Erstellt am 06. August 2013, 10:28

Pflege - Hilfswerk: Alternative zur 24-Stunden-Betreuung wäre teuer. Das System der 24-Stunden-Betreuung hat sich seit seiner Legalisierung 2007 als "wichtige Säule und unverzichtbarer Bestandteil" des Pflegesystems etabliert.

Diesen Schluss zieht das Hilfswerk aus den Ergebnissen einer von ihm in Auftrag gegebenen Studie. Rund 25.000 Pflegegeldbezieher nehmen eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch, heißt es in den Unterlagen. Das Hilfswerk will daher das derzeitige System nicht infrage stellen, denn die Alternativen wären "weit teurer". Allein die Errichtung von 25.000 zusätzlichen Heimplätzen würde 2,5 Mrd. Euro kosten.

Im Rahmen der am Dienstag veröffentlichten Studie wurde die Bedeutung der 24-Stunden-Betreuung untersucht. 1.254 Personen wurden im 1. Quartal des Jahres schriftlich und zum Teil in deren Muttersprache befragt, die Wissenschafter erhielten 594 Rückmeldungen. Seit Schaffung der gesetzlichen Grundlagen im Jahr 2007 haben bis Ende Juli 103.139 Personen das Gewerbe der Personenbetreuung angemeldet. Davon sind derzeit 43.159 aktiv, die meisten in Niederösterreich (11.927), die wenigsten in Salzburg (1.356).

Bedarf an Personenbetreuern ist gestiegen

Allein seit Jänner 2013 stieg die Zahl der Personenbetreuer um 9,4 Prozent, heißt es in den Unterlagen. Vergleicht man die Zahl der Personenbetreuer in Relation zu den Pflegegeldbeziehern, ergibt sich ein differenziertes Bild: Während in Niederösterreich und dem Burgenland auf einen Betreuer sieben Pflegegeldbezieher kommen, sind es in Salzburg 18.

Laut Berechnungen der Studienautoren dürften rund 25.000 Pflegegeldbezieher eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch nehmen. Geht man von etwa 78.000 Heimplätzen aus, bedeutet das, dass die Anzahl der 24-Stunden-Betreuungen einem Drittel des Heimplatzvolumens in Österreich entspricht. Ein Ausmaß, das "weder finanziell noch organisatorisch noch personell kurzfristig kompensiert werden könnte", heißt es weiters.

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Durchschnittsalter, Motive und Herkunft der Personenbetreuer

94 Prozent der vom Hilfswerk vermittelten Personenbetreuer sind wenig überraschend weiblich, eher überraschend sei das durchschnittliche Alter der Betreuer, denn die Hälfte der vom Hilfswerk vermittelten Kräfte sind älter als 50 Jahre. 76 Prozent der vermittelten Personen verfügen zumindest über einen Maturaabschluss.

Die wichtigsten Arbeitsmotive für die Betreuer sind das Einkommen, die Nähe zu Österreich und die Legalität. Für fast alle (90 Prozent) ist es sehr schwierig, in ihrem Heimatland Arbeit zu finden. Etwa 80 Prozent der vom Hilfswerk vermittelten Kräfte stammt aus der Slowakei. Über 90 Prozent gaben an, mit der Arbeit in der Familie sehr zufrieden bzw. zufrieden zu sein. Zwei Drittel bewerten das System der 24-Stunden-Betreuung positiv.

Hilfswerk fordert Ausweitung auf betreute Wohnformen

Das Hilfswerk sieht sich durch die Ergebnisse bestätigt, denn die Alternativen zum bewährten System "wären weit teurer". Die Forderung des ÖGB für ein Verbot der 24-Stunden-Betreuung auf selbstständiger Basis, lehnt das Hilfswerk daher ab und fordert die Erhaltung des Systems und eine Ausweitung auf betreute Wohnformen. Im Sinne einer Qualitätssicherung wäre es weiters sinnvoll, für Vermittlungsagenturen ein eigenes Gewerbe zu schaffen, außerdem soll die "Rest-Illegalität" bekämpft werden.