Erstellt am 09. September 2011, 13:40

ORF: Zechner bewirbt sich um TV-Direktion. Kathrin Zechner, die Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien, hat sich als ORF-Fernsehdirektorin beworben, wie die Vereinigten Bühnen am Freitag in einer Aussendung bekanntgaben.

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Damit ist klar, was ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz auch am Freitag noch nicht offiziell bestätigen wollte: Zechner übernimmt ab 2012 die neu geschaffene ORF-Fernsehdirektion. Die Bewerbungsfrist für das ORF-Direktorium endet am Freitag um Mitternacht - vorher will Wrabetz auch nicht verraten, wer oder wie viele Personen sich insgesamt beworben haben. Seinen Vorschlag für das Direktorium könnte er den Stiftungsräten erst unmittelbar vor der Sitzung am kommenden Donnerstag präsentieren, war am Freitag zu hören.

Neue Namen wird es bei den zentralen Direktoren aber ohnehin nicht geben. Neben Zechner (48) gehören Richard Grasl (38), Karl Amon (61) und Michael Götzhaber (45) zum Team. Mit Spannung wird hingegen Wrabetz' Vorschlag für die ORF-Landesstudios erwartet, der dem Vernehmen nach noch nicht fixiert ist. Eine Überraschung dürfte es in Vorarlberg geben. Dort könnte es nun doch nicht zur kolportierten "Halbzeit-Lösung" kommen, wonach Wolfgang Burtscher für zunächst zwei weitere Jahre im Amt bleiben soll. Dem Vernehmen nach dürfte Wrabetz hier einen bisher noch nicht genannten Kandidaten präsentieren. Für die Burtscher-Nachfolge waren zuletzt Programmchef Mathias Neustädter sowie USA-Korrespondent Hanno Settele genannt worden, beide kommen aber dem Vernehmen nach nicht zum Zug. In Salzburg standen die Zeichen zuletzt auf Roland Brunhofer. Dem Vernehmen nach dürfte der rote Betriebsratsvorsitzende aus dem Landesstudio Oberösterreich das Rennen gegen die Salzburger ORF-Programmdirektorin Elfi Geiblinger machen.

Kathrin Zechner, die sich am Freitag zu ihrer Bewerbung "aus Respekt vor den Vereinigten Bühnen Wien, den bevorstehenden Premieren sowie vor dem ORF-Stiftungsrat" nicht äußern wollte, war bereits von 1995 bis 2002 Programmintendantin des ORF. Aus dieser Zeit kennt sie auch Alexander Wrabetz, mit dem sie im Direktorium von Generalintendant Gerhard Weis zusammenarbeitete. "Madame 100.000 Volt", wie Zechner auch genannt wird, wurde am 17. Mai 1963 in Graz geboren, maturierte mit Auszeichnung, studierte Jus und arbeitete von 1986 bis 1991 als freie Mitarbeiterin beim ORF. Mit Gerhard Zeilers Hilfe wurde sie mit 28 Jahren Unterhaltungschefin beim Münchner Sender tele 5 und anschließend Programm-Managerin bei Endemol. Mit 31 Jahren holte Zeiler sie als Programmintendantin nach Wien zurück, im Jahr 1998 wurde sie von ORF-Generalintendant Gerhard Weis in dieser Funktion bestätigt. Erst unter Monika Lindner wurde sie von Reinhard Scolik abgelöst. Seit 2004 war sie Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien, ab 2012 kehrt sie nun auf den Küniglberg zurück. Politisch wurde Zechner von verschiedenen Medien immer wieder eher der roten Reichshälfte zugeordnet.

Richard Grasl wurde am 21. Jänner 1973 in St. Pölten geboren und ist in Krems aufgewachsen, wo seine Eltern ein Gasthaus führten. Er maturierte 1991 und studierte danach in Wien Handelswissenschaften mit dem Spezialgebiet Unternehmensführung und Controlling, anschließend arbeitete er in einer Schweizer Unternehmensberatung sowie bei einem österreichischen Steuerberater in der Wirtschaftsprüfung. Mit dem ORF kam Grasl erstmals 1992 im Landesstudio Niederösterreich in Berührung, 1997 wurde Grals im ORF angestellt, moderierte 1998 sein erstes "Niederösterreich heute" und wurde Chef vom Dienst. Von 1999 bis 2001 wechselte er in die Wiener Zentrale, wo er bei der "Zeit im Bild 2" gemeinsam mit Gerald Gross für die Innenpolitik zuständig war. Mit 29 Jahren bestellte ihn die ehemalige ORF-Chefin Monika Lindner zum Chefredakteur des Landesstudios Niederösterreich. Seit Jänner 2010 ist Grasl auf Wunsch der ÖVP im Gegenzug für die Einwilligung der Volkspartei zur Teilrefundierung der Gebührenbefreiungen Kaufmännischer Direktor des ORF.

Karl Amon kam am 31. Dezember 1949 in St. Pölten als Sohn eines Eisenbahners zur Welt. Seine Kindheit verbrachte er unter anderem in Vorarlberg und Kärnten. Nach dem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Wien begann Amon 1978 als Mitarbeiter in der Parlamentsredaktion des ORF, 1981 wechselte er als Redakteur in die ORF-Wirtschaftsredaktion ("Schilling" und "Zeit im Bild"). Fünf Jahre später, 1986, wurde er innenpolitischer Redakteur in der "ZiB 1" und 1990 stellvertretender Leiter der "ZiB 2", die er gemeinsam mit Elmar Oberhauser reformierte. 1992 wechselte Amon ins Radio und wurde Chefredakteur im ORF Landesstudio Wien. 1999 sollte Amon unter Gerhard Weis eigentlich Fernseh-Chefredakteur werden, als dieses Ansinnen scheiterte, wurde er stattdessen Radio-Chefredakteur. 2007 klappte es dann doch und Wrabetz bestellte Amon zum TV-Chefredakteur. 2010 wechselte er auf Drängen der SPÖ als Radiodirektor zurück ins Funkhaus.

Michael Götzhaber kam am 18. April 1966 in Klagenfurt zur Welt. Die Technik hat Götzhaber von der Pieke auf gelernt: Seine ORF-Karriere startete er unmittelbar nach der HTL im Jahr 1988 als technischer Assistent beim ORF-Landesstudio Kärnten, 1989 wurde er Produktionstechniker, 1990 Messtechniker Hörfunk/Fernsehen und 1991 "1. Messtechniker" im Landesstudio. Im Jahr 1996 startete Götzhaber auch seine Betriebsratskarriere bei den SPÖ-Gewerkschaftern, ab 1999 wurde er Betriebsratschef des Landesstudios Kärnten. Seit 2002 ist er Mitglied des ORF-Zentralbetriebsrates, den er seit 2004 auch im ORF-Stiftungsrat vertritt. 2003 wurde er IT-Koordinator des Landesstudios und 2007 Leiter des Investitionsmanagements der Technischen Direktion des ORF in Wien. 2008 ging er als Leiter des technischen Betriebs ins Landesstudio Kärnten zurück. Seit dem Tod von Peter Moosmann leitet er außerdem gemeinsam mit Harald Kräuter und Karl Petermichl die Technische Direktion operativ.