Erstellt am 31. Dezember 2012, 11:22

Schönborn besuchte die Votivkirchen-Flüchtlinge. Auch wenn Innenministerin Mikl-Leitner klargestellt hat, dass sie nicht mit den Votivkirchen-Flüchtlingen reden will, werden Kirchenvertreter wie Franz Küberl und Michael Chalupka nicht müde, sich für den Dialog einzusetzen.

Als Vorbild könnte Kardinal Schönborn dienen: Er besuchte Sonntagabend die Asylwerber, die seit gut einem Monat in der kalten Kirche ausharren, um sich Gehör zu verschaffen. "Es war ein Besuch bei Menschen in Bedrängnis", sagte Schönborn in einer Kathpress-Aussendung - und bat "die verantwortlichen Politiker und Beamte, bei der Lösung der schwierigen Grundsatzfragen und der Behandlung der persönlichen Schicksale genau das im Blick zu haben: dass es sich hier um ganz konkrete Mitmenschen handelt, die vor völlig unsicheren, düsteren Zukunftsaussichten stehen." Die Sorge um die Not der Menschen sei Kernauftrag des Evangeliums, betonte der Kardinal.

Schon mehrfach in der Votivkirche war der Direktor der evangelischen Diakonie, Michael Chalupka. Auch Politikern würde "kein Stein aus der Krone fallen", wenn sie mit den Menschen vor Ort sprächen, sagte er im ORF-"Morgenjournal". "Ein bisschen unglaubwürdig" ist für ihn das Argument, man wolle sich nicht erpressen lassen. Denn die Diakonie habe - in "ganz leiser Diplomatie" - im Sommer ein Papier mit Verbesserungsvorschlägen vorgelegt, und auch keine Antwort bekommen.

Caritas-Präsident Franz Küberl appellierte laut Kathpress an die Politik, im Sinne einer Lösung "vernünftige Formen des direkten Kontakts" mit den Betroffenen aufzunehmen. Es sei Aufgabe der Regierung, eine "politisch und menschlich kluge Entschärfung für die Situation der Flüchtlinge in der Votivkirche und damit ein Grundmaß an Lebensperspektive anzubieten".

Von Regierungsseite kam Montag kein Gesprächsangebot, sondern eine Aussendung des Sozialministeriums mit dem Hinweis auf Arbeitsmöglichkeiten für Asylwerber. Sie könnten während des Verfahrens - nach drei Monaten Wartefrist - in Saisonberufen im Tourismus und in der Landwirtschaft tätig werden, teilte das Ministerium mit. Außerdem könnten jugendliche Asylwerber bis zum 18. Lebensjahr eine Lehre in einem "Mangelberuf" (also wo sich keine sonstigen Bewerber finden, Anm.) beginnen. In der Votivkirchen harrten weiterhin rund 40 Asylwerber aus, ein guter Teil von ihnen Hungerstreik.