Erstellt am 14. Januar 2015, 06:49

von Harald Knabl

Der Grundkonsens des Menschseins. Harald Knabl über den eiskalten Terror in Paris.

Was passiert da gerade mit uns? In welche Zeiten sind wir geraten? Die Welt blutet zurzeit. Die Wunde ist groß, wir, die Menschheit ist nicht in der Lage, diese Wunde zu versorgen. Im Gegenteil.

Der Schock, der einen erfasst, wenn man sich Bilder vom Überfall auf die Pariser Zeitungsredaktion ansieht, ist groß. Spätestens hier, oder bei den Enthauptungen durch die IS, trennen sich Weltbilder, trennt sich unser Begriff vom Menschsein von jenem jener.

Nicht, dass unser Gesellschaftsgedanke nicht frei von Gewalt wäre. Nicht, dass auch wir unser humanitäres Gewissen nicht auch noch täglich auf die Probe stellen könnten und damit verbessern sollten, und vor allem auch nicht, dass wir allen Kulturen dieser Welt unsere Lebensweise mit allen Mitteln aufs Auge drücken sollten. Nein, darum geht es nicht.

Worum es geht, das ist der menschliche Grundkonsens, nämlich der uns mitgegebene, angeborene. Die Wertschätzung des Lebens, die Achtung der Würde des Menschen. Und genau diese werden von diesen Grüppchen derzeit mit Füßen getreten und öffentlich als Schwäche bloßgestellt.

Das ist an sich schon entsetzlich genug, doch gleichzeitig werden ja auch unsere gesellschaftlichen Werte angesprengt. Werte, wie zum Beispiel die Meinungsfreiheit, eine der wichtigsten Säulen in unserem demokratischen Weltbild. Ein kluges Wort kann mächtig sein, wie wir und auch jene, die sich davor fürchten, wissen.

Wir werden uns wehren müssen. Mit allen unserem Weltbild und unserem gesellschaftlichen System entsprechenden Mitteln. Mit Worten und Zeichnungen, mit Liedern, strengeren Gesetzen – und wenn nötig leider auch mit uns verteidigender Gewalt. In diesem Sinne sind wir alle Charlie.