Erstellt am 04. Juni 2011, 11:52

RTL-Chef Zeiler sagt Kandidatur ab. Zwar habe er sich eine Bewerbung überlegt, nach wenigen Gesprächen habe sich aber herausgestellt, dass es "wesentlichen Teilen der Politik nicht darum geht, wer das Unternehmen am besten führen kann, sondern wer willfährig parteipolitische Personalwünsche umsetzt".

Er teilt in dem Interview kräftig in Richtung heimische Innenpolitik und ORF aus, zwischen den Zeilen vor allem gegen die SPÖ, aus der Zeiler ursprünglich kommt: "Ich habe viele Freunde in der SPÖ und ich weiß, dass es viele in der SPÖ gerne gesehen hätten, dass ich es mache." Die Spekulationen, dass SPÖ-Chef Bundeskanzler Werner Faymann ihn verhindern wollte, weil er höhere politische Ambitionen des Sozialdemokraten Zeiler befürchtet, beurteilt der RTL-Chef so: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Werner Faymann im Ernst so denkt. Außerdem: Dächte er so, müsste er ja froh sein, wenn ich im ORF festgenagelt wäre."

Ein Gespräch mit Faymann über eine Kandidatur habe es gegeben, wenn auch nicht aktuell, berichtet Zeiler in dem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil": "Das war im Frühjahr 2009, als er Alexander Wrabetz los werden wollte. Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, den ORF zu führen. Damals war meine Antwort: Wenn es wirklich ein breiter Wunsch wäre und man den ORF so führen könnte, dass er erfolgreich sein kann, würde ich es mir überlegen. Dann habe ich nichts mehr gehört - bis heute."

Zeiler kritisiert einmal mehr auch den parteipolitischen Zugriff auf den ORF: "Man kann kein Unternehmen, das so große Herausforderungen zu bewältigen hat wie der ORF - kreative, finanzielle und strukturelle - erfolgreich führen, wenn Personalbesetzungen bis zur Abteilungsleiter-Ebene von politischer Seite beeinflusst werden und ständig parteipolitische Personalwünsche geäußert werden. Das geht schlicht und einfach nicht. Da leidet die Professionalität und da leidet die Kreativität."