Erstellt am 26. Mai 2011, 12:29

ORF-Wahl: Noch ein Monat bis zur Ausschreibung des Generaldirektors. Die Wahl zum ORF-Generaldirektor am 9. August rückt näher. Bereits in einem Monat wird der ORF-Stiftungsrat die Ausschreibung beginnen, womit am 30. Juni für die Kandidaten die Uhr zu laufen beginnt.

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Favorit im Rennen ist derzeit Amtsinhaber Alexander Wrabetz, dessen einziger ernsthafter Konkurrent aus heutiger Sicht der RTL-Boss Gerhard Zeiler wäre. Dieser hat sich bisher bedeckt gehalten, will sich Informationen zufolge aber bis Mitte Juni entscheiden, ob er antritt.

Zeiler, der dieser Tage ebenso wie Wrabetz in Los Angeles bei den jährlichen "L.A. Screenings" weilt, wo die großen Filmstudios ihre TV-Produktionen der kommenden Saison feilbieten, geht in der Woche vor Pfingsten in Urlaub und wird sich bei dieser Gelegenheit dem Vernehmen nach noch einmal intensive Gedanken darüber machen, ob er sich einer Bewerbung für den ORF-Chefposten wirklich stellen will. Mögliche Indizien wird er der Branche möglicherweise aber schon am kommenden Montag liefern, wenn er vor den versammelten Zeitungsverlegern des Landes zur "Zukunft des Fernsehens" spricht. Zeiler tritt im Salzburger Lungau bei der Klausur des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) als Gastredner auf.

Die Herausforderung für den möglichen Herausforderer liegt vor allem in der einzementierten Festlegung der im Stiftungsrat dominierenden SPÖ auf Wrabetz, die zur Folge haben könnte, dass sich der aus der SPÖ kommende frühere Kanzlersprecher Zeiler als schwarz-blauer Kandidat wiederfinden könnte, wie es das SPÖ- und Wrabetz-Lager gerne transportiert. Dies will Zeiler dem Vernehmen nach jedoch unbedingt vermeiden, wozu er zumindest zwei Stimmen aus dem SPÖ-"Freundeskreis" bräuchte. Dann könnte wiederum die rote Front im Stiftungsrat für Wrabetz zu bröckeln beginnen. Als mögliche Ausscherer kämen dabei die Vertreter aus der Steiermark und aus Salzburg infrage.

   Zu den dortigen SP-Spitzen pflegt Zeiler ein gutes Verhältnis. So gehörte der RTL-Chef etwa dem "Club Voves" an, einem Personenkomitee, das sich für die Wahl des steirischen Landeshauptmanns Franz Voves stark machte. In Salzburg hat Zeiler seit einiger Zeit einen privaten Wohnsitz und war etwa kürzlich neben anderen Gästen wie Landeshauptfrau Gaby Burgstaller einer der Gratulanten beim runden Geburtstag des SPÖ-Vize und stv. Landeshauptmanns David Brenner. Der Schlüssel für den TV-Manager dürfte aber in Wien liegen: Die mächtigste SP-Landesorganisation würde wohl gehörig in Gewissensnot geraten, wenn Zeiler tatsächlich in den Ring steigt. Wie Bürgermeister Michael Häupl gilt er als "politischer Ottakringer", und mit vielen Wiener SPÖ-Vertretern ist Zeiler immer noch bestens vernetzt.

In Wien kommen dazu außerdem Irritationen über die noch immer ungelöste ORF-Standort-Frage, wie es aus verschiedenen Quellen heißt. Wrabetz soll demnach der Wiener SPÖ schon vor seinem letzen Antreten bei der ORF-Wahl 2006 eine Übersiedelung des ORF ins Medienquartier St. Marx in Aussicht gestellt haben. Die Entscheidung darüber wurde jedoch während Wrabetz' erster Amtszeit immer wieder verschoben und wird nun erst nach der Wahl getroffen. Dass damit Übersiedelungs-resistente Betriebsräte im Hinblick auf die Generaldirektoren-Wahl im ORF-Stiftungsrat bei der Stange gehalten werden sollen, wird vom Wrabetz-Lager dementiert. Skepsis punkto Standortwechsel soll es auch in der Bundes-SPÖ rund um Kanzler Werner Faymann und Medien-Staatsekretär Josef Ostermayer geben. Man befürchte ein neues "Skylink ", berichten mehrere ORF-Insider.

Bei den Unterstützern rund um ORF-General Wrabetz geht man derzeit unterdessen davon aus, dass Zeiler sich die Bewerbungstortur letztlich nicht antun will und wird. Auch darauf, dass Zeiler als schwarz-blauer Kandidat in den Ring steigen würde, wird verwiesen. ÖVP und FPÖ lassen im Gegenzug keine Gelegenheit aus, Wrabetz SPÖ-Lastigkeit und -Willfährigkeit zu unterstellen.

Wrabetz befindet sich bereits seit einigen Wochen im "Wahlkampfeinsatz". Der ORF-Chef lässt kaum einen Termin aus, bei dem er persönlich positive Botschaften über erfreuliche ORF-Quoten, erfolgreiche Rechteverhandlungen oder wirtschaftliche Erfolge überbringen kann. Auch bei den "L.A. Screenings" fehlte der ORF-General heuer nicht. Das jährliche Hochamt der TV-Branche in Los Angeles hat auch Wrabetz' Vorgängerin Monika Lindner immer wieder besucht. Diese soll zuletzt im Hintergrund übrigens ebenfalls umtriebig in Sachen Wahl eines neuen ORF-Generaldirektors gewesen sein. Lindner betreibe in bürgerlichen Kreisen sanftes Lobbying für ORF-Personalchef Reinhard Scolik, heißt es am Küniglberg.

Wichtig für Wrabetz werden nicht zuletzt die Stimmen der kleineren Oppositionsparteien sein. Im BZÖ sieht man derzeit "eine Tendenz Richtung Wrabetz", wie Mediensprecher Stefan Petzner sagte. Allerdings mit einer Einschränkung: "Wenn Gerhard Zeiler sich bewerben sollte, sind die Karten neu gemischt." Bei den Grünen stehen die Zeichen derzeit dank Wrabetz-Intimus Pius Strobl ebenfalls auf Wiederwahl des ORF-Chefs, Partei-interne Stimmen raten jedoch von einer zu frühen Festlegung ab, und ein Antreten Zeilers könnte auch hier zu einem Umdenken führen. Mit Peter Pilz soll es zumindest einen hochrangigen Zeiler-affinen Grün-Politiker geben, heißt es.

Als möglicher Kandidat gilt auch Onlinedirektor Thomas Prantner, der in einer künftigen Geschäftsführung von Wrabetz kein Direktoren-Ticket mehr haben dürfte, wie Wrabetz bereits durchklingen ließ. "Ich will und kann derzeit nichts ausschließen und dabei bleibt es vorläufig", erklärte Prantner zuletzt wiederholt. Eine Rolle bei seinen Überlegungen dürfte wohl ein mögliches Antreten Zeilers spielen.

Außenseiterin Karin Resetarits-Kraml dürfte hingegen wegen der geltenden Gesetzeslage schon aus dem Rennen sein, denn nach einer politischen Funktion ist eine Cool-Off-Periode von mindestens vier Jahren vorgesehen, um für die ORF-Generaldirektion überhaupt infrage zu kommen. Das geht sich bei Resetarits nicht aus, sie will aber den entsprechenden Paragrafen im ORF-Gesetz bekämpfen.