Erstellt am 20. November 2012, 09:06

"Skandalautor" Hofbauer mit neuem Faymann-Buch. Ernst Hofbauer mag Werner Faymann nicht. Das ist die Haupterkenntnis nach der Lektüre des Buchs, das der einstige "Skandalautor"über den Bundeskanzler verfasst hat.

Enthüllungen hat "Faymann - Der Kanzler im Zwielicht" keine zu bieten, vielmehr verliert das Werk im Laufe seiner 356 Seiten seinen aufdeckerischen Anspruch und mündet in einer pessimistischen Analyse der Lage der Nation. Des Kanzlers Charakter kurz und bündig: Er ist gesinnungs- und gewissenlos, ein Dilettant, ein narzisstischer "Blender" und ein "eiskalter Engel". Hofbauer schreibt zu Beginn über "glaubwürdige Informanten, die meisten davon aus dem politischen Umfeld" des heutigen SPÖ-Vorsitzenden.

Das mag vielleicht für die ersten Kapitel vonnöten gewesen sein, in denen Hofbauer die Anfänge in der Liesinger SJ (in schlechtem Licht) schildert ("Wir waren eine Mischung zwischen Karrieristen- und Swingerclub", wird eine Quelle zitiert) und sich ansonsten hartnäckig auf die Suche nach Faymanns Maturazeugnis macht (insinuiert wird: Es gibt keines).

Für die Schilderung der späteren Jahre hat Hofbauer viele Medienberichte ausgewertet und geizt nicht mit Zitaten, die allesamt belegen sollen: Faymann ist kein Guter. Nicht als Wiens Wohnbaustadtrat, wo er unter anderem am Verschwinden der Hausmeister schuld gewesen sei, nicht als Infrastrukturminister, wo ihm sein Ressort herzlich wurscht gewesen sei, nicht als Bundeskanzler, wo der opportunistische Phrasendrescher einer wachsenden Staatsschuld nur linke Gerechtigkeitsrhetorik entgegenzusetzen habe.

Hofbauer fasst so ziemlich alle Vorwürfe gegen Faymann bzw. seine SPÖ zusammen, die in den vergangenen Jahren zu lesen und zu hören waren. Darunter: ein Naheverhältnis zum Boulevard, der "EU-Brief" an die "Kronen Zeitung", die Inseratenaffäre und schamlose Interventionen im ORF und anderen Medien; Politik nur zum Zweck des Machterhalts; keinerlei Reformfreude, während das Land den Bach hinuntergeht.

Immerhin räumt Hofbauer am Schluss ein, dass es "nicht allein des Bundeskanzlers Schuld" ist, dass es Österreich heute schlechter gehe als vor fünf Jahren. Ein im Lichte der vorangegangenen 345-Seiten-Suada fast schon schockierend positiver Befund.