Erstellt am 30. Juni 2014, 11:05

Opernfestspiele sind pleite. Eilmeldung: Die Gesellschaft Opernfestspiele St. Margarethen GmbH & CoKG hat aufgrund von Schulden in Millionenhöhe Insolvenz anmelden müssen.

 |  NOEN, Gregor Hafner
Die Gesellschaft Opernfestspiele St. Margarethen GmbH & CoKG (Wiener Neustädter Straße 24. A-2823 Pitten, Niederösterreich) hat aufgrund von Schulden in Millionenhöhe Insolvenz anmelden müssen.

Der Spielbetrieb geht aber normal weiter und die Opernfestspiele werden vorerst von der Wiener Firma „Arenaria“ weitergeführt. Im Gespräch mit der BVZ betonte Direktor Karl Wessely: „Gemeinsam mit dem Land und den Opernfestspielen arbeiten wir an einer Lösung und wir werden uns bemühen, dass es 2014 eine schöne ,Aida‘ im Steinbruch gibt. Es wird auf jeden Fall weitergehen

Dienstag: Werner legte Geschäftsführung zurück

Selbiges wurde auch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Opernfestspielen und Esterhazy Betriebe am Dienstag kommuniziert: Die diesjährige Produktion sei sichergestellt, hieß es.

Intendant Wolfgang Werner verkündete vor den Journalisten: "Heute muss ich eine meiner schwierigsten Entscheidungen bekannt geben: Ich lege meine alleinige Geschäftsführung als Veranstalter zurück." Er sei er gezwungen gewesen, den Schritt zu einem Sanierungsverfahren zu gehen, erklärte Werner: "Ich selbst kann die enormen finanziellen Belastungen nicht mehr alleine tragen."



Man habe eingehend die wirtschaftliche Befindlichkeit des Unternehmens sowie Ausstiegsszenarien geprüft und Liquiditätspläne erstellt.

Dabei sei man zum Ergebnis gekommen, dass die heurige Produktion der Opernfestspiele finanziert hätte werden können, erläuterte Werners Anwalt Wilhelm Häusler: "Aber am Ende der Saison wäre wohl die finanzielle Überschuldung des Unternehmens schlagend geworden." Dieses Risiko habe man nicht eingehen können.

Rechtsanwalt dankte dem Masseverwalter

"Es wäre verantwortungslos gewesen, dieses Unternehmen jetzt so fortzusetzen", so Häusler. Darum sei die Einleitung eines gerichtlichen Sanierungsverfahren - dieses sei vergleichbar mit der Safety-Car-Phase in einem Autorennen - "konsequent" gewesen.



Der Rechtsanwalt bedankte sich beim Masseverwalter, "dass er die Bereitschaft bekundet hat, dieses Unternehmen fortzusetzen." Daher dürfe man sehr zuversichtlich sein, dass dieser es ermöglichen werde, die heurige Opernproduktion "sehr erfolgreich" durchzuführen.

Dazu brauche es auch noch einen Gerichtsbeschluss: "Aber das ist eine formaljuristische Hürde, die zu nehmen sein wird. Die wird nicht so schwer sein", so Häusler.

„Stehe mit Tausend Prozent hinter den Opernfestspielen“

Nach dem gestrigen Tag, blicke er heute "wieder etwas zuversichtlicher auch in die Zukunft der Opernfestspiele St. Margarethen", meinte Werner: "Mir ist es ein Anliegen, jetzt der Kunst und den Künstlern vor allem den Vorrang zu geben und nicht den Gerichten." Regisseur Robert Dornhelm werde die Aida "sehr spektakulär inszenieren."

Er stehe "nach wie vor mit Tausend Prozent hinter den Opernfestspielen St. Margarethen. Man darf nicht vergessen: Ich habe sie gegründet und ich habe sie zu einem Welterfolg gebracht", sagte Werner. Im Römersteinbruch habe man bei den Opernproduktionen früher 190.000 Besucher gezählt. In den vergangenen Jahren seien es weniger gewesen: "110.000, 120.000 Besucher zu einer Oper ins Burgenland zu bringen, das ist nicht so einfach."

Römersteinbruch soll weiter Opernbühne bleiben

Auch, wenn die Opernfestspiele St. Margarethen Insolvenz anmelden mussten, soll der Römersteinbruch weiter Opernbühne bleiben: Man gehe fest davon aus, "dass die nächsten Jahre hier weiter Oper gespielt wird", sagte Direktor Karl Wessely von den Esterhazy Betrieben. Wolfgang Werner sehe man auch in Zukunft "schon in einer tragenden Funktion."

"Wir wissen von der Schärfe dieser Situation circa seit zwei bis drei Wochen", sagte Wessely: "Es tut uns natürlich wahnsinnig leid, dass sich die Dinge so entwickelt haben, wie sie sich entwickeln. Aber wir setzen unsere ganze Kraft daran, auch eine Nachfolgegesellschaft mit zu initiieren." Der Steinbruch sei für Esterhazy "immer ein großes Anliegen" gewesen, 2006 habe man in Absprache mit Werner knapp elf Millionen Euro investiert, sagte Wessely.

