Erstellt am 21. November 2012, 08:55

Seefestspiele Mörbisch: 6 Mio. Euro Investition, zweite Spielstätte. Ein Wandel bei gleichzeitiger Betonung der Kontinuität - das ist der Spagat, den die Seefestspiele Mörbisch nach dem Wechsel der Intendanz von Harald Serafin zu Dagmar Schellenberger versuchen.

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Investitionen von 6 Mio. Euro kündigte der burgenländische Finanzlandesrat Helmut Bieler (S), Präsident der Seefestspiele Mörbisch, am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz in Wien an. Sie fließen in die Infrastruktur, um mit großflächigen Überdachungen die Unbillen der Witterung zu minimieren, in eine neue Terrasse, die einen Rundblick über die Landschaft bietet, und in eine neue, kleinere Spielstätte, in der es künftig zusätzliche Veranstaltungen und eigene Kinderproduktionen geben soll.

Ziel ist es, den Publikumsrückgang der vergangenen Jahre von 200.000 auf zuletzt 139.000 Besucher pro Saison zu stoppen und umzudrehen. Das sei auch deshalb besonders wichtig, weil die Seefestspiele Mörbisch ein wichtiger Faktor im Burgenland Tourismus seien, der heuer voraussichtlich erstmals drei Millionen Gäste ins Land bringen werde, betonte Landeshauptmann Hans Niessl (S): "Für uns ist wichtig, dass Mörbisch weiterhin einzigartig bleibt." Eine Besucherbefragung habe ergeben, dass auch weiterhin klassische Operette in klassischen Kostümen gewünscht sei, dass es den Besuchern jedoch nicht nur um Operette gehe, sagte Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl: "Sie wollen ein Gesamterlebnis." Dieses schließe auch Geselligkeit, burgenländischen Wein und Kulinarik mit ein.

Um dies noch besser zu gewährleisten, haben die Seefestspiele, die sich mit einem neuen Logo und einem neuen Design nun "See.Fest.Spiele" nennen, einen "enormen Investitionsschub" (Bieler) vor. Künftig werden auf zwei Ebenen knapp 6.000 Quadratmeter überdachte Fläche einen Schutz vor Regen und Sturm bieten. Das Gastronomie-Konzept für die rund 6.000 Besucher pro Vorstellung ist neu und schließt auch die Bespielung einer neuen Terrasse für 400 Personen in 15 Meter Höhe mit ein. Eine zweite, kleine Spielstätte wird schon 2013 eine eigene Eröffnungsveranstaltung und Sonderveranstaltungen sowie ab 2014 Kinderproduktion für die Zielgruppe der 7- bis 13-Jährigen beherbergen. Ein neuer Orchestersaal soll auch als Studio für eigene CD-Produktionen dienen.

Die Kammersängerin und ehemalige Siebenkämpferin Dagmar Schellenberger (Niessl: "Kraft, Ausdauer, Durchhaltevermögen und Disziplin wird sie auch für ihre neue Aufgabe brauchen können") plant keine Revolutionen: "Der See muss in Mörbisch der optische Hauptakteur bleiben." Wie schon länger bekannt, beginnt sie ihre Intendanz mit Carl Millöckers "Bettelstudent", der zwischen 11. Juli und 24. August an 29 Abenden gezeigt wird. "Es ist erst die dritte Inszenierung dieser Operette in Mörbisch, nach 1969 und 1995." Ralf Nürnberger inszeniert, Yadegar Asisi entwirft das Bühnenbild, Susanne Thomasberger die Kostüme. Renato Zanella übernimmt die Choreographie, Uwe Theimer die musikalische Leitung. Für das internationale Ensemble versprach Schellenberger "viele neuen Namen, aber auch alte Bekannte". 2014 kommt "Anatevka", 2015 eine große Revueoperette, "die als Genre in den letzten Jahren in Mörbisch etwas zu kurz gekommen ist", und 2016 wieder eine große klassische Operette. "Mörbisch ist kein Ort für Experimente, aber ein Ort für Kontinuität und Qualität", so Schellenberger.

Künftig wird es keine Live-Übertragung der Premiere durch den ORF mehr geben - offenbar hat sich der gewünschte Werbeeffekt nicht eingestellt. Bieler: "Wir haben gebeten, die Premiere nicht mehr zu übertragen, weil es uns keine Vorteile gebracht hat." Der ORF bleibe den Festspielen jedoch weiterhin in verschiedensten Formaten verbunden, hieß es.