Erstellt am 20. Juni 2012, 07:08

Die Grünen als Lebensretter?. HARALD KNABL über die neue Rolle der Grünen als mögliche Regierungspartner.

 |  NOEN
Da hat nicht viel gefehlt, und im Parlament wäre es zu Szenen gekommen, die wir teils belustigt, teils schockiert aus südlicheren Gefilden kennen. H.C. Strache ist in der Vorwoche im wahrsten Sinne des Wortes ausgeflippt, weil ÖVP, SPÖ und die Grünen gemeinsam für den EU-Finanzpakt einen Antrag einbrachten. Ganz abgesehen vom Stil und von der derben Tonalität, mit der Strache seinem Ärger Luft machte, der FPÖ-Chef kann sich darauf einstellen, künftighin des Öfteren im Abseits zu stehen. SPÖ und ÖVP werden, so wie es aussieht, jemanden zum Regieren brauchen. Und das werden nicht die Freiheitlichen sein.

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass nach den Nationalratswahlen im kommenden Jahr die Große Koalition fortgeführt werden kann. Auch alle anderen Zweierkombinationen werden die 50-Prozent-Hürde nicht nehmen können. Und sind außerdem teilweise undenkbar. Rot mit Blau etwa. Und weil Rot mit Blau auch nicht gemeinsam mit Schwarz geht, und das BZÖ parlamentarisch vielleicht gar nicht mehr existieren wird, kommen die Grünen ins Spiel.

Die sind zwar auch angeschlagen, haben sich aber etabliert. Das, was sie eigentlich nie sein wollten, nämlich eben eine etablierte Truppe, könnte die Grünen in die Regierung bringen.
Es mag schon ein wenig nachdenklich stimmen, dass die ehemaligen Revoluzzer dazu auserkoren sind, die ehemaligen Feindbilder an der Macht zu halten. Doch angesichts des Rest- angebotes und was da noch auf uns zukommen könnte, Stichwort Piraten, hat die Situation auch den Keim der Hoffnung in sich, halbwegs stabile Zustände zu halten.