Erstellt am 11. September 2013, 07:26

Diskussionen als Show-Ereignis. Harald Knabl über die Fernsehduelle der Spitzenkandidaten zur Nationalratswahl.

© Franz Baldauf , St. Pölten , 26.09.2012 , NÖN Chefredakteur und Geschäftsführer vom NÖ Pressehaus Prof. Harald Knabl  |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Egal, ob die Fernsehkonfrontationen nun die kommende Nationalratswahl mitentscheiden oder nicht, das Spektakel, welches da, egal auf welchem Sender, abgeliefert wird, hat mittlerweile sehr wenig mit dem Transport von Werten oder Inhalten zu tun. Was man bei den sogenannten Privaten ja noch verstehen kann, was beim ORF aber nahe daran ist, den Informationsauftrag einer vermeintlich höheren Quote zu opfern.

Aus der an sich guten Idee, die Konfrontationen vor Publikum ablaufen zu lassen, haben die Parteien einen Wettkampf ihrer Soldaten gemacht. Da wird nach jedem Sager (und ist er auch noch so dumm, und liegt der eigene Spitzenkandidat damit auch noch so falsch) eifrig geklatscht und gejubelt. Mit inhaltlicher Zustimmung hat das nichts mehr zu tun. Vielmehr mit reiner Inszenierung. Die Folge: Die Politik macht wieder einen Schritt in Richtung Show, wieder einen weg von Natürlichkeit und Hausverstand.

Der Standpunkt wird der Pointe geopfert.
Als Frank Stronach bei seinem ersten Auftritt völlig aus der Fassung polterte, was bei ihm authentisch ist, wurde ihm mangelnde Erfahrung im Umgang mit Medien vorgeworfen. Als er sich das nächste Mal sichtlich schaumgebremst und staatsmännisch – also einstudiert, und nicht authentisch – gab, hatten die Medienberater ihren Job verrichtet. Ob’s dem guten Frank wirklich gut getan hat, sei hiermit hinterfragt. Das Hauptmotiv Frank Stronach zu wählen, ist Protest gegen die bislang etablierte Politiklandschaft und es sind nicht dessen Standpunkte.
Fairerweise sei hier noch angemerkt, dass der oben kritisierte Showcharakter der Diskussionen funktioniert. Die Quoten sind hoch. Und das ist dem ORF am wichtigsten.