Erstellt am 29. März 2011, 14:16

Wrabetz-Kandidatur für nächste Woche erwartet. Für die im August stattfindende Wahl des ORF-Generaldirektors könnten nächste Woche erste Weichen gestellt werden.

Am 6. April (Mittwoch) lädt Generaldirektor Alexander Wrabetz seine Führungskräfte ins ORF-Zentrum ein, um ihnen "einen Überblick über den Status Quo und die anstehenden Projekte zu geben", wie es in einem der APA vorliegenden Einladungsschreiben heißt. Rund um diesen Termin dürfte sich Wrabetz auch zu seiner Wiederkandidatur äußern, wie Beobachter vermuten. Die Ankündigung von Wrabetz' Wiederkandidatur wurde bereits vor Wochen für Ende März/Anfang April erwartet.

Hinter den Kulissen ist das Tauziehen um die künftige Zusammensetzung des ORF-Direktoriums ohnedies schon voll entbrannt, erste Varianten für eine Teambildung kursieren in ORF-Kreisen bereits. Als Fixstarter für ein künftiges Direktorium unter Wrabetz sind demnach Kandidaten im Gespräch, die als großkoalitionäres Signal gewertet werden könnten. Karl Amon soll dabei Radiodirektor bleiben, als aussichtsreicher Anwärter für den Posten des Technischen Direktors gilt SP-Gewerkschafter Michael Götzhaber, und mit der Verlängerung von Finanzdirektor Richard Grasl dürfte Wrabetz die erwartete Personalansage in Richtung ÖVP machen.

Offen ist derzeit noch die Besetzung der Fernsehdirektion, in der künftig Programm und Information zusammengelegt werden sollen. Als Wunsch gilt eine weibliche Kandidatin, etwa die Wiener Landesdirektorin Brigitte Wolf oder die frühere ORF-Programmchefin und nunmehrige Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien, Kathrin Zechner. Für den Bereich wurde zuletzt aber auch eine internationale Spitzenkraft als Möglichkeit genannt, wobei konkrete Namen bisher ausblieben. Als ein Hindernis für dieses Vorhaben könnte sich der Umstand erweisen, dass sich deutsche Spitzenkräfte für ein ORF-Direktorengehalt wohl nur schwerlich nach Wien locken lassen.

Tritt der derzeit bei allen Planspielen als einzig relevanter Unsicherheitsfaktor für Wrabetz gehandelte RTL-Boss Gerhard Zeiler nicht an, würde der amtierende ORF-Chef als klarer Favorit ins Rennen gehen. Als allfällige Gegenkandidaten werden für diesen Fall immer wieder die Medienmanager Hans Mahr und Michael Grabner sowie "Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter, der Ambitionen auf den ORF-Chefposten aber mehrmals dementiert hat, gehandelt. Aus dem ORF selbst dürfte sich bei dieser Konstellation wohl der derzeitige Onlinedirektor Thomas Prantner bewerben, sofern dieser tatsächlich seinen Platz im Wrabetz-Team verlieren sollte.

Würde RTL-Chef Zeiler allerdings antreten, hätte Wrabetz zumindest einen ernsthaften Konkurrenten und die ÖVP einen aussichtsreichen "Gegenkandidaten" im Rennen, wiewohl der ehemalige ORF-Generaldirektor, der sich bei RTL zu einem der wichtigsten Medienmanager der Welt hochgearbeitet hat, als SPÖ-nahe gilt. Ein klares Dementi war von Zeiler bisher nicht zu bekommen, für seine Kür wären aber auch SP-Stimmen notwendig. Zumindest in Wien soll Zeiler eine Überlegung wert sein, ebenso in Salzburg und in der Steiermark.

Umgekehrt weht Wrabetz, der derzeit unumstritten als Wunschkandidat der SPÖ-Parteizentrale gilt, aus dem maßgeblichen schwarzen Kernland Niederösterreich ein freundlicher ÖVP-Wind entgegen, wiewohl es nicht als ausgemacht gilt, dass die schwarzen Stimmen aus diesem Bundesland auch wirklich ihm zufallen könnten: "Von einem gemeinsamen Paket ist man noch weit entfernt", so ein Kenner. Allerdings sei die Stimmung doch merklich gut.