Verbleib von Werner angestrebt: „Wir wollen sein Know How“

Man sei mit mehreren möglichen, auch internationalen Investoren im Gespräch, er dürfe aber noch keine Namen nennen. In der neuen Lösung sollten sich mehrere Kräfte wiederfinden: "Eine der Kräfte, die sich sicher wiederfinden werden in dieser Lösung, wird der Wolfgang Werner sein. Wir wollen sein Know How", man wolle auf die Erfahrung des langjährigen Intendanten nicht verzichten: "Er ist eine fixe Größe in allen Zukunftsszenarien, die den Steinbruch betreffen", so Wessely.

Zwar werde es nicht die Opernfestspiele als Gesellschaft, aber eine neue Gesellschaft geben, in der Werner seine Rolle haben solle. Werner habe es geschafft, von 10.000 Besuchern auf 200.000 Besucher zu kommen: "Die Menschen lieben ihn, die Menschen schätzen ihn und er sollte eines der Aushängeschilder nach außen auch in dieser neuen Gesellschaft sein." Was er konkret mache, das werde noch zu verhandeln sein, meinte Wessely.

Ob die weiterführende Gesellschaft die Firma "Arenaria" sein werde, wisse man noch nicht. Diese sei als Gesellschaft gegründet worden, um 2015 einzusteigen und Tosca auf die Bühne zu bringen. Ob sie schon heuer aktiv werde oder eine andere Gesellschaft, könne man noch nicht beantworten, erklärte Wessely: "Aber es ist möglich."

Die "Aida"-Premiere soll am Mittwoch in einer Woche (9. Juli) wie geplant stattfinden. In welcher Funktion er dabei sein werde, das sei "eine Sache der neuen Betreiber", sagte Werner.

UPDATE Donnerstag: Gläubigervertreter: Neue Gesellschaft soll übernehmen

Die Opernfestspiele St. Margarethen (OFS) haben im Gläubigerausschuss, der am Mittwoch in Wiener Neustadt tagte, einen großen Schritt in Richtung kommende Premiere gemacht. Die Gläubigervertreter befürworteten, dass der Masseverwalter der insolventen OFS mit der eigentlich für den Betrieb ab 2015 neu gegründeten "Arenaria" aus der Esterhazy-Gruppe einen Pachtvertrag abschließt.

Die Pächterin übernähme so das wirtschaftliche Risiko für die heurige Produktion "Aida", erklärte Alexander Klikovits, Insolvenzreferent des Kreditschutzverbands. Damit könnte den Künstlern und beteiligten Unternehmen eine Sicherheit geboten werden, zudem hoffe man, das Land Burgenland mit ins Boot zu holen.

Im "WirtschaftsBlatt" vom Donnerstag erklärt Ö-Ticket-Geschäftsführer Andreas Egger, dass auch sein Unternehmen einen Beitrag leisten werde, um die heurige Produktion über die Bühne zu bringen: "Dies bedeutet sowohl Verzicht auf zustehende Einnahmen als auch unterstützende Maßnahmen in finanzieller wie organisatorischer Hinsicht." Laut dem Bericht fehlten für die Sicherung des Spielbetriebs noch 1,3 Mio. Euro, die im Lauf der Woche aufgebracht werden sollen.

BVZ.at hatte als erstes Medium berichtet:

Seitens der Opernfestspiele-GmbH. und Intendant Wolfgang Werner gab es am Montag vorerst keine Stellungnahme. Auch bei den Esterházy-Betrieben will man zum Insolvenz selbst nichts sagen, da man derzeit „nur der Vermieter“ sei.

Die Zukunftspläne von Esterházy – die Oper in St. Margarethen ab 2015 in neue Hände zu geben – hatten zuletzt zu Diskussionen mit dem (Noch-)Intendanten geführt.

Beim aktuellen Konzept hat sich Esterházy durchgesetzt, die Wogen schienen aber geglättet: Unter Einbindung von Wolfgang Werner wird im nächsten Jahr anstelle des „Troubadour“ die favorisierte Oper „Tosca“ gespielt. Dass die Opernfestspiele jetzt vom Wiener Unternehmen „Arenaria“ übernommen werden sollen, will man bei Esterházy vorerst nicht bestätigen.

Gestiegener Anspruch als Ursache 

Die Insolvenzursachen liegen laut Gläubigerschutzverband Creditreform in steigenden Kosten, die darin begründet liegen, dass man dem anspruchsvoller werdenden Publikum auch ein angemessenes Rahmenprogramm mit Gastronomie und umfassenden Komfort bieten musste.

Dazu kommt, dass die Aufführungen sehr stark witterungsabhängig sind und bei der letztjährlichen Produktion rückläufig waren. In letzter Zeit sollen noch hohe öffentliche Abgaben- und Beitragsnachforderungen gestellt worden sein.

Es sind etwa 80 Gläubiger und 16 Arbeitnehmer betroffen. Den Aktiva von rund 5,1 Millionen Euro stehen Passiva von ca. 9,1 Millionen Euro gegenüber.

20-Prozent-Quote angeboten

Die Opernfestspiele St. Margarethen haben im Sanierungsplan den Gläubigern eine 20-prozentige Quote vorgeschlagen. Die Zahlung soll binnen zwei Jahren nach Annahme des Sanierungsplans erfolgen, teilten der Alpenländische Kreditorenverband (AKV Europa) und die Creditreform am Montagnachmittag mit.

Gläubiger können Ihre Forderungen bis zum 28. August anmelden. Die Abstimmung über den angebotenen Sanierungsplan der GmbH & Co.KG soll am 11. September stattfinden.