Erstellt am 08. Dezember 2010, 00:00

Das Scheitern in der Bildung. MARTIN GEBHART über die Bildungsreform in der Sackgasse

Martin Gebhart , Chefredakteur NÖN , 14.11.2005 © Foto: Franz Baldauf, Tel.: +43 650 333 33 15, E-Mail: Studio@fotobaldauf.at, www.bilder.services.at, Bank: BA-CA, Blz 12000, Kto.Nr.: 949 005 797, UID: ATU 20 46 58 05  |  NOEN
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Wer sich wirklich noch der Mühe aussetzt, die täglichen politischen Wortmeldungen zum Thema Bildung zu verfolgen, muss sich wundern, dass unser Schulsystem überhaupt noch den Schulalltag bewältigt. So chaotisch und nicht zielorientiert wird diese Diskussion derzeit geführt. Mit den Ergebnissen des PISA-Tests auf dem Tisch wird sich dieses verbale Chaos sicherlich noch verstärken.

Schon längst geht es nicht mehr bloß darum, ob der Bund oder die Länder die Kompetenzen über alle Lehrer haben. Es geht um die Bildungsziele, bei denen von keiner politischen Ecke angezweifelt wird, dass sie im Bildungsministerium vorgegeben werden müssen. Diese Ziele werden aber von Tag zu Tag verschwommener, und SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied gelingt es nicht, auch nur annähernd die Oberhand über diese Debatte zu gewinnen. Dass sie nun mit Ungeduld darauf reagiert, dass im Bildungskonzept der ÖVP die von ihr und großen Teilen der SPÖ gewünschte Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen nicht aufscheint, zeigt die Hilflosigkeit. Und auch das Fehlen eines wirklichen Bildungspapiers, das aus ihrem Ministerium kommt.

Der Frust über die in der politischen Sackgasse steckenden Bildungsreform, deren Notwendigkeit ja auf allen Ebenen außer Frage gestellt wird, muss letztlich in der Regierungsspitze – sprich Kanzler und Vizekanzler – münden. Sie haben es nicht geschafft, eine gemeinsame Linie zu finden, auf einen Kompromiss hinzusteuern, über den zwar nicht alle jubeln würden, der aber zumindest der Modernisierung des Bildungssystems nicht im Wege steht.

m.gebhart@bvz.at