Erstellt am 12. April 2011, 15:50

TW1-Nachfolge - Wrabetz sieht Frequenz eher bei Sport Plus. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sieht in der Frage, welcher der beiden neuen Spartenkanäle die bisherige Frequenz von TW1 behalten darf, eher Sport Plus im Vorteil.

Wie er beim ORF-Publikumsrat am Dienstag in Eisenstadt sagte, sollen für die neue Frequenz Restkapazitäten auf jenem Satellitenplatz verwendet werden, der derzeit für die Ausstrahlung der verschiedenen "Bundesland heute"-Sendungen genutzt wird und den Rest des Tages unbespielt bleibt.

Ergo müsste jener Sender, der nicht auf der TW1-Frequenz bleibt, jeden Tag um 19.00 Uhr die Bundesländer-Nachrichten ausstrahlen, erklärte Wrabetz. Für den Informations- und Kultur-Spartenkanal ORF 3 werde dies wohl eher möglich sein, als bei einem Sport-Kanal, der unter Umständen an dieser Stelle die Übertragung eines Live-Matches abbrechen müsse. "Bei einem Informationsspartenkanal ließe sich eine 'Bundesland-Heute'-Sendung schon besser integrieren", so der ORF-General. Einen zusätzlichen Satellitenplatz will er nicht anmieten, wie er sagte. Die Kosten dafür beliefen sich auf 800.000 Euro jährlich. Wrabetz sprach von einer "komplexen Entscheidung", vor der man stehe. Welcher der beiden Sender die alte, bereits auf zahlreichen Fernsehgeräten eingespeicherte Frequenz behalten darf, sei "vor allem eine ökonomische Abwägung".

Zugleich präsentierte der ORF-General das neue Logo von ORF 3, das demnach "ORF III - Kultur und Information" im Schriftzug tragen wird. Dass damit drei verschiedene Schreibweisen für die ORF-Kanäle 1 bis 3 vorliegen, sei eine bewusste Entscheidung der Designer gewiesen, sagte Wrabetz auf entsprechende Nachfrage aus dem Publikumsrat: "Man zeigt die Familie, aber gleichzeitig auch die Unterschiedlichkeit."

Im Publikumsrat wurde auch der Verhaltenskodex für die ORF-Journalisten verabschiedet, auf den sich Redakteursrat und Generaldirektor geeinigt hatten. Der "Verhaltenskodex für journalistische Tätigkeit bei der Gestaltung des Inhalteangebots" wurde einstimmig von der Hörer- und Sehervertretung abgesegnet, womit nur noch der ORF-Stiftungsrat zustimmen muss. Einher geht damit das Vorhaben, einen Ethikrat einzuführen, der zum Verhaltenskodex angerufen werden kann. Der vierköpfige Ethikrat soll auf Anregung des Publikumsrats verpflichtend mindestens zur Hälfte mit Frauen besetzt werden.

Kritik an der "Dienstagnacht" des ORF wies Wrabetz zurück, räumte aber ein, dass einzelne Beiträge des Boulevardmagazins "direkt", die erotische Massagen bzw. Prostitution zum Thema hatten, möglicherweise nicht optimal gewählt gewesen seien: "Ich glaube auch, dass wir in den ersten zwei Folgen mit diesen etwas schmuddeligen Themen etwas hatten, das in dieser Art nicht stattfinden muss." Grundsätzlich gehe es bei "direkt" darum, echte Menschen in deren Lebenssituationen zu zeigen.

Auch die geplante Auflassung der Onlinedirektion in der künftigen Geschäftsführungsperiode war Thema im Publikumsrat. Hier habe der Gesetzgeber festgelegt, dass es künftig nur mehr vier statt wie bisher sechs Direktoriumsmitglieder geben soll. "Da ist naheliegend, dass der relativ kleinste Bereich für sich nicht einen eigenen Direktor haben wird", argumentierte Wrabetz. Das bedeute nicht, dass die Onlinedirektion unter Thomas Prantner nicht erfolgreich gewesen sei.