Erstellt am 02. August 2013, 09:50

Trockenheit und Starkregen - Sandige Böden haben am meisten Stress. Die vergangenen Monate könnten dafür Pate stehen, wie sich das Wetter in Ostösterreich zukünftig entwickelt. Klimaprognosen versprechen jedenfalls, dass Trockenperioden und Starkregenereignisse zunehmen werden.

Welche Auswirkungen eine derartige Entwicklung auf die Abläufe in landwirtschaftlich genutzten Flächen in Ostösterreich haben könnte, analysieren Forscher gerade in Wien. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem sandige Böden besonders gefährdet wären und die Verschiebung der Niederschlagsmuster zu geringeren Ernteerträgen führen könnte.

Was sich in der Erde abspielt, wenn Trockenperioden häufiger und länger werden und darauf große Niederschläge folgen, wollen Wissenschafter mit einem speziellen Versuchsaufbau in Wien-Donaustadt nachvollziehen. In Prognosemodellen zum Klimawandel für Ostösterreich würden solche Veränderungen der Niederschlagsmuster jedenfalls vorhergesagt, so Johann Zaller von der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien in einer Aussendung.

Forscher simulieren Einfluss von Wetterlagen auf verschiedene Bodentypen

In der sogenannten "Lysimeteranlage" können die Forscher der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW), des Instituts für Kulturtechnik und Bodenwasserhaushalt und der Boku den Einfluss dieser Wetterlagen auf verschiedene Bodentypen simulieren. Außer Temperatur und Feuchtigkeit, die einen großen Einfluss auf die Stoffwechselaktivitäten der Bodenmikroorganismen haben, werden dort auch der pH-Wert, die Nährstoffverfügbarkeit sowie die Treibhausgasemissionen der Erde gemessen.

Bei den untersuchten Bodentypen handelt es sich um sandige und tiefgründige Schwarzerde sowie um Feuchtschwarzerde. Diese Böden zählen zu den fruchtbarsten in Österreich und kommen in erster Linie in der pannonischen Region Niederösterreichs und des Nordburgenlandes vor. "Nachdem es sich bei dieser Region um die Kornkammer Österreichs handelt, sind die Resultate indirekt auch für ganz Österreich relevant", so Zaller gegenüber der APA.

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Böden reagieren unterschiedlich

Die ersten Ergebnisse des seit 2011 laufenden Projekts zeigen, dass verschiedene landwirtschaftliche Kulturen auf unterschiedlichen Böden auch sehr unterschiedlich reagieren. "Generell kann gesagt werden, dass vor allem Kulturen auf sandigen Böden sehr sensibel auf diese Niederschlagsmuster reagieren und leichter in Trockenstress geraten als tiefgründigere Böden mit weniger Sandanteil", erklärte der Forscher. Die vorläufigen Daten würden zudem nahelegen, dass künftig mit erhöhtem Unkrautdruck zu rechen sei. Das könnte wiederum zu vermehrtem Pestizideinsatz und damit verbundenen Umweltproblemen führen.

Um drohenden Ertragseinbußen entgegenzuwirken, könnte zudem verstärkte Bewässerung notwendig werden, was dann Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel hätte. Zaller: "Zusammenfassend zeigen diese Ergebnisse, dass die künftigen Niederschlagsmuster nachteilige Auswirkungen haben können, mit möglichen Konsequenzen im Bereich Sortenwahl, Pflanzenschutz und Bewässerung."

Veränderung der Niederschlagsmuster reduziert das Futterangebot der Vögel

Den oberirdisch lebenden Insekten und Spinnentieren setzte es vor allem zu, wenn sich Niederschlagsmuster veränderten. Auf welchen Bodentypen die Tiere lebten, machte hier hingegen keinen Unterschied. Der laut Zaller "dramatische Rückgang der Insekten und Spinnentiere in den Zukunftsvarianten" bedeute somit auch ein reduziertes Futterangebot für Vögel - mit entsprechenden negativen Auswirkungen, da die Tiere eine wichtige Rolle in der Schädlingskontrolle spielen.

In der Vergangenheit seien Untersuchungen an Klimamodellen "der Einfachheit halber oft nur mit einem Bodentyp gerechnet worden. Unsere Daten könnten nun dazu verwendet werden, anhand von Bodenkarten präzisere Klimaprognosen, zumindest für die untersuchten drei Bodentypen, zu erstellen", hofft der Wissenschafter.