Erstellt am 10. Juli 2015, 09:38

Opulente und farbenprächtige "Nacht in Venedig". Ein Kreuzfahrtsschiff am Neusiedler See sieht man nicht gerade alle Tage. Und eine so opulente und farbenprächtige Operette wie am Donnerstagabend bei der Premiere von Johann Strauß' "Eine Nacht in Venedig" auch nicht.

 |  NOEN, Werner Müllner

Sowohl Sänger, Tänzer als auch das Ensemble "dahinter" - Bühnenbildner Walter Vogelweider, Regisseur Karl Absenger und Kostümbildnerin Susanne Thomasberger - überzeugten sehr.

Wer bei Intendantin Dagmar Schellenbergers Debüt in dieser verantwortungsvollen Position im Jahr 2013 vielleicht noch skeptisch war, muss spätestens nach der diesjährigen Produktion alle Bedenken sprichwörtlich über Bord werfen. Denn die Seefestspiele Mörbisch haben alles aufgefahren, was wohl zu kriegen war.



Ein Teil der beeindruckenden Bühne wird von fleißigen Mitarbeitern per pedes gedreht und so zeigt sich dem Zuschauer mal das mächtige Schiff mit fotografierwütigen Touristen an Deck, mal gerät man sogar unter Deck.

Beeindruckendes Bühnenbild samt Kreuzfahrtsschiff auf der Seebühne

Gesanglich glänzen bei der Verkleidungs- und Verwechslungskomödie u.a. Herbert Lippert als Kapitän und sein Erster Offizier, Caramallo, Mirko Roschkowski. Die Intendantin selbst steht ebenfalls auf der Bühne und mimt die lebensfrohe Barbara, die sich wegen ihres alten Mannes ihren Bauchmuskel-bepackten Neffen Enrico (Otto Jaus) schnappt. Schellenberger brilliert vor allem mit dem "Schwipslied" und erntet dafür zu recht viel Applaus.

Die heurige Produktion sticht aber nicht nur gesanglich hervor. Kostüm und Tänzer gehen eine wunderbar harmonische Symbiose ein. Bei den Kleidern ließ sich Thomasberger scheinbar u.a. vom Steampunk inspirieren, was zwar im ersten Augenblick ungewohnt für eine Operette aus dem 18. Jahrhundert wirkt, aber den Strauß-Klassiker damit gekonnt in die heutige Zeit versetzt. Dass man sich im 21. Jahrhundert befindet, bemerkt man spätestens dann, wenn das erste Handy gezückt oder sich über vermisste SMS beschwert wird.

Gesangs- und Ballettensemble überzeugte

Der Handlung ist am Premierenabend nicht lückenlos zu folgen. Hie und da lenkt einen ein kleines Ton-Problem ab oder die Techniker hinter der Bühne vergreifen sich in der Lautstärke. Dennoch geht man gut unterhalten, mit imposanten Bildern im Kopf und schön gesungenen und gespielten Melodien (musikalische Leitung: Andreas Schüller) im Ohr nach Hause. Zuvor genießt man noch ein wunderschönes Feuerwerk, zu dem zeitgleich ein Wasserballett - das ist Schellenbergers Stempel, den man keinesfalls vermissen möchte - harmonisch zur Musik tanzt. Mörbisch ist - mit oder ohne Riesenschiff - Schellenbergers Heimathafen.