Erstellt am 08. April 2013, 12:24

Roma-Festakt: Situation in Europa zum Teil "eine Schande". Im Parlament ist am Montag, dem "Internationalen Tag der Roma", die Anerkennung der Roma als sechste Österreichische Volksgruppe vor 20 Jahren gefeiert worden.

APA12216658-2 - 08042013 - WIEN - …STERREICH: ZU APA-TEXT II - Bundespräsident Heinz Fischer während eines Festaktes anl. des Internationalen Roma-Tages "20 Jahre Anerkennung der Roma als sechste österreichische Volksgruppe" am Monntag, 8. April 2013, in Wien. APA-FOTO: ROBERT JAEGER  |  NOEN, ROBERT JAEGER (APA)
Die Festredner zeigten sich erfreut über die Erfolge. Gleichzeitig betonten sie jedoch die Notwendigkeit, in Europa wachsam zu bleiben, denn mit rund zwölf Millionen Menschen seien Roma und Sinti die größte ethnische Minderheit in Europa. Alt-Kanzler Franz Vranitzky beurteilte die Situation in Europa "außerordentlich schlecht": "Es ist eine Schande, was in einigen unserer Nachbarländern passiert."

Die heutige Veranstaltung sollte ein Appell sein an die Verantwortlichen in der EU, sich diesem Thema zu widmen, forderte Vranitzky bei der Podiumsdiskussion im Nationalratssitzungssaal. Die Forderung nach einem eigenen EU-Kommissar sei zwar unterstützenswert, er nahm aber vor allem die Staats- und Regierungschefs in die Pflicht, denn sie seien die politischen Entscheidungsträger.

Bundespräsident Heinz Fischer sprach in der Festrede von der "Wertschätzung" für die Volksgruppe und würdigte den "langen und steinigen Weg", den diese in Österreich bis zu ihrer Anerkennung zurückzulegen hatte. Er verwies weiters auf internationale Dimension: "Wir dürfen auch nicht vergessen, dass das Schicksal der Roma und Sinti nicht nur ein österreichisches, sondern auch ein europäisches Thema ist." Sie gehören zu den am meisten von Armut, Arbeitslosigkeit und Analphabetismus betroffenen Gruppen in Europa. Soziale Maßnahmen, Wohnraum und Bildungsmöglichkeiten seien daher unverzichtbar, so Fischer. Bei einer Gedenkveranstaltung wie der heutigen müsse aber auch das Grundproblem beleuchtet werden: "Und das Grundproblem lautet, dass es immer noch unglaubliche Vorurteile gegenüber bestimmten Volksgruppen oder Minderheiten und Nationalitäten gibt, die tief verwurzelt sind, (...) und denen wir mit Energie und Entschlossenheit entgegentreten müssen", betonte der Bundespräsident.

"Es wäre blauäugig", würde heute nur über die positiven Entwicklungen gesprochen, meinte auch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) und verwies auf die zum Teil "beunruhigende Situation" für Roma in Europa. In einigen EU-Staaten gebe es offene Diskriminierung und Angriffe gegen die Volksgruppe: "Daher dürfen wir nicht wegschauen. Es ist die Verantwortung der Politik in jedem einzelnen Land, gegen Ausgrenzung anzutreten und für Gleichberechtigung zu sorgen." Integration sei jedenfalls nicht nur eine "Bringschuld" der Roma, sondern auch die Verantwortung der Mehrheitsgesellschaft, Diskriminierung abzulehnen, so die Nationalratspräsidentin.

"Anerkennung ist nicht nur der juristische Akt. Anerkennung ist mehr als die staatliche Förderung von Volksgruppen", erklärte Bildungsministerin Claudia Schmied (S). "Die Anerkennung als Volksgruppe ist eine wichtige Voraussetzung für ein respektvolles Zusammenleben. Das Gegenteil von Anerkennung ist die Unterdrückung oder vielleicht noch schlimmer, die Ignoranz."

Im Anschluss an die Festreden fand im Nationalratssitzungssaal die Podiumsdiskussion statt, an der auch Rudolf Sarközi, Gründer des Kulturvereins österreichischer Roma, teilnahm. Unter den Gästen waren etwa auch der ehemalige Eisenstädter Diözesanbischof Paul Iby oder Grünen-Klubchefin Eva Glawischnig. Grußworte des burgenländischen Landeshauptmanns Hans Niessl (S) überbrachte Landtagspräsident Gerhard Steier (S).