Erstellt am 18. November 2013, 13:19

ORF sieht ausgeglichenes Budget für 2014. Ein ausgeglichenes Budget sieht der dieser Tage vom ORF an die Stiftungsräte verschickte Finanzplan 2014 vor. Trotz des Auslaufens der Gebührenrefundierung sowie Sportgroßereignissen werde man schwarze Zahlen schreiben, wie ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz erklärte.

Vorerst von einer Reduktion verschont bleiben zudem die Spartenkanäle ORF Sport + und ORF III.
Ursprünglich sollte das Budget des Sportsenders von sechs auf drei Mio. Euro halbiert werden, bis zur Jahresmitte konnte die bisherige Dotierung aber gesichert werden, wie ORF-Finanzdirektor Richard Grasl erläuterte. Danach steht eine Neuevaluierung an. Auch der Kultur- und Infosender ORF III behält sein Budget von 8,5 Mio. Euro. Insgesamt werden für 2014 positive Ergebnisse (EGTs) von 0,5 Millionen Euro im ORF sowie 1,4 Millionen Euro im ORF-Konzern erwartet.

"Vielfalt ist unsere Kernkompetenz"
Das Budget sei aber naturgemäß eine große Herausforderung gewesen, galt es doch, "ein Finanzdelta von 80 Mio. Euro zu schließen", so Wrabetz. Man habe hart daran gearbeitet und der Finanzplan zeige nun, "dass es auch in turbulenten Zeiten möglich ist, mittelfristige Finanzvorschauen zu halten". Eine Vorgabe war, "alle wesentlichen Leistungsbereiche" zu erhalten. "Vielfalt ist unsere Kernkompetenz", betonte der ORF-Generaldirektor.

Einsparung bei Unterhaltung und Service
Aufgeteilt in vier Genrecluster über alle Bereiche (TV, Radio, Online) hinweg sieht es damit ausgabeseitig folgendermaßen aus: Information bleibt mit rund 157 Mio. Euro ebenso wie Kultur und Bildung (knapp 100 Mio. Euro) auf dem Niveau von 2013, für Sport wird unter anderem aufgrund der Olympischen Winterspiele in Sotschi sowie der Fußball-WM in Brasilien 115 Mio. Euro ausgegeben (2013: 96 Mio. Euro). Die größte Reduktion gibt es bei Unterhaltung und Service, wo statt 214 nur noch rund 180 Mio. Euro zur Verfügung stehen.

Das macht sich unter anderem beim bisher mit eigenproduzierten Formaten bespielten Mittwoch auf ORF eins bemerkbar: Die Dokusoaps werden gestrichen, künftig sind hier wieder Kaufserien zu sehen. Insgesamt werde es 2014 aber 139 neu produzierte Titel im fiktionalen Bereich (63 Serienfolgen, 24 eigen- und koproduzierte Filme sowie 52 Dokus) zu sehen geben. Bei den Einkäufen spart man wiederum sechs Mio. Euro, und auch das Herbst-Event auf ORF eins ist derzeit nicht vorgesehen. Das Fernsehbudget bleibt mit insgesamt 340,2 Mio. Euro (inklusive variabler Kosten) stabil.

Sonderbudget für Apps und Social Media
Ein trimedialer Programmschwerpunkt ist wiederum zum Thema Europa rund um die EU-Wahl geplant. Außerdem wolle man die Smart-TV-Strategie fortsetzen. Diesbezüglich sind neue Apps sowie ein Social Media Programm-Planer vorgesehen, was insgesamt mit einem Sonderbudget von 500.000 Euro ausgestattet wird. Durchaus zufrieden ist man mit dem Feedback zur Ski-Weltcup-App, die Ende Oktober lanciert und bis dato knapp 130.000 Mal heruntergeladen wurde.

Bei den Programmentgelten, wo 30 Mio. Euro aufgrund des Auslaufens der Gebührenrefundierung wegfallen, bleibt unterm Strich ein Minus von 26,9 Mio. Euro stehen. Das ergibt sich auch durch die Erschließung neuer Haushalte. Die Werbeerlöse werden mit 206,2 Mio. Euro beziffert, ein Rückgang von 2,5 Mio. Euro im Vergleich zum aktuellen Jahr. Nicht eingerechnet sind hier allerdings Online-Werbeerlöse, die Grasl mit 11,5 Mio. Euro angab.

Einsparungen beim Personal
Rund 20 Mio. Euro lukriert man durch Einmalerlöse wie den Verkauf der Rosenhügelstudios in Wien sowie eines Grundstücks in Graz St. Peter, das Personalpaket bringt insgesamt weitere 19 Mio. Euro. Außerdem hätten Sparpakete beim Personalaufwand im ORF-Konzern ein Ersparnis von rund 73 Mio. Euro seit 2009 gebracht, wie Grasl vorrechnete. Insgesamt habe man "ein ausgewogenes Budget knapp über der Nulllinie". Über den Finanzplan abstimmen wird der Stiftungsrat bei seiner nächsten Sitzung im Dezember.

Die Forderung nach der Fortsetzung der Gebührenrefundierung bleibt dennoch aufrecht, wie Wrabetz unterstrich. "Wichtig ist aber: Wir sind und bleiben handlungsfähig und in den schwarzen Zahlen, auch wenn eine Refundierung nicht kommt." Aus seiner Sicht "nicht die allerhöchste Priorität" bei den Regierungsverhandlungen habe wiederum eine Änderung des ORF-Managements. Auch Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) hat jüngst einer "proporzmäßig aufgesetzten ORF-Spitze" eine Absage erteilt.