Erstellt am 25. April 2012, 07:26

Das Kind nicht mitschütten. HARALD KNABL über die feine Grenzlinie zwischen ehrlicher Politik und Korruption.

 |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Anfütterungsparagrafen, gläserne Parteikassen, Transparenzdatenbanken allerorts. Der Paradigmenwechsel, den man von der Politik fordert, wird unsere politische Landschaft grundsätzlich verändern. Nicht unbedingt zum Schlechten, aber wir sind gerade dabei (und das ist eine typische Reaktion eines schlechten Gewissens), das Kind mit dem Bade auszuschütten.
Politik braucht Volksnähe, braucht Kontakte. Auf der einen Seite fordert man von den Damen und Herren in ihrer jeweiligen „Spielklasse“ beste Beziehungen und unendliche Sachkenntnisse, auf der anderen Seite ein Distanzverhalten, welches genau das erschwert. Noch einmal, das betrifft jetzt nicht all jene, die für sich privat die Hand aufgehalten haben, solche Fälle gehören aufgerollt und bloßgestellt. Vorsicht sollte aber gelten bei all jenen Regeln, die die tägliche demokratische Arbeit betreffen. Einladungen zu Veranstaltungen etwa oder zu kulturellen Ereignissen.

Ich weiß, diese feine Grenzlinie zu ziehen, ist derzeit ein gar schwieriges Unterfangen, weil aus jeder politischen Mücke ein ebensolcher Elefant gemacht wird. Zugegeben, wir haben zuletzt richtige Elefanten erleben müssen, und das kann schon den Eindruck hinterlassen, ALLE Politikerinnen und Politiker seien korrupt. Nur dem ist halt nicht so. Und so gehören jene vor panischen Überreaktionen geschützt, die ihrem nicht leichten Handwerk ehrlich nachgehen. Oftmals für ungeheuer lächerliche Entlohnung.
Daher: Der korrupte Saustall gehört ausgemistet. Wer privat genommen hat, soll, nein, muss gehen. Doch sich dabei selbst zu vernichten, das kann’s dann doch wohl auch nicht sein.