Erstellt am 21. September 2012, 17:15

Russland und Österreich besiegelten Rückgabe der Esterházy-Bibliothek. 67 Jahre nach ihrem Abtransport aus dem Schloss Esterházy in Eisenstadt ist der Weg für die Rückkehr wertvoller Bestände der Esterházy-Bibliothek nach Österreich geebnet

Staatssekretär Reinhold Lopatka (V) hat im Zuge eines Besuches in Moskau am Freitag mit dem Vizekulturminister der Russischen Föderation, Grigorij Petrowitsch Iwlijew, ein Abkommen über die Rückgabe des Kulturschatzes unterzeichnet, teilte das Außenministerium in einer Aussendung mit.

"Dieses Abkommen ist ein Beweis für das große gegenseitige Vertrauen zwischen Moskau und Wien", erklärte Lopatka. Bereits am Dienstag war die Vereinbarung im Ministerrat behandelt worden.

Verhandlungen zur Rückgabe des Kulturgutes wurden sowohl auf diplomatischer als auch auf wissenschaftlicher Ebene geführt. In den fachlichen Gesprächen sei es außerdem um die Identifizierung der Bücher gegangen, schilderte Florian Bayer, Kustos der Esterházy Privatstiftung, im Gespräch mit der APA: "Im Zuge dieser Gespräche konnten wir uns letztlich auf eine Liste von 977 Büchern einigen, die zweifelsfrei und ohne irgendwelchen Widerspruch aus der Bibliotheca Esterházyana stammen."

Man rechne mit einem Übergabezeitraum im Sommer 2013, meinte Bayer. "Die Bücher befinden sich in einem sehr guten Zustand", so der Experte. Die Werke, die in zwei Bibliotheken in Moskau aufbewahrt wurden, seien konserviert und wenn nötig auch restauriert worden. Sie waren in Moskau der Öffentlichkeit zur Forschung und zu Lesezwecken zugänglich.

Die Bestände der Bibliotheca Esterházyana, die insgesamt an die 70.000 Bände umfasst, reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Den tatsächlichen Impuls, eine umfassende Bibliothek zu schaffen, gab Fürst Paul I. Esterhazy, der mit seinem Tod die Sammlung testamentarisch den Franziskanern vererbte. Fürst Nikolaus II. wertete im 19. Jahrhundert die Bibliothek auf, indem er systematisch Bücher sammeln ließ - darunter sehr qualitätsvolle Druckwerke aus Frankreich, England, Deutschland und Italien, erläuterte Bayer. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Bibliothek nach Wien-Mariahilf in ein Palais der Fürstenfamilie gebracht und als Präsenzbibliothek geführt.

In den späten 1850er Jahren kehrten die Bücher wieder zurück nach Eisenstadt und waren zunächst im Verwaltungsgebäude in der heutigen Haydngasse 1 untergebracht. Wenige Jahrzehnte später wurden sie samt den Regalsystemen ins Schloss übersiedelt und im zweiten Stock aufgestellt, wo sich die Bibliothek bis heute befindet.

Im Frühling 1945 erreichte in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges die Sowjetarmee Eisenstadt und das Schloss. Damals wurde "eine sehr gut ausgewählte Tranche an historischen Büchern" in Kisten verpackt, auf Lkw verladen und Richtung Osten gebracht, schilderte Bayer. Dabei habe es sich vor allem um Bücher aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert gehandelt, die sich großteils mit religionswissenschaftlichen Themen auseinandersetzten.

"Es finden sich dann erste Spuren wieder in den 1990er Jahren", so Bayer. 1998/99 sei begonnen worden, Gespräche über eine Rückgabe mit der russischen Seite zu führen - mit zwei Teilerfolgen im Vorfeld: Anfang der 2000er-Jahre kamen über Ungarn knapp 320 Bücher zurück in die Bibliotheca Esterházyana. 2007 wurden drei weitere Bände, die sich einst in der DDR befunden hatten, aus Deutschland zurückgebracht.