Erstellt am 27. April 2016, 06:44

von Markus Stefanitsch

FPÖ-Kantersieg: „Da Niessl woar’s“. Markus Stefanitsch über die falsche These, dass die FPÖ erst im Burgenland salonfähig wurde.

Auf das politische Erdbeben vom Sonntag folgte am Montag in Ostösterreich ein echtes. Fast schon symbolhaft möchte man meinen, denn die Parteien waren Anfang der Woche ob des doch überraschenden Ausgangs der Bundespräsidentenwahl noch sichtlich geschockt.

Überraschend war aber keineswegs die Tatsache, dass keiner der beiden Kandidaten der Altparteien SPÖ und ÖVP in die Stichwahlen gekommen ist. Unter der Hand glaubten im Burgenland selbst die eingefleischtesten Funktionäre nicht an den Funken einer Chance ihrer Kandidaten.

Eher die Höhe des Sieges von Norbert Hofer (FPÖ) hat die österreichische Politiklandschaft gehörig durcheinander gerüttelt. Bei der Stichwahl gegen Alexander Van der Bellen am 22. Mai geht es jetzt – bei allen Beschwichtigungsversuchen – nur noch um eine „Grenzen-Dicht“-Politik von Hofer oder einen liberalen „Wir-schaffen-das-mit-Europa“-Kurs von Van der Bellen. Dazwischen gibt es nichts.

Im Burgenland selbst hat sowohl der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer (41,9 Prozent) als auch Rudolf Hundstorfer (17,5 Prozent) das jeweils beste Bundesland-Ergebnis eingefahren. Für viele innerhalb der Bundes-SPÖ trägt auch Landeshauptmann Hans Niessl Mitschuld am Wahlsieg Hofers. Er habe die Blauen mit der Koalition im Burgenland salonfähig gemacht, heißt es aus Wien. Wohlwissend, dass diese Argumentation viel zu kurz gegriffen ist.

Innerhalb der Bevölkerung ist die Stimmung schlecht. Die Angst vor den Herausforderungen der Zukunft ist groß. Hofer hat diese Themen – im Gegensatz zum radikalen Ansatz seines Chefs HC Strache und vor allem der hilflos wirkenden Altparteien – galant besetzt und sich damit selbst salonfähig gemacht.