Erstellt am 23. März 2011, 00:00

Das eigene Nest hat sich entwickelt. BERNHARD FENZ über die Frage, wann es für verheißungsvolle Kicker Zeit ist, die Flucht aus Österreich anzutreten.

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Dem „Projekt 12“ des ÖFB gehören auch die Mattersburger Christian Gartner, Patrick Farkas und Lukas Rath an. Sie sind drei von 43 Jungprofis, die zusätzlich gefördert werden. Im Zuge einer Präsentation nützte SVM-Boss Martin Pucher die Gelegenheit, nachzulegen: Talente soll(t)en sich hier entwickeln und wenn, dann gestanden ein Legionärs-Dasein starten. Sein Credo: Heranreifen, später ins Ausland wechseln, Erfahrungen sammeln und zum Abschluss wieder zurückkehren, um unseren Fußball zu befruchten.

Auch im Burgenland gibt es Kicker, die früh das Nest verlassen haben – wie Philipp Hosiner (1860 München, Sandhausen), Patrick Derdak (Werder Bremen), Georg Krenn (Everton), Thomas Dau (Aston Villa) oder Mario Lösch (Derby County). Alle sind längst zurück. Hosiner (mittlerweile 21 Jahre) schießt für die Vienna Tore, Derdak (21) steht im Kader des LASK, Dau (19) ist als Dreiergoalie in Horn gelandet, Krenn (20) versucht sich nach Kapfenberg bei den Admira Amateuren und Lösch (21) kickt nach Mattersburg derzeit in seiner Heimatgemeinde Ritzing.

Es wäre zu billig, die Auslands-Wagnisse nun reflexartig als Fehler abzustempeln. Schließlich wurden Talente bei den meisten heimischen Klubs noch bis vor einigen Jahren oft nur oder zu lange in der zweiten oder gar dritten Reihe geparkt: „halbgute“ Perspektiven also – da muss ein Junglegionärs-Dasein noch verlockender gewirkt haben.

Das hat sich mittlerweile geändert. Transparent ziehen viele Vereine (bis auf Salzburg) die sportliche Aufzucht der Talente bis zum Schluss durch, Einsätze in der Profiabteilung sind keine Lippenbekenntnisse und vor allem keine außergewöhnlichen Einzelfälle mehr. Längst ist es daher für junge Kicker nicht mehr nötig, sich lange vor der Volljährigkeit in einem fremden Land durch die Nachwuchs-Mühle bei Top-Klubs kämpfen zu müssen und bei der Förderung nur einer von (ganz) vielen zu sein. Tun sie es dennoch, darf das – JETZT – in der Tat verwundern.

b.fenz@bvz.at