Erstellt am 17. Februar 2012, 11:28

Opernball - Die leise Rückkehr der Künstler. Weniger Spektakel, dafür mehr "Ball der Künstler": Der Opernball ist am Donnerstag wohl dort angekommen, wo ihn Organisatorin Desiree Treichl-Stürgkh und Hausherr Dominique Meyer gerne sehen würden.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb fanden sich deutlich mehr internationale Stars bei dem Fest in der Oper ein als in den Jahren zuvor. "Wir sind auf dem richtigen Weg", zog die Organisatorin Bilanz.

Der Rote Teppich war ebenso bunt gemischt wie prominent. Teufelsgeiger David Garrett kam ebenso wie Supermodel Helena Christensen, Ex-Fußballprofi Lothar Matthäus, US-Schauspielerin Rosario Dawson, Boris und Lilly Becker. Die heimische Schauspielriege war etwa durch "Jedermann" Nicholas Ofczarek, die Schauspielerinnen Christiane und Maresa Hörbiger sowie Mimin Sunnyi Melles vertreten.

Glanzstück der Eröffnung war der Auftritt der rumänischen Sopranistin Angela Gheorghiu, die am Ball ihr Debüt gab. Die Künstlerin sang "Habanera" aus der Oper "Carmen" von Georges Bizet und danach "I Could Have Danced All Night" aus dem Musical "My Fair Lady". Für ihren Auftritt zog sich Gheorghiu um, zunächst noch in schlichtem schwarzen Kleid auf dem Roten Teppich, kleidete sie sich für ihre Darbietung in ein rot-schwarzes Paillettenkleid. Begleitet wurde sie vom Wiener Staatsopernorchester, das seine Dabietung als Geschenk an Dominique Meyer wissen wollten. Dirigiert wurde es von Georges Pretre.

Für Bundespräsident Heinz Fischer ist der Opernball immer "eine Mischung aus Vertrautem und Neuem", wie er sagte. "Also, an sich ist jeder Opernball ein bisschen anders, aber nicht viel anders. Es ist die Oper, es ist der gleiche Raum, es ist ein ähnliches Publikum", stellte er fest. Die Besonderheit der heurigen Veranstaltung sei unter anderem der Besuch des UNO-Generalsekretärs Ban Ki-moon gewesen.

Für Fischer ist der Opernball sowohl Arbeit als auch Unterhaltung: "Es ist anstrengend, aber es ist auch ein Vergnügen." Anstrengend sei er, "weil man drei bis vier Stunden sehr konzentriert ist, sehr viele Gespräche führt, sich auf verschiedene Leute einstellt". Ein Vergnügen sei die Veranstaltung, weil "es ein wirklich schönes Bild ist, weil es ein bisschen eine Abwechslung zum Alltag ist". Die Bemühungen der Ballorganisatorin Desiree Treichl-Stürgkh, die Künstler auf dem Fest wieder in den Vordergrund zu rücken, honorierte er zwar, meinte aber auch: "Für einen Künstlerball ist er vielleicht zu groß. Da sind die Künstler doch eine eindeutige Minderheit."

Bundeskanzler Werner Faymann freute sich unterdessen sehr, dass heuer im Vergleich zu den Vorjahren besonders viele Künstler den Opernball besucht haben: "Ja, es war ursprünglich immer ein Ball der Künstler und er ist es in gewisser Weise geblieben." Für ihn ist der Besuch des Opernballs "eher ein Vergnügen" als Arbeit, weil es dort im Vergleich zu anderen Tätigkeiten eher privat und entspannt zugeht und seine Frau ihn begleitet.

Auch Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger zeigte sich erfreut, dass heuer vermehrt Künstler den Weg in das Sangeshaus gefunden haben: "Ich sehe das als eine neue tolle Facette, die ich sehr begrüße." Die Eröffnung hat ihm heuer besonders gut gefallen - er war laut eigenen Angaben geradezu begeistert davon: "Ich habe gefunden, dass die gesamte Inszenierung außergewöhnlich gut war", lobte er.

Neben dem UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon feierten auch weitere internationale politische Vertreter in der Staatsoper: Faymann wurde vom kroatischen Ministerpräsidenten Zoran Milanovic begleitet, Spindelegger vom schwedischen Außenminister Carl Bildt und Wiens Stadtchef Michael Häupl vom slowenischen Parlamentsabgeordneten und ehemaligen Laibacher Bürgermeister Zoran Jankovic.

Prominente Balldebütanten und gerührte Nielson
Auch zahlreiche Promis aus dem In- und Ausland haben sich den Opernball am Donnerstag nicht entgehen lassen: Die US-Schauspielerin Rosario Dawson hatte sich sich extrem auf ihren Besuch am Opernball gefreut, wie sie auf dem Red Carpet verriet. "Ich habe mir die Bilder auf der Homepage angesehen", sagte die Amerikanerin. Geiger David Garrett hat sich vor seiner Opernballpremiere wiederum gar nicht über den Ball informiert: "Man muss Momente auch genießen können, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt."

Auch "Austria's next Topmodel"-Moderatorin Lena Gercke "kam erstmal ohne Erwartungen", aber dafür ausgestattet mit wertvollem Schmuck. Die Preziosen, die sie am Ballabend trug, hatten einen Wert "von 60.000 bis 70.000 Euro". Entspannt feiern konnte sie trotzdem, denn: "Ich habe immer jemanden an meiner Seite, der passt auf mich auf bzw. den Schmuck."

Ihr Opernballdebüt gaben auch zwei prominente deutsche Ex-Sportler, nämlich Lothar Matthäus und Boris Becker. Beide zeigten sich am Red Carpet sehr wortkarg, ein bisschen etwas war ihnen aber dennoch zu entlocken: Der ehemalige Tennisspieler Becker, der mit seiner Ehefrau Lilly kam, erwartete sich "ein großes Spektakel". Ex-Profifußballer Matthäus erklärte, dass er sein Tanzbein schwingen will: "Sowieso, deswegen sind wir ja hier." Matthäus kam in Begleitung seiner Freundin Joanna Tuczynska.

Gut gelaunt zeigte sich das ehemalige Supermodel Helena Christensen. Sie konnte ihr Balloutfit gleich aus mehreren Kleidern auswählen. Sie entschied sich für ein transparentes, elfenhaftes, weißes Kleid. Auf die Frage, ob sie sich wie eine Prinzessin fühlt, sagte sie: "Ja, das tue ich."

Für Blitzlichtgewitter in und vor Oper sorgte Baumeister Richard Lugner mit seinen Stargästen, den Schauspielern Brigitte Nielsen und Roger Moore. Nielsen, die in einem knallroten, mit 1.000 Rosen bestickten Kleid glänzte, war tief berührt von der Eröffnungszeremonie: "Ich hatte Tränen in den Augen. Das war eine der schönsten Sachen, die ich jemals gesehen habe - und ich habe schon wirklich viel gesehen", schwärmte die Dänin.

Besonders gut hat die Eröffnung auch Opernsängerin Natalia Ushakova gefallen. Sie war voll des Lobes für ihre Kollegin Angela Gheorghiu, die einen Teil davon bestritten hatte: "Sie ist eine große Diva, die hat absolut gepasst." Ushakova selbst würde jedenfalls nicht Nein sagen, würde man sie fragen, ob sie denn bei einer Opernballeröffnung singen wollen würde: "Das wäre eine große Freude für mich. Ich würde sterben vor Glück, wenn ich einmal bei der Eröffnung singen dürfte."