at the Blue Stage as part of the Nova Rock 2013 festival in Nickelsdorf, Austria, 15 June 2013. The festival runs from 14 June to 16 June 2013. EPA/HERBERT P. OCZERET + + + WE EXPRESSLY POINT OUT THAT, DUE TO LEGAL REASONS, THIS IMAGE MAY ONLY BE USED IN CONNECTION WITH THE PURPOSE CITED - MANDATORY CREDIT + + + EDITORIAL USE ONLY  |  NOEN, HERBERT P. OCZERET (APA)
"Man kann eine Monster-Show erwarten", erzählte Sänger und Gitarrist Paul Stanley unterdessen Backstage. "Es ist tatsächlich ein Monster", assistierte Gitarrist Tommy Thayer. "Jedes Jahr, wenn wir auf Tour gehen, bringen wir eine große Show mit. Diese ist sogar noch größer." Das Bühnengerüst, das sich hebt, senkt und Raketen schießt, gleicht einer Spinne. "Es ist fantastisch", so Thayer.

"Wir haben uns diesmal selbst übertroffen", so die Band. "Was wir auf der Bühne machen, ist Teil der Kiss-Legende. Also müssen wir die Erwartungen erfüllen", betonte Stanley. "Kiss hat 40 Jahre überdauert. Gerade wegen unserer Reputation."

"Alles beginnt und endet mit Songs!"

Mit den vor einigen Jahren dazugekommenen Mitgliedern Eric Singer (Drums) und Thayer könne man jeden Kiss-Song aus dem großen Repertoire bringen. "Die Leute verstehen das manchmal nicht ganz: Alles beginnt und endet mit Songs!", sagte Bassist und Sänger Gene Simmons. Wir können nicht auf die Bühne gehen und alles in die Luft sprengen, ohne Songs zu haben. Diese sind das Herz und die Seele von Kiss", so die Langzunge.

Als Co-Headliner trat die finnische Band Him auf. Während die meisten männlichen Besucher bereits vor der Bühne dem Auftritt von Kiss entgegenfieberten und sich gute Plätze sichern wollten - der Wave-Breaker war zu der Zeit noch nicht brechend voll - schmachteten zahlreiche Frauen auch noch nach mehr als zehn Jahren nach ihren erfolgreichen Charthits Dark-Rock-Schmuse-Sänger Ville Valo an. Als Dank gab es Songs wie "Right Here In My Arms", ein Cover des Chris Isaak-Klassikers "Wicked Game" und - daran erinnerten sich auch die wartenden, männlichen Kiss-Anhänger - "Join Me In Death".

Australischer Deathcore gegen St. Pöltner A-Kapella-Boombox

Deathcore gegen A-Kapella-Boombox - so kann man die Nachmittags-Highlights zusammenfassen. Auf der "Blue Stage" animierte die australische Band Parkway Drive mit einer ebenso kraftvollen wie durchdachten Mischung aus Death Metal, Hard- und Grindcore das immer stärker zuströmende Publikum zu Crowdsurfing, Hüpfen und Herumrennen - was mächtig Staub aufwirbelte auf den ausgetrockneten Pannonia Fields.

Zeitgleich brachten die St. Pöltner Bauchklang ihre Fans vor der "Red Stage" mit nur durch Stimmen erzeugten Clubbeats zum Tanzen. Anschließend wanderten viele zu Alkbottle ab, die auf dem dritten Schauplatz, der "Red Bull Brandwagen Stage", ihren Prollrock zelebrierten.

Stereophonics: "Hier laufen so viele schwarz gekleidete Menschen herum"

Brit-Rock servierten Stereophonics, die sich in Anbetracht des "harten Line Ups" etwas deplatziert fühlten. "Wir wundern uns schon ein bisschen, warum wir hier sind", lachte Kelly Jones, Hauptsänger und Gitarrist der Waliser Brit-Rock-Band Stereophonics. "Hier laufen so viele schwarz gekleidete Menschen herum, dass wir unsere Setlist geändert und härtere Songs ausgepackt haben."

Trotzdem war Platz für hymnische Balladen wie "Graffiti On The Train", dem Titelsong des aktuellen Albums der Waliser. Mit weiteren "bunten" Acts wie dem Reggae-Sänger Gentleman und Headliner Deichkind standen noch weitere Alternative zum Heavy Rock in der Warteschleife.

Es war heiß am zweiten Tag des Festivals, als The 69 Eyes das Programm eröffneten. Die Finnen bedienten zwar jede Menge Rock-Klischees, passten mit stampfenden Sleaze- und Garagenhymnen wie "D'You Wanna Rock" aber recht gut zu einem Open Air dieser Ausprägung. Die nachfolgende Band Amaranthe kam gleich mit zwei Sängern und einer Sängerin, musste zeitweise aber trotzdem ohne Gesang auskommen - weil die Mikros wiederholt ausfielen.

Dragonforce mit Pannenbeginn

Pleiten, Pech und Pannen hieß es ebenso bei Dragonforce, die wegen technischer Probleme zu spät anfingen und dann drei Nummern lang ohne hörbarem Gesang auskommen mussten. Dann ging dem Gitarristen beim Schupfen seines Instruments auch noch der Gurt auf, so dass die Gitarre am Boden landete. Die Fans feierten trotzdem die Londoner Powermetaller.

Cradle Of Filth, die britischen Black-Metal-Gothic-Rocker, optisch eine Mischung aus Vampire und Orcs aus "Herr der Ringe", haben ausgerechnet zu jener Nachmittagsstunde gespielt, als die Temperaturen außerhalb des Schattens auf 35 Grad kletterte.

Man würde in der Sonne ja eigentlich zu Staub zerfallen, meinte Sänger Dani Filth alias Daniel Lloyd Davey. "Aber wir tragen darum spezielles Make-up", betonte der Schreihals. Weniger an Getöse interessiertes Publikum verzog sich während des Auftritts in ein kleines Swimmingpool in die Nova-Rock-Oase zurück.

Hitze: Seit Donnerstag rund 1.790 Behandlungen

Sonnenbrand-Opfer mussten am zweiten offiziellen Festivaltag ebenso von den Sanitätern versorgt werden, wie dehydrierte Besucher. "Seit Donnerstag haben wir rund 1.790 Behandlungen durchgeführt. 60 Personen wurden zur weiteren Behandlung bzw. zur Abklärung ins nahegelegene Spital nach Kittsee gebracht. Alle Patienten konnten aber wieder zurück aufs Nova Rock", teilte Thomas Horvath, Sprecher des Roten Kreuzes, mit.

Vom vermutlich stärksten Tag gemessen am Besucheraufkommen ging am Samstag sowohl das Rote Kreuz als auch die Polizei aus. "Wir spüren einen deutlichen Zustrom vor den Bühnen", so Horvath am Abend. Generell zeigte sich die Exekutive beeindruckt von der Disziplin der Nova Rocker. In Relation zu den Besucherzahlen sei es "absolut ruhig", berichtete Polizei-Presseprecher Michael Takacs.