Erstellt am 23. Juli 2012, 10:16

Stöger kritisiert Bonus-System der SVA. "Bestrafung der Kranken" - Kritik am Bonus-Modell der gewerblichen Sozialversicherung (SVA) kommt von Gesundheitsminister Alois Stöger (S).

SVA-Versicherte können im Rahmen ihrer Vorsorgeuntersuchung "Gesundheitsziele" vereinbaren, also etwa Gewicht reduzieren oder das Rauchen aufgeben. Werden die Ziele erfüllt, zahlen sie weniger Selbstbehalt. Stöger bezeichnete dieses Modell am Sonntag im Ö1-Morgenjournal als Bestrafung der Kranken und forderte stattdessen die generelle Abschaffung der Selbstbehalte.

SVA-Versicherte müssen bei jedem Arztbesuch 20 Prozent Selbstbehalt bezahlen, bei Einhaltung der Gesundheitsziele sinkt der Betrag auf 10 Prozent der Arztkosten. Für Stöger kommt es einer Bestrafung der Kranken gleich, wenn diese beim Arzt mehr bezahlen müssten als gesunde Patienten. "Selbstbehalte gehören generell abgeschafft", sagte der SP-Minister in Richtung der vom ÖVP-Wirtschaftsbund dominierten Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft. Als Vorbild für die Gebietskrankenkassen sieht Stöger das SVA-Modell nicht. Die Versicherten der Gebietskrankenkassen würden nämlich ohnehin häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen gehen - u.a. deshalb, weil sie beim Arztbesuch keinen Selbstbehalt bezahlen müssten, so Stöger.

SVA weist Stöger-Aussagen zurück
Die Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) weist die Kritik von Gesundheitsminister Alois Stöger (S) zurück. Stöger hatte am Sonntag die Abschaffung der 20-prozentigen Selbstbehalte bei der SVA gefordert und das höhere Niveau der Vorsorgeuntersuchungen bei den Gebietskrankenkassen u.a. damit begründet, dass dort keine Selbstbehalte fällig werden. SVA-Vizeobmann Peter McDonald weist das zurück und betont, dass SVA-Versicherte für Vorsorgeuntersuchungen nichts bezahlen müssten.

Kritik an Stöger kommt auch von ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger. Er wirft dem SP-Minister vor, der ÖVP-dominierten SVA "aus parteipolitischen Gründen" den Erfolg zu neiden, mit dem Bonus-System die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen deutlich gesteigert zu haben. "Österreichs Gesundheitspolitik im Bereich Prävention ist im internationalen Bereich verheerend. Umso verwunderlicher ist es deshalb, dass der Gesundheitsminister einer sinnvollen Initiative für mehr Prävention und Vorsorge schon von vornherein eine Abfuhr erteilt", so Rasinger in einer Aussendung.

Unterstützung für die SVA kommt auch vom BZÖ, dessen Gesundheitssprecher Wolfgang Spadiut von Stöger die Etablierung eines ähnlichen Bonus-Systems fordert. Damit ließen sich auf lange Sicht gesehen enorme Kosten ersparen, meinte Spadiut in einer Aussendung.