Erstellt am 19. März 2013, 12:46

Papst Franziskus feierlich in sein Amt eingeführt. Papst Franziskus ist am Dienstag bei einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz offiziell in sein Amt eingeführt worden.

APA11969364-2 - 19032013 - ROM - ITALIEN: ZU APA-TEXT AA - Papst Franziskus (l) und BP Heinz Fischer bei der Inauguration-Feierlichkeit am Dienstag, 19. März 2013, im Vatikan in Rom. APA-FOTO: BUNDESHEER/PETER LECHNER  |  NOEN, BUNDESHEER/PETER LECHNER (APA)
Vor rund 300.000 Pilgern, darunter Tausende Lateinamerikaner, und zahlreichen Staatsgästen erhielt der sichtlich bewegte Jorge Mario Bergoglio Pallium (Wollschal) und Fischerring, die Zeichen seiner päpstlichen Macht.

Der französische Kardinalsprotodiakon Jean-Louis Tauran legte dem neuen Papst das Pallium um. Der Stoffschal, der vorher in der Pallien-Nische am Petrusgrab ruhte, ist ein besonderes Zeichen der Amtsvollmacht des Papstes und mit fünf Kreuzen für die fünf Wundmale Jesu versehen. Im Anschluss überreichte der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, Franziskus den Fischerring, der seit dem 14. Jahrhundert der Amtsring des Papstes ist.

Vor Beginn der Feier unternahm Franziskus eine halbstündige Rundfahrt im offenen Jeep über den Petersplatz. Bei sonnigem Wetter begrüßten zehntausende Menschen das neue Kirchenoberhaupt mit Applaus. In der Menge waren zahlreiche Fahnen aus seinem Heimatland Argentinien und aus anderen lateinamerikanischen Ländern zu sehen. Einmal verließ Franziskus den von einem Dutzend Schweizergardisten und vatikanischen Gendarmen begleiteten Wagen, um einen schwerbehinderten Mann zu begrüßen.

Sicherheitschef Domenico Giani hob im Verlauf der Fahrt mehrfach Kleinkinder über die Absperrung, um sie vom Papst segnen zu lassen. Vor der Messe begab sich Franziskus mit den zehn Oberhäuptern der katholischen Ostkirchen zum Petrusgrab im Petersdom. Hier kniete der Papst und betete.

Franziskus appellierte an die Gläubigen, dem Beispiel des Heiligen Josefs zu folgen und die Geschenke Gottes zu behüten. Er appellierte an Menschen, die in Politik, Wirtschaft und im sozialem Bereich Spitzenpositionen besetzen, die Umwelt zu schützen. Man dürfe nicht zulassen, dass "Zeichen der Zerstörung und des Todes" die Welt bedrohen. Um die Welt zu schützen, müsse der Mensch jedoch auch sein Herz reinigen. "Hass, Hochmut und Neid beschmutzen das Leben", warnte Bergoglio.

Zugleich mahnte der Papst, man dürfe "keine Angst vor Güte und Zärtlichkeit" haben. Zärtlichkeit sei ein Zeichen der Stärke. Auch der Papst müsse sich bei der Ausübung seines Amtes immer mehr den "bescheidenen und konkreten Dienst des Heiligen Josefs" als Beispiel nehmen und sich vor allem um die Schwächsten und die Armen kümmern. "Nur wer mit Liebe dient, kann beschützen", sagte der Papst.

Beim Austausch der Friedensgeste umarmte Franziskus den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.. Zum ersten Mal seit dem Schisma von 1054 nimmt ein Ökumenischer Patriarch an der Amtseinführung eines Papstes teil. Die Umarmung zwischen dem Papst und Bartholomaios gilt als wichtiges Zeichen für die Einheit der Christen.

Nach der Messe traf der Papst die Vertreter der ausländischen Delegationen, die an der Messe teilgenommen hatten. 132 Delegationen von Staaten und internationalen Organisationen nahmen am Gottesteil teil. 31 Staatsoberhäupter waren bei der Feier anwesend, darunter sechs gekrönte Häupter.

Österreich war durch Bundespräsident Heinz Fischer. Bundeskanzler Werner Faymann (S), Außenminister, Vizekanzler Michael Spindelegger (V) und Bundesratspräsident Edgar Mayer vertreten. Unter den Gästen waren auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Vizepräsident Joe Biden und Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault. Argentiniens Staatspräsidentin Cristina Fernandez de Kirchner war bereits am Montag vom Papst zu einer privaten Begegnung empfangen worden. Der Heilige Stuhl unterhält diplomatische Beziehungen mit 179 Staaten.

Dem Papst steht im Laufe dieser Woche noch ein intensives Programm bevor. Am Mittwoch begrüßt Franziskus um 11.00 Uhr in der Sala Clementina die Vertreter anderer christlicher Kirchen, die zu seiner Amtseinführung angereist sind. Eine Generalaudienz findet nicht statt.

Am Freitag steht um 11.00 Uhr die erste Audienz des neuen Papstes für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps bevor. Am Samstag ist dann ein Treffen mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. in Castelgandolfo geplant. Franziskus verlässt den Vatikan um 12.00 Uhr im Helikopter und wird mit Benedikt zu Mittag essen. Am Sonntag, dem 24. März, findet um 9.30 Uhr auf dem Petersplatz die Palmsonntags-Messe. Danach folgt um 12.00 Uhr das Angelus-Gebet.