Erstellt am 31. Mai 2012, 07:00

Darabos‘ Sager war unnötig. HARALD KNABL über die entbehrlichen Israel-Aussagen von Verteidigungsminister Norbert Darabos.

 |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Da sieht man, wie uns die Eurosorgen rund um Griechenland fest im Griff haben: Hätte in wirtschaftlich stabilen Zeiten ein österreichischer Bundesminister einen derartig unnötigen verbalen Ausritt gegen Israel getätigt, wie es (innenpolitisch fast unbemerkt) Norbert Darabos letzte Woche getan hat, die Wogen wären nicht so schnell zu glätten gewesen. Israel hat zwar (no na) pflichtgemäß protestiert, die Innenpolitik hat Darabos aber höchstens ignoriert. Das ist Norbert Darabos’ Los.

Die Welt hat den Sager zweifellos nicht gebraucht. Der österreichische Verteidigungsminister sollte sich andere Sorgen machen als um den Frieden im Nahen Osten. In seinem eigenen Ressort geht es drunter und drüber, Da-rabos ist der einzige Minister, der vom Klientel, das er zu verwalten und zu vertreten hat, mehrheitlich abgelehnt wird, sein Plan, die allgemeine Wehrpflicht abzuschaffen, ist mit dem Koalitionspartner nicht zu verwirklichen, ein anderer Koalitionspartner ist auch nach den kommenden Wahlen im nächsten Jahr nicht in Sicht. Also darf man sich fragen: Welch wilder Esel reitet Darabos, dass er sich in die Weltpolitik einmischt?

Norbert Darabos ist ein politischer Überlebenskünstler. Kein anderer Politiker hätte überstanden, dass ein Spitzenbeamter von ihm erst abgesetzt und dann von ihm nach mehr als peinlichem öffentlichem Getöse wieder eingesetzt wird. Jeder andere hätte ob der offenen Ablehnung, die ihm in seinem Ressort entgegengebracht wird, längst das Handtuch geworfen. Und so wird auch sein Ausflug in die Weltpolitik ungesühnt bleiben. Ja, die Eurosorgen haben uns eben fest im Griff.