Erstellt am 08. April 2012, 13:44

Papst: Urbi et Orbi in 65 Sprachen. Papst Benedikt XVI. hat in seiner Osterbotschaft eindringlich zu Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit in der Welt aufgerufen.

epa03175468 Pope Benedict XVI (C) waves to faithful at the end of 'Urbi et Orbi' blessing from the central balcony of S. Peter Basilica at the Vatican, 08 April 2012. EPA/MAURIZIO BRAMBATTI  |  NOEN, MAURIZIO BRAMBATTI (ANSA)
Nach der Ostermesse wandte sich das katholische Kirchenoberhaupt am Ostersonntag vor Zehntausenden Gläubigen und Touristen auf dem Petersplatz in Rom vor allem den brennenden Problemen in Syrien und in Afrika zu. "Die Hoffnung muss in dieser Welt unweigerlich mit der Härte des Bösen rechnen", warnte der Papst.

Nach seiner Osterbotschaft spendete Benedikt XVI. traditionsgemäß von der Mittelloggia des Petersdoms aus den päpstlichen Segen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis"). Von TV-Kameras und Radiostationen in die Welt übertragen verlas er Ostergrüße in 65 Sprachen. "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch", wünschte der Papst auf Deutsch.

"Besonders in Syrien sollte das Blutvergießen enden und unverzüglich der Weg der Achtung, des Dialogs und der Versöhnung eingeschlagen werden", forderte der knapp 85-jährige Benedikt. Die vielen syrischen Flüchtlinge bräuchten humanitäre Hilfe, Aufnahme und Solidarität, um ihre schmerzlichen Leiden zu mindern.

Der Papst ermunterte das irakische Volk, sich mit allen Kräften um Entwicklung und Stabilität zu bemühen. "Im Heiligen Land mögen Israelis und Palästinenser mutig den Friedensprozess wieder aufnehmen", sagte er. Benedikt sprach jenen Christen Mut und Hoffnung zu, die wegen ihres Glaubens "unter Diskriminierung und Verfolgung zu leiden haben".

Versöhnung wünschte der Papst auch den leidenden Menschen in vielen Regionen Afrikas. "Dem Staat Mali, der einen politisch heiklen Moment erlebt, schenke der glorreiche Christus Frieden und Stabilität", sagte er. In dem westafrikanischen Land hatten Militärs geputscht, worauf Tuareg-Rebellen den Norden unter ihre Kontrolle brachten und einen eigenen Staat ausriefen.

"Nigeria war in letzter Zeit Schauplatz blutiger terroristischer Überfälle", klagte Benedikt XVI. Er wünschte dem westafrikanischen Land die notwendigen Energien, "um den Aufbau einer friedlichen Gesellschaft wieder aufzunehmen, die die Religionsfreiheit respektiert". Christliche Kirchen sind in Nigeria immer wieder das Ziel von Angriffen islamistischer Terroristen. Am Sonntag gab es im Norden des Landes erneut einen blutigen Bombenanschlag in der Nähe einer Kirche.

Zu den Feierlichkeiten fanden sich am Sonntag Zehntausende Menschen bei eher kühlem Frühlingswetter auf dem Petersplatz ein. Niederländische Floristen hatten den Platz mit Rosen, Astern, Lilien und japanischen Kirschblüten geschmückt.

In der Osternacht hatte Benedikt XVI. bei seiner Predigt im Petersdom vor einem Werteverlust gewarnt und zur Neubesinnung auf den Glauben aufgerufen. "Die Verdunkelung Gottes und der Werte sind die eigentliche Bedrohung unserer Existenz und der ganzen Welt", sagte der Papst laut Kathpress bei der festlichen Liturgie. Er warnte vor einem technischen Fortschritt, der von der Erkenntnis von Gut und Böse absehe.

Ostern nannte der Papst ein "Fest der Neuschöpfung". Jesus habe durch seinen Tod und seine Auferstehung "die Tür zu einem neuen Leben aufgestoßen, das keine Krankheit und keinen Tod mehr kennt".

Nach den anstrengenden Feierlichkeiten in Rom wollte Benedikt XVI., der am 16. April 85 Jahre alt wird, den Ostermontag in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo verbringen.