Erstellt am 06. November 2013, 07:24

Affäre Lindner und die Rolle des ORF. Harald Knabl über die öffentliche Demontage von Monika Lindner.

© Franz Baldauf , St. Pölten , 26.09.2012 , NÖN Chefredakteur und Geschäftsführer vom NÖ Pressehaus Prof. Harald Knabl  |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Es war, als habe jemand aufs Knopferl gedrückt. Als Monika Lindner wissen ließ, sie habe vor, ihr Mandat im Nationalrat anzunehmen, platzte die Affäre Lebisch. Und wie. Die ehemalige ORF-Generaldirektorin steht nun einsam und verlassen vor den Trümmern ihrer Karriere. Die Ankündigung, sie werde für das Team Stronach kandidieren, war schon schlimm genug gewesen, das Abwenden von den Stronachianern hatte die öffentliche Hinrichtung gerade noch verhindert, doch das Beharren auf das Mandat hatte das Fass zum Überlaufen gebracht.

Über die Tatsache, dass fast überall, wo sie tätig war, auch ihr Lebensgefährte als Werber zum Zug kam, wurde schon lange gescherzt. Wirklich neu sind daher die jetzigen Erkenntnisse nicht. Es ist vielmehr der rote Faden, die scheinbar hemmungslose Konsequenz, mit der Lindner dem ORF und einigen Organisationen Günter Lebisch aufs Auge drückte, die die Ex-Generalin (gelinde gesagt) in ein schiefes Licht geraten lässt. Die Frage nach dem Warum stellt sich, nach den politischen Ambitionen, ein zweites Mal. Machtrausch? Geld?

Da wird noch viel Staub aufgewirbelt werden. Im ORF und außerhalb des Staatsfunks. Eines wird aber nicht funktionieren. Der Versuch der jetzigen ORF-Spitze, die Ahnungslosen zu spielen. Wie gesagt, im ORF machten die laufenden Beauftragungen Lebischs stets die Runde. Und der jetzige ORF-General Alexander Wrabetz „diente“ unter Monika Lindner als Finanzchef. Jetzt so zu tun, als sei man überrascht von der unappetitlichen Chose, das überstrapaziert gewaltig und nimmt auch den Glauben daran, der ORF sei an der lückenlosen Aufklärung der Dinge interessiert.