Erstellt am 12. Oktober 2011, 08:12

Den Bogen überspannt. HARALD KNABL über die hohen Forderungen der Metaller-Gewerkschaft.

 |  NOEN, Franz Baldauf
Eine Ansage, die selbst hartgesottene Kollektivvertragsverhandler überraschte: 5,5 Prozent Lohnerhöhung will die Gewerkschaft der Metallindustrie. Und schiebt ungewohnt unkonsensual hinterher: Allenfalls nötige Kampfmaßnahmen seien bereits vorbereitet. Am Vorabend einer neuerlichen Wirtschaftskrise ein wagemutiges Unterfangen; die Frage, ob solche Forderungen, verbunden mit ziemlich direkt ausgesprochenen Drohungen, verantwortbar sind, darf getrost gestellt werden.
In Österreich gilt bei Kollektivvertragsverhandlungen ein ungeschriebenes Gesetz: Man trifft sich in der goldenen Mitte. Bieten die Arbeitgeber zwei Prozent, fordern die Gewerkschaften vier. Nicht schwierig, was passiert: drei Prozent. Die sozialpartnerschaftliche Gemütlichkeit, die Österreich halt so eigen ist, fordert eben auch Rituale, Schauspiele. Nur diesmal ist von österreichischer politischer Beschaulichkeit keine Rede mehr.

Diese Tatsache alleine den Gewerkschaften in die Schuhe zu schieben, ist nicht richtig. Es stimmt schon, dass, bleiben wir beim Thema Metallindustrie, die Arbeitgeber nicht schlecht verdient haben, es stimmt auch, dass von diesem Gewinn wenig weitergegeben wurde. Was die Forderung der Gewerkschaft jetzt aber so absurd, so wahnwitzig macht, ist, dass die ganze Welt sich derzeit vor einer neuerlichen Wirtschaftskrise fürchtet, niemand genau weiß, wie das kommende Jahr überstanden werden soll. Noch vor ein paar Jahren hätte man das als Theaterdonner abgetan. In Zeiten wie diesen nicht mehr. Jetzt tragen solche Forderungen dazu bei, dass Politik von den Menschen nicht mehr verstanden wird.