Erstellt am 05. Juli 2014, 15:12

von APA/Red

Roman Marchel im Rennen um Bachmann-Preis. Offen wie schon lange nicht mehr scheint nach den drei Wettbewerbstagen im Klagenfurter ORF-Theater das Rennen um den 38. Ingeborg-Bachmann-Preis.

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren hat sich kein klarer Favorit herauskristallisiert. Gleich mehrere Autorinnen und Autoren können sich gute Chancen ausrechnen, unter ihnen auch Gertraud Klemm (Wien) und der im südlichen Waldviertel lebende Roman Marchel.

Zum Kreis der Preisanwärter gehört diesmal auch ein Schweizer, nämlich Michael Fehr. Aus Deutschland dürfen Katharina Gericke und Senthuran Varatharajah mit einer Auszeichnung spekulieren. Auf die Shortlist dürften auch Anne-Kathrin Heier und Tex Rubinowitz kommen. Die restlichen österreichischen Teilnehmer, Olga Flor, Birgit Pölzl und Georg Petz werden wohl eher leer ausgehen.

Roman Marchel gleich zu Beginn

Roman Marchel machte das Handikap, als Allererster lesen zu müssen, mit seinem stillen Text über Pflegebedürftigkeit und das Sterben wett. Bis auf Hubert Winkels, der sich zu sehr an Michael Hanekes "Amour" erinnert fühlte, waren die Juroren durchwegs sehr angetan bis begeistert. Gertraud Klemm mit ihrer Geschichte über eine junge Mutter, der das Mutterdasein zu viel wird, löste da deutlich kontroversere Debatten aus, wobei sich vor allem die Jurorinnen für die Autorin begeistern konnten.

Düster und fragmentarisch kommt Michael Fehrs "Simeliberg" daher. Fehr zeichnet in stark schweizerisch gefärbtem Deutsch ein beklemmendes Bild eines Schweizer Dorfes, das Juryvorsitzendem Burkhard Spinnen nicht gefallen mochte, ansonsten aber viel Lob einheimste. Fast einhellig positiv bewertet wurde auch Katharina Gerickes "Down, down, down", einer Liebesgeschichte mit Opern-Bezügen, die von der gelernten Schauspielerin auch entsprechend theatralisch vorgelesen wurde.

Pointen und Debatten

Am Vortrag haperte es wiederum bei Tex Rubinowitz, seine Rückschau auf eine studentische Liebesgeschichte "Wir waren niemals hier" hatte dafür viele Pointen, die das Publikum erheiterten und auch von den Juroren wohlwollend aufgenommen wurden. Heftig debattiert wurde dagegen Anne-Kathrin Heiers "Ichthys", ein atemloser Text über Süchte und Zwänge. Ein mutiger Text, mit dem die Autorin auch viel Risiko genommen hat, ob es für einen Preis reicht, wird man sehen.

Durchaus chancenreich ist auch Senthuran Varatharajah. Sein Romanauszug "Vor der Zunahme der Zeichen" ist als Facebook-Dialog zwischen zwei ehemaligen Flüchtlingen gestaltet, die über ihre Kindheit, Herkunft, Familie ebenso diskutieren wie über Religion und Sexualität. Dem Text merkt man an, dass der aus Sri Lanka stammende Autor Philosophie studiert hat, ob die Integration der Internet-Dialogform in die Literatur so gelungen ist, dass es sich auch in einem Preis niederschlägt, ist spätestens Sonntagmittag klar. Die Vergabe der Preise beginnt um 11.00 Uhr, 3sat überträgt live.