Erstellt am 17. Dezember 2012, 12:20

ORF kommt nach umstrittener Innenpolitik-Bestellung nicht zur Ruhe. Der ORF dürfte nach der umstrittenen Bestellung von Radio Wien-Wortchef Edgar Weinzettl zum Ressortleiter der Radio-Innenpolitik vorerst nicht zur Ruhe kommen.

Der Widerstand gegen die Entscheidung soll in den nächsten Tagen weitergehen. Dienstag findet im Hörfunk eine Redakteursversammlung statt, bei der voraussichtlich eine Resolution und weitere rechtliche Schritte beschlossen werden. Darüber hinaus dürften mindestens zwei nicht berücksichtigte Bewerber die Medienbehörde KommAustria wegen Verletzung der Ausschreibungskriterien einschalten. "Die Leute sind sauer quer durch das Unternehmen", heißt es aus dem ORF.

Weinzettl wurde am Freitag auf Vorschlag von Radiodirektor Karl Amon von ORF-Chef Alexander Wrabetz zum Leiter der Radio-Innenpolitik bestellt. Der bisherige Radio Wien-Wortchef, der seinen Dienst am Montag angetreten hat, gilt als SPÖ-Wunsch für den Posten, was von offiziellen ORF-Stellen aber verneint wurde. Die Hörfunk-Redakteure sprachen sich für eine interne Nachbesetzung aus. Weinzettl mangle es an fachlicher Qualifikation, so die Kritik.

"In mehr als zwei Jahrzehnten als Redakteursratsvorsitzender hatte ich mit vier Generalintendanten, einer Generaldirektorin und einem Generaldirektor über zahlreiche Besetzungen journalistischer Leitungsfunktionen zu reden und in keinem einzigen dieser Fälle war die vom Alleingeschäftsführer gefällte Entscheidung so sachlich unbegründbar wie bei der nunmehrigen Besetzung des Radio-Innenpolitikchefs", meinte denn auch Redakteursratsehrenvorsitzender Fritz Wendl am Montag zur APA. Laut Wendl habe dies aber auch etwas Gutes. "Es ist nun selbst für fast Blinde unübersehbar, dass es ohne eindeutige Mitwirkungsrechte der ORF-Journalistinnen bei der Besetzung von Leitungsfunktionen keinen wirklich unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt."

Wendl, der 22 Jahre an der Spitze des Redakteursrats stand, will diesen Umstand nun auch in der ORF-Reformarbeitsgruppe im Bundeskanzleramt thematisieren. "Immerhin kündigte Vizekanzler Michael Spindelegger bei der Einsetzung der Arbeitsgruppe 'eine gewaltige Reform' an und Bundeskanzler Werner Faymann sagte, 'die Österreicher wollen in erster Linie einen unabhängigen ORF, das werden wir wohl hinkriegen'", so Wendl. Die Reformankündigungen der Bundesregierung gingen schließlich auf eine andere "untragbare Personalentscheidung der ORF-Geschäftsführung mit entsprechenden Protesten der ORF-Journalisten" zurück, erinnert der Journalisten-Vertreter an die Causa Pelinka vor einem Jahr.

Weinzettl selbst stand am Montag wegen zahlreicher redaktionsinterner Sitzungen vorerst nicht für Interviewanfragen zur Verfügung.