Erstellt am 18. Juni 2013, 08:16

Schönborn sieht Reformbedarf in römischer Kurie. Kardinal Christoph Schönborn sieht Reformbedarf in der römischen Kurie.

Die letzten großen Änderungen habe es vor 40 Jahren gegeben, sagte der Erzbischof von Wien im Interview am Rande der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Mariazell - "das bedarf eines neuen Blicks". Im Verhältnis zu kirchenkritischen Organisationen sieht Schönborn mittlerweile Entspannung. In Papst Franziskus sieht er einen Hoffnungsträger, dessen angebliche Aussagen über Seilschaften will er nicht kommentieren. Aber: "Die Grundstimmung in der Kirche hat sich wirklich zum Guten gewendet."

"Wenn die Fiaker am Stephansplatz ein Indikator für die Meinung der Menschen in unserem Land sind, dann ist dieser Papst sehr beliebt", sieht Schönborn die römisch-katholische Kirche auf gutem Weg. Besonders dessen "ungewohnter Lebensstil" hat den Wiener Erzbischof "sehr positiv" und "sehr hoffnungsvoll" gestimmt.

Schönborn goutiert vor allem, dass der neue Pontifex das Thema Armut als Schwerpunkt ausgegeben hat. Dass dieses Thema auch in Österreich sehr präsent sei, zeige die Caritas, die "vielleicht zu den stärksten Wachstumsbereichen in der katholischen Kirche gehört".

Zu den kolportierten Aussagen des neuen Heiligen Vaters über eine angebliche "Schwulen-Lobby" kann Schönborn nichts sagen. "Es ist nicht sehr korrekt, dass aus einem persönlichen und offensichtlich vertraulich gedachten Gespräch Dinge an die Öffentlichkeit gebracht werden."

Dass es aber Bedarf nach einer strukturellen Kurienreform gebe, sei bereits in den Vorbereitungsbegegnungen vor dem Konklave - insbesondere von Kurienkardinälen - angesprochen worden. Die letzten diesbezüglichen Änderungen gingen auf Papst Paul VI. zurück - "inzwischen sind über 40 Jahre vergangen".

Reformbedarf sieht Schönborn allerdings überall, betont er. "Als Verantwortlicher einer nicht ganz kleinen Diözesankurie bin ich sehr vorsichtig mit Kritik an der römischen Kurie. Wir haben auch bei uns Reformbedarf und der beginnt erst einmal beim Bischof selbst."