Erstellt am 21. November 2012, 08:36

Der Milliardär und seine Mitläufer. Harald Knabl über den gefährlichen Einstieg von Frank Stronach in die Politik.

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Eigenständiges Denken steht nicht im Parteiprogramm, wetten? Wer bei Frank Stronach dabei sein will, der hat das zu wissen. Die Beantwortung der Frage, WANN etwas passiert, hängt ausschließlich mit der Anwesenheit Stronachs in Österreich zusammen, die Frage, WAS passiert, von dessen Stimmungslage. Und weil die Goldene Regel ja eigentlich besagt, dass man sich im Leben alles kaufen kann, tritt der Milliardär den Beweis an: Stronach geht auf Shopping Tour und kauft sich die Politik samt Protagonisten.
Die wissen jetzt zwar nicht, wofür sie eigentlich stehen, aber was soll’s, der Frank wird’s ihnen schon sagen. Wenn er Zeit hat. Und außerdem, so wissen wir seit letzter Woche, hat er sowieso noch viel Zeit, weil er ja sicher über hundert Jahre alt wird.

Zugegeben, das klingt nicht nur zynisch, das ist es auch. Aber was uns zuletzt seitens der Stronachianer zugemutet wurde, verlangt nach Sarkasmus gewürzt mit einem Schüsschen Angst, dass die simple Rechnung, dass Geld alleine die Politik bestimmt, aufgehen könnte.
Stronach nimmt Rache an seiner Heimat, die ihm zu wenig Liebe entgegenbringt, und an der etablierten Politik, die ihm viele seiner Wünsche nicht erfüllt hat.
Frank Stronachs Einstieg in die Politik ist für die demokratische Gesellschaft gefährlicher als man  zuerst glaubte. Nicht, weil er die Gefahr aufzeigt, dass, wenn die Masche reingeht, Politiker künftighin nur sein kann, wer selbst genug Geld hat (in Amerika ist’s genau so), sondern, weil wieder einmal ein autoritärer Ansatz droht, gesellschaftsfähig zu werden. Diesmal halt unter dem Deckmäntelchen des lupenreinen Kapitalismus. Und das ist in Italien schon ordentlich schief gegangen